64-Jähriger gestorben

Bremer Ruderszene steht unter Schock

Nach einem tragischen Unglück auf der Weser steht die Bremer Ruderszene unter Schock. Warum es zur Kollision zwischen Ruderboot und Binnenschiff kam, ist nach wie vor unklar.
04.08.2020, 05:38
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Bremer Ruderszene steht unter Schock
Von Mathias Sonnenberg
Bremer Ruderszene steht unter Schock

Warum kollidierten Ruderboot und Binnenschiff auf der Weser? Die Frage beschäftigt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Hier untersucht die Polizei das demolierte Boot.

Christian Butt

Am späten Montagabend die traurige Gewissheit: Bei dem leblosen Körper, den Passanten in der Weser gesehen hatten, handelt es sich um die Leiche des 64 Jahre alten Ruderers, der seit Sonnabend nach einem Unfall vermisst gewesen war. Ein Ruder-Viererboot war mit einem Binnenschiff kollidiert. Drei Ruderer konnten sich aus dem gekenterten Boot auf Höhe vom Café Sand an Land retten, der Vierte, ein 64-Jähriger, war zunächst als vermisst gemeldet worden. Tagsüber hatte die Wasserschutzpolizei mit einem Boot auf der Suche nach dem Vermissten die Uferböschungen an der Weser abgesucht.

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Ruderszene trauert

Günther Brandt, der Vorsitzende des Bremer Rudervereins von 1882, nennt die Situation schon vor Bekanntwerden dieser Gewissheit einen „Schock-Zustand“. Alle vier Ruderer gelten als Wassersportler mit einer sehr großen, teils 50-jährigen Ruder-Erfahrung. „Sie waren bestimmt zwei- bis dreimal pro Woche auf der Weser unterwegs“, sagte 1882-Vorstand Brandt, der sich noch immer nicht erklären kann, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Es habe keine besondere Strömung gegeben, das Wetter sei völlig normal gewesen, sagte Brandt. Die vier Ruderer gehören zum Bremer Ruderverein von 1882 und dem Bremer Sportclub. Beide Vereine stoppten am Sonntag den Sportbetrieb. Die Mannschaften, die sich unmittelbar von dem Unfall betroffen fühlen, setzen vorerst weiter mit dem Rudern aus.

Für die Staatsanwaltschaft steht eine fahrlässige Tötung im Raum, wie die Polizei am Montag auf Anfrage bekannt gab. Die weiteren Ermittlungen würden andauern, dazu gehöre auch die technische Aufklärung. So werde auch der Funkverkehr ausgewertet.

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Brandt widerspricht ersten Meldungen, nach denen das Ruderboot einige Meter von der vorgeschriebenen Fahrstrecke abgekommen und in die Mitte der Weser gefahren sei. „Es gab im Boot zwei GPS-Tracker, die wir uns angeschaut haben“, sagte Brandt. Daraus gehe hervor, dass das Ruderboot wie vorgeschrieben nahe dem Ufer entlang gefahren sei. „Das Boot wurde nicht in die Flussmitte bewegt“, erklärte Brandt. Warum es zur Kollision auf der Weser kam, ist nach wie vor ungeklärt. Die Polizei erklärte, dass Ruderboot und Binnenschiff frontal kollidierten. Die vier Ruderer saßen mit dem Rücken zum Binnenschiff, das Richtung Weserwehr unterwegs war. Für die Ruderer eine völlig normale Situation, sie waren als Vierer ohne Steuermann unterwegs. In diesem Fall obliegt es in der Regel dem Ruderer im Bug, die Strecke zu checken. Wer von den vier Ruderern ganz vorne saß, ist bislang ungeklärt. „Es ist mir unerklärlich, warum das Boot und das Schiff ineinander fuhren“, sagte Brandt. Die drei Ruderer im Alter von 49, 51 und 57 Jahren konnten sich selbstständig retten. „Sie haben erzählt, dass sie das Binnenschiff nicht gesehen haben“, berichtete Brandt. Für die Ruderszene in Bremen ist der Unfall tragisch. „Rudern ist doch ein absolut sicherer Sport“, erklärte Brandt, „wann passiert hier denn schon mal was?“ Es sei das erste Mal, dass es solch einen schrecklichen Unfall in Bremen gegeben habe. Entsprechend groß sei die Betroffenheit. Noch am Sonntag hätten drei Vereinsmitglieder mit einem Motorboot die Unfallstelle an der Weser abgesucht.

Weitere Informationen

In der vergangenen Woche hatte der Bremer Ruderverein noch erklärt, in diesem Jahr trotz Corona am Firmen-Rudertag festzuhalten. Das Rennen war für den 20. September angesetzt. Doch nach dem Unfall auf der Weser sagte Klaus Hartstock, einer der Organisatoren der Traditionsveranstaltung, den Rudertag am Montag ab.

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