75 Jahre WESER-KURIER

Nach „Mr. President“: Was Judith Hinkelmann heute macht

Mitte der 90er war die Bremerin Judith Hinkelmann ein Star mit der Gruppe „Mr. President“. Heute hat die 43-Jährige ihr Hobby zum Beruf gemacht.
14.09.2020, 11:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Nach „Mr. President“: Was Judith Hinkelmann heute macht
Von Jürgen Theiner
Nach „Mr. President“: Was Judith Hinkelmann heute macht

Hat ihr Leben gründlich entschleunigt: Judith Hinkelmann, die frühere Sängerin
der Popgruppe „Mr. President“ (mit ihrer Band im Jahr 1997 und heute mit ihrem Pferd).

Fabian Wilking

Was ist eigentlich aus den Menschen geworden, über die wir vor Jahren einmal berichtet haben? Zum Jubiläum treffen wir einige von ihnen wieder und fragen mal nach.

Die Neunziger sind zurück. Viele Radiostationen mischen in ihre Musikauswahl verstärkt den Sound dieses Jahrzehnts. Der deutsche Beitrag dazu kam zum Teil aus Bremen – in Gestalt der Popgruppe „Mr. President“. Die beiden Gründungsmitglieder Judith Hinkelmann alias T-Seven und Daniela Haak (Lady Danii) stammen aus der Hansestadt, und zumindest Judith Hinkelmann ist Bremen treu geblieben, selbst wenn sie ihren Wohnsitz inzwischen ein paar Kilometer außerhalb hat, im Ritterhuder Ortsteil Stendorf.

Immer wieder berichtete der WESER-­KURIER über „Mr. President“. Mit der Schlagzeile „Poppiger Zauber“ kündigte die Musikredaktion einen Auftritt der Gruppe im Aladin oder an oder beschrieb das neue Album als „Streifzug cooler Nachtfalter“. Die Lokalredaktion ging am 29. März 1997 der Frage nach, wieso die Bremer Band Gesangsunterricht benötige. Auch über Hinkelmanns Solokarriere berichtete unsere Zeitung „T-Seven meldet sich zurück – mit ihrem Freund und einer CD.“

Waren in den 90er Stars: Die Mitglieder der Gruppe "Mr. President".

Waren in den 90er Stars: Die Mitglieder der Gruppe "Mr. President".

Foto: WEA

T-Seven war noch nicht mal volljährig, als „Mr. President“ durchstartete. 1995 gab es eine erste Goldene Schallplatte für den Hit „Up‘n Away“, danach ging es Schlag auf Schlag. Mit ihrem Eurodance-Sound trafen die Gruppe und ihre Produzenten den Geschmack der Zeit, auch außerhalb Deutschlands war man erfolgreich. Doch der Glamour der Konzerte, Shows und Fernsehauftritte, vor allem aber das permanente Auf-Achse-Sein hatte seinen Preis. „Wir reden hier von Musikindustrie – mit Betonung auf Industrie“, sagt Judith Hinkelmann in der Rückschau. „Wir waren ständig unterwegs, manchmal wusste ich gar nicht, von welchem Land aus ich gerade mit meiner Mutter telefonierte. Das schlauchte auch körperlich.“

Solo-Versuche

Ein paar Jahre lang zahlte T-Seven diesen Tribut an die Karriere gern, dann nur noch widerwillig, auch weil kein Abbiegen von der eingefahrenen musikalischen Erfolgsspur in neue Gefilde möglich schien. Die heute 43-Jährige erinnert sich an eine Preisverleihung. „Da sah ich mehrere Musiker, die sich weiterentwickelt hatten und wirklich tolle Dinge machten, während ich zum tausendsten Mal ,Simbaleo‘ singen musste.“ Anfang 2000 sprang die Bremerin vom Hamsterrad ab. Der Erfolg der anschließenden Solo-Projekte blieb überschaubar.

doc7e3cn1e8b3kebz5gk7m.jpg

Und dann? Es gibt genügend Beispiele für Künstler, die den Abschied von der großen Bühne nicht wirklich verarbeiten und Schwierigkeiten haben, wieder im normalen Leben Fuß zu fassen. Judith Hinkelmann vermittelt einen anderen Eindruck. Das verdankt sie wohl nicht zuletzt einer Konstante in ihrem Leben: dem Pferdesport. Schon als Kind verbrachte sie viel Zeit im Sattel. Auch während der musikalischen Karriere suchte sie – wann immer sich Gelegenheit bot – Entspannung in der Reiterei. „Pferdescheiße erdet“, findet T-Seven. Sie erwarb einen Trainerschein und spezialisierte sich darauf, Kommunikationsstörungen zwischen Pferdebesitzern und ihren Tieren zu analysieren und zu beheben. Nebenbei moderiert sie Radiosendungen bei Energy Bremen und erteilt Gesangsunterricht. Bis die Corona-Pandemie diese Möglichkeiten einschränkte, bestritt sie auch kleinere Konzerte mit dem Gitarristen Volkmar Dittmer. Unplugged präsentierte sie dabei unter anderem Erfolge von „Mr. President“ in unerwarteten Arrangements. Befreie man die Stücke vom stampfenden Eurobeat-Groove, zeige sich die Qualität mancher dieser Kompositionen, findet die Sängerin.

Lesen Sie auch

Weitere Informationen

Dieser Artikel ist Teil der Sonderveröffentlichung zum 75. Geburtstag des WESER-KURIER. Am 19. September 1945 erschien die erste Ausgabe unserer Zeitung. Anlässlich des Jubiläums blicken wir zurück auf die vergangenen Jahrzehnte: Erinnern uns an die Anfänge unserer Zeitung und auch an die ein oder andere Panne. Und wir schauen nach vorn: Wie werden Künstliche Intelligenz und der Einsatz von Algorithmen den Journalismus verändern? Natürlich denken wir auch an Sie, unsere Leser und Nutzer. Wer folgt unseren Social-Media-Kanälen, wer liest unsere Zeitung? Was ist aus den Menschen geworden, über die wir in den vergangenen Jahren berichtet haben? Und wie läuft er eigentlich ab, so ein Tag beim WESER-KURIER?

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+