Nachbau der „Najade“ geplant

Tschüss mien Deern

Mit Bundesmitteln soll ein Nachfolgeschiff aus Stahl für den Anfang 2019 havarierten Großsegler „Seute Deern“ realisiert werden. Statt des Dreimasters ist jedoch der Nachbau der „Najade“ geplant.
04.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel
Tschüss mien Deern

Wartet im Alten Hafen auf das Abwracken, weil es politischen Streit um die Kostenverteilung zwischen Bremen und Bremerhaven gibt: der Holz-Rumpf der „Seute Deern“.

Helmut Stapel

Ein Nachbau des havarierten Großseglers „Seute Deern“ aus Holz macht keinen Sinn. Zu diesem Schluss kommt ein Vergleichsgutachten, in dem verschiedene Varianten für ein Ersatzschiff untersucht wurden. Der 100 Jahre alte hölzerne Dreimaster war Anfang 2019 im Museumshafen des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Brand geraten und anschließend auf Grund gegangen. Mit Bundesmitteln soll nun ein Nachfolgeschiff aus Stahl realisiert werden. Am Freitag wurde die Studie in Bremerhaven vorgestellt.

Werden die Pläne umgesetzt, dann gehört die Silhouette der „Seute Deern“ im Alten Hafen von Bremerhaven der Vergangenheit an. Die Dreimastbark hatte dort seit 1966 gelegen, am südlichen Eingang der heutigen Havenwelten. „Emotional mag ein Nachbau des Schiffes begründet sein. In der Praxis lässt sich das aber nicht umsetzen“, erläuterte Torsten Conradi, beauftragter Gutachter der Bremerhavener Schiffs- und Yachtkonstruktionsfirma judel/vroliijk & co.

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Es sei weder das notwendige Holz in der verarbeitungsfähigen Menge vorhanden, noch irgendwo in Europa eine Werft, die das Projekt auf Nachfrage als Auftragsarbeit übernehmen wolle. „Wir sprechen hier von rund 2100 Kubikmeter Eichenholz, das größtenteils neu geschlagen werden müsste“, so Conradi. Als mögliche Bauzeit für ein solches Schiff veranschlagt er bis zu zwölf Jahre. „Das ließe sich nur mit einer Bauwerft auf dem Gelände des Deutschen Schifffahrtsmuseums umsetzen. Dafür gibt es weder den Platz noch würde das zur Verfügung stehende Geld reichen.“

Rund 46 Millionen Euro stehen für das Projekt aus Bundesmitteln zur Verfügung. Als Schnittstelle zwischen dem Bundeskulturministerium und Bremerhaven fungiert der ehemalige Staatssekretär und Bremerhavener SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer. Seine Botschaft aus dem Ministerium: „Achtet auf die Kosten. Wir wollen keine ‚Gorch Fock 2‘.“ Dieses Kriterium ist dann auch in die Varianten zum möglichen Nachbau der „Seute Deern“ eingeflossen.

In seiner Geschichte mehrfach umgebaut

Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass ein Stahlschiff die einzig vertretbare und finanzierbare Lösung ist. „Hierbei ergibt sich nun die Frage, ob und warum es ein exakter Nachbau der ‚Seute Deern‘ sein muss. Das Schiff stellt in keiner Form irgendeinen Typus eines historischen Segelschiffes dar“ so Torsten Conradi. Es sei im Gegenteil in seiner Geschichte mehrfach umgebaut worden und vom ursprünglichen Viermast-Gaffelschoner sei nichts mehr zu sehen.

„Da ein möglicher Nachfolger der ‚Seute Deern‘ im Hafen des Schifffahrtsmuseums als National- und Forschungsmuseum liegen wird, ist es nur folgerichtig, ein historisches Schiff nachzubauen“, erläuterte Torsten Conradi die Überlegungen. Die finanziellen Mittel dafür kämen schließlich aus dem Kulturministerium und es sei schwer vermittelbar, dafür ein Restaurantschiff neu zu bauen. Der Vorschlag der Gutachter: ein Nachbau der „Najade“.

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„Das ist das erste in Deutschland gebaute stählerne Vollschiff – also mit kompletter Rahbesegelung und drei Masten“, erläuterte Conradi. Zudem sei dieses Schiff im Jahr 1888 auf der damaligen Tecklenborg-Werft im heutigen Bremerhaven gebaut worden. „Dieser Plan findet große Zustimmung, und auch aus Berlin gibt es dafür bereits grünes Licht“, kommentierte Uwe Beckmeyer. Das Segelschiff wäre auch von den Abmessungen her passend für die Zufahrten zum Alten Hafen und könne vom Schifffahrtsmuseum für die Darstellung der Frachtschifffahrt bis zum heutigen Hafenumschlag genutzt werden.

Aus Sicht von Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) ist die vorgeschlagene Vorzugsvariante eines solchen Stahlschiffes, das stationär im Museumshafen liegt, die beste Lösung als Ersatz für die „Seute Deern“. „Im Gesamt-Entwicklungskonzept für die Außenanlagen des DSM kann vor dem Hintergrund über historisch nachempfundene Land- und Kajenanlagen nachgedacht werden. Eine solche Rekonstruktion ist auch eine Chance für den gelungenen Anschluss des Areals an die Havenwelten“, so Grantz. Zudem sei es möglich, ausgebaute Originalteile der „Seute Deern“ an Bord des Stahlschiffes zu zeigen und damit den Holzschiffbau abzubilden.

CDU sieht weiteren Klärungsbedarf bei der Finanzierung

Noch liegt der Rumpf der „Seute Deern“ ohne Masten am südlichen Ende des Alten Hafens und wartet darauf, endgültig abgewrackt zu werden. Aktuell gibt es politische Unstimmigkeiten innerhalb der Bremerhavener Koalition zur Finanzierung der drei Millionen Euro für die Abwrackkosten. Während Grantz von einer Einigung mit den zuständigen Stellen in Bremen spricht, sieht die CDU weiteren Klärungsbedarf bei der Finanzierung. Der Fraktionsvorsitzende Torsten Raschen: „Es gibt keine Einigung mit Bremerhaven über eine Kostenübernahme und auch keine Gremienbeschlüsse dazu.“

Die politische Abstimmung in der Koalition zur Vorzugsvariante beim Ersatz für die „Seute Deern“ soll laut Grantz bereits in der kommenden Woche stattfinden. Wird das Projekt so umgesetzt, muss es laut Gutachter europaweit ausgeschrieben werden. Torsten Conradi: „Wünschenswert wäre natürlich, dass ein Nachbau der ‚Najade‘ hier in der Region von einer Werft realisiert wird.“ Läuft alles nach Plan, könnte das Ersatzschiff für die „Seute Deern“ bereits in drei Jahren im Alten Hafen liegen.

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