Neuenkirchener gründet Hilfsverein

Nachhaltige Eindrücke führten zu "African Roots"

Ein Lehrer-Praktikum in Tansania war der Auslöser: Timo Eylers aus Neuenkirchen gründete mit sechs weiteren Kommilitonen an der Uni Münster den gemeinnützigen Hilfsverein „African Roots“.
09.10.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexander Bösch

Ein Lehrer-Praktikum in Tansania war der Auslöser: Timo Eylers aus Neuenkirchen gründete mit sechs weiteren Kommilitonen an der Uni Münster den gemeinnützigen Hilfsverein „African Roots“.

Eigentlich sollte es nur eine Stippvisite werden, die Timo Eylers im vergangenen Jahr nach Tansania führte. Von dem in Münster angebotenen Austauschprogramm „Easy go – easy come“ hatte der Lehramtsstudent für Geschichte und Germanistik ein Praktikum als Lehrer in dem ostafrikanischen Land bekommen – und war hellauf begeistert.

In der Primary School im Ort Sanya Juu unterrichtete er mit zwölf weiteren Lehrern rund 500 Schüler. Stand die Sonne günstig, könnte der gebürtige Neuenkirchener vom Schulhof aus direkt auf den Kilimandscharo blicken. Bei den Massai lernte er Stammestänze und Speisen wie Kuh-Ohren und Ziegenfleisch kennen. Ein Trip in die Serengeti bot ihm atemberaubende Anblicke wie über den Zeltplatz stampfende Elefanten oder Flamingos in Scharen.

Maroder Zustand der Grundschulen

Eindrücke, die den 27-Jährigen nicht mehr losließen. Vor allem der marode Zustand der Grundschulen in seiner Gastgemeinde im Bundesland Kilimandscharo beschäftigte Timo Eylers nach der Rückkehr in seinen Studienort Münster. „Im vergangenen Jahr waren mir vom Kultusministerium einige Entwicklungshilfeprojekte vorgestellt worden. In den rund 20 Primary Schools für erste bis siebte Jahrgänge gab es Klassen mit bis zu 130 Schülern. Die sanitären Anlagen waren in einem schlechten Zustand, und acht Lehrer waren für 900 Schüler zuständig“, erinnert sich Timo Eylers und zeigt Videos. Über einem offenen Feuer werden Mais und Bohnen für die Schüler gekocht. Oft gibt es in den Schulen anstatt Fenster nur löchrige Holzplatten, durch die ein wenig Licht scheint oder durch die es hineinregnet. In den Massaischulen sitzen die Kinder anstatt auf Bänken oft auf Holzbrettern, die auf dem sandigem Boden liegen.

Der lausige Zustand der Schulen bereitete dem deutschen Studenten Gewissensbisse, zumal er von Lokalpolitikern im Siha-Distrikt gebeten worden war, sich langfristig zu engagieren. Timo Eylers beschloss, ein weiteres Mal in das lieb gewonnene Land am Indischen Ozean zu reisen und eine Hilfsorganisation zu gründen.

„Häufig wird kritisiert, dass man nichts Nachhaltiges tut, wenn man als Lehrer für ein paar Wochen in einer afrikanischen Schule aushilft und dann wieder weg ist“, findet der Student. Besonders die Gewohnheit vieler junger Amerikaner oder Europäer, direkt nach dem Abitur ohne Qualifikation einen Abenteuerurlaub und eine einjährige Lehrertätigkeit in Afrika zu vermengen, sei ihm ein Dorn im Auge. „Allein kann ich nicht viel bewirken. Also habe ich andere Studenten der Organisation um Unterstützung gebeten, die ebenfalls schon ein Praktikum absolviert hatten. Entweder in Tansania oder Burkina Faso“, erzählt Timo Eylers. Zusammen mit sechs weiteren Kommilitonen gründete er den gemeinnützigen Verein „African Roots“. Bislang sammelte der Verein knapp 5000 Euro. Ein Teil davon ist die großzügige Spende einer Firma, in der die Mutter eines Vereinsmitglieds arbeitet.

Kontakte zur Regierung

Mitte Juli flog Timo Eylers zur Planung einer weiteren Primary School in Sanya Juu für vier Wochen nach Tansania. Dank eines Praktikums im Jahr zuvor verfügte er bereits über Kontakte zur dortigen Bezirksregierung. In Burkina Faso und in Tansania kümmert sich jeweils ein Koordinator um die Realisierung der Projekte. „Es war uns von Anfang an wichtig, dass die Bevölkerung vor Ort eingebunden ist, bei den Projekten mithilft und das Material beschafft“, betont Eylers. Nachdem er im Juni Kontakt mit den örtlichen Behörden aufgenommen hatte, kümmerte sich der Neuenkirchener um die Begehung der Bauplätze und die Koordination der Kosten.

Ein befreundeter Arzt, Sohn seiner ehemaligen Gastfamilie, kümmert sich ehrenamtlich um die Materialbeschaffung vor Ort, verwaltet Quittungen und Gelder. Eylers stellte sicher, dass es nach Fertigstellung der Schule genügend Lehrer geben wird. Der Ältestenrat des Dorfes sammelte Gelder, um Tische und Stühle zu finanzieren. Die Organisation karitativer Projekte in Afrika sei aufgrund der weit verbreiteten Korruption nicht immer einfach.

Für die aktuellen Projekte von „African Roots“ sieht es dennoch bestens aus. Die ersten Bauschritte der neuen Schule in Tansania sind abgeschlossen. Zwei Klassenräume, ein Head Teacher Office, ein Lehrerzimmer, und ein Lagerraum für Unterrichtsmaterialien wird das Gebäude bekommen. Statt aus Holz und Wellblech bestehen die Wände der neuen Primary School aus Beton, unterrichtet wird auf Suaheli und Englisch. Weitere Klassenräume sollen später durch eigene Initiativen der Bevölkerung angebaut werden.

„Die nächsten Bauschritte sind das Dach und die Fenster. Sobald wir einen gewissen Betrag zusammenhaben, schicken wir ihn wieder nach Tansania zu unserem Koordinator, der gemeinsam mit der Bezirksregierung die benötigten Baumaterialien kauft und uns dann die Quittungen und aktuelle Bilder zukommen lässt“, erzählt Eylers, der besonders die Herzlichkeit und Offenheit in dem afrikanischen Land schätzt.

„Man sieht an jeder Ecke, dass das Land Fortschritte macht, aber es fehlt oft an einem Budget für die Projekte“, hat Eylers festgestellt. Nach Beendigung seines Studiums kann sich der Neuenkirchener vorstellen, dauerhaft in das für ihn magische Land am Kilimandscharo auszuwandern und dort weitere Hilfsprojekte zu betreuen.

Nähere Information über das Projekt gibt es unter www.africanroots-ev.de

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