Nach der Zwangspause

Bremer Schulen rüsten für den Neustart

Wenn am Montag in Bremen in begrenztem Maße der Unterricht wieder beginnt, ist Abstand das Gebot der Stunde. Die Schulen müssen entsprechende Vorkehrungen treffen.
23.04.2020, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Schulen rüsten für den Neustart
Von Jürgen Hinrichs
Bremer Schulen rüsten für den Neustart

Vorbereitungen für den Unterrichtsbeginn: Ein Schulhausmeister stellt Stühle und Tische im richtigen Abstand auf.

Fabian Strauch

Die Bildungsbehörde wird es ab Montag, wenn der Unterricht wieder beginnt, im Wesentlichen den Schulen überlassen, wie sie den Ausnahmezustand während der Corona-Krise meistern. Das Ressort teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, auch in diesem Fall am bremischen Prinzip der „kooperativen Steuerung“ festhalten zu wollen. „Schulleitungen und Behördenmitarbeiter tauschen sich intensiv und temporeich darüber aus, was als Rahmensetzung notwendig und in der Praxis möglich ist“, erklärte Annette Kemp, Sprecherin des Ressorts.

Das betreffe insbesondere die räumliche Situation, Abstandsgrenzen, die Hygiene und Schutzvorrichtungen, um die Ansteckungsgefahr zu mindern. Bremen sei gegenüber den Flächenländern, die zentrale Vorgaben machten, im Vorteil. „Die Kollegien vor Ort sind die Experten, was ihre Schulen angeht, wir vertrauen auf ihr Wissen und Know how“, so die Sprecherin. Außerdem seien die Schulen baulich höchst unterschiedlich und würden sich auch bei der Schülerschaft stark unterscheiden. Deshalb müsse gemeinsam über das Vorgehen entschieden werden.

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Am Montag starten nach Angaben der Behörde zunächst die 10. Klassen in den Oberschulen und die Vorbereitungsklassen der Gymnasialen Oberstufen. Sie werden nicht in ihrer gewohnten Größe zusammenkommen, sondern sich in Halbgruppen teilen. Räume sind dafür genug vorhanden, solange der Schulbetrieb nicht in vollem Umfang läuft. Angestrebt werden mindestens vier Unterrichtsstunden pro Woche.

Ab dem 4. Mai sollen die 4. Klassen der Grundschulen in Kleingruppen und mit wenigen Stunden in der Woche unterrichtet werden, schreibt die Behörde in einem Brief an die Eltern. Genaue Informationen würden die Schulleitungen herausgeben. Einschließlich der Notbetreuung dürften sich nicht mehr als ein Viertel der Schülerschaft in der Schule aufhalten.

Zum selben Termin sollen auch die Q1-Jahrgänge in den weiterführenden Schulen wieder unterrichtet werden. Ziel sei es, solche Fächer zu wählen, die für Abschlüsse wichtig sind. Die Schulen werden außerdem gebeten, ab dem 4. Mai Angebote für Schülerinnen und Schüler zu organisieren, die eine weitergehende Unterstützung benötigen. Damit der Infektionsschutz gewährleistet ist, soll dies in Kleingruppen geschehen. Nach dieser ersten Phase sei der Wunsch, so die Behörde, an den Schulen ein Rotationsprinzip einzuführen. Schülern aller Jahrgänge solle damit die Möglichkeit gegeben werden, einen regelmäßigen Kontakt mit den Lehrkräften und Teams an ihrer Schule zu bekommen.

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Viele Schulen werden nach Darstellung der Bildungsbehörde mit Flatterbändern arbeiten, um auch auf den Gängen Abstandsgrenzen zu ziehen. Ein- und Ausgänge würden zu Einbahnstraßen umfunktioniert, damit sich nicht so viele begegnen. Um eine Grundausstattung an Desinfektionsmittel sollen sich die Schulen selbst kümmern. In Notfällen will die Behörde aber einspringen.

In einem Schreiben an die Schulleitungen weist das Ressort darauf hin, dass für die Reinigung von Oberflächen normale Reinigungsmittel ausreichend seien. Die Hände sollten nur im Ausnahmefall desinfiziert werden: „Händewaschen nach den Vorgaben ist grundsätzlich ausreichend.“ Zumal die Menge an Desinfektionsmitteln begrenzt sei. Von mobilen Waschbecken für Klassenräume ohne Waschbecken rät die Behörde ab: „Ein organisiertes Händewaschen bei den naheliegenden Handwaschmöglichkeiten erscheint ausreichend praktikabel.“

Es gibt Schulen, die ihre Verwaltungskräfte, die am Tresen Kontakt zu den Schülern haben, mit Plexiglasscheiben schützen. Andere haben noch ganz andere Ideen. An der Europaschule Utbremen wurde in den vergangenen Wochen literweise Desinfektionsmittel produziert. Die Tüftler im Schulzentrum ­Vegesack wiederum haben einen Türklinkendrücker entwickelt, sie schneiden dafür mit dem Laser Kunststoffplatten zurecht. Die Drücker werden bereits erprobt, unter anderem von einem Pflegedienst.

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Wenn am Montag die ersten Schüler einrücken, geht eine wochenlange Pause zu Ende. Die Gelegenheit, um in den leeren Gebäude ungestört längst fällige Arbeiten zu verrichten. Nach Angaben von Immobilien Bremen (IB) ist das auch geschehen. „Wir haben von den Handwerkern in Absprache mit den Hausmeistern erledigen lassen, was sowieso auf der Liste stand“, sagt IB-Sprecher Peter Schulz. Fenster richten, Türen tauschen, Böden versiegeln, solche Sachen.

Größere Projekte, wie der Austausch maroder Toiletten, seien nicht in Angriff genommen worden. „Das lässt sich so schnell nicht planen, außerdem sind unsere finanziellen und personellen Möglichkeiten begrenzt“, so Schulz. Wohl aber sei bei Begehungen in einzelnen Schulen der Sanierungsbedarf ermittelt worden. Die Reinigungskräfte hätten die Zeit für einen Frühjahrsputz genutzt.

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