Gemeinnütziges Projekt Der Umwelt zuliebe

Jana Hüntelmann interessiert sich schon immer für Mode, und schon länger für Nachhaltigkeit. Zusammen mit ihrem Kollegen Kim Onken hat sie eine nachhaltige Kleidungsmarke mit Bremer Motiv gegründet.
07.01.2022, 18:15
Lesedauer: 4 Min
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Der Umwelt zuliebe
Von Patricia Friedek

Manchmal braucht es nur einen kleinen Denkanstoß, ein bisschen Inspiration, um das zu verwirklichen, was vielleicht schon länger in einem schlummerte. So war es zumindest bei Jana Hüntelmann, als sie einen Artikel in der "Zeit" las. Er drehte sich um die Gründung von Start-Ups in den USA im ersten Corona-Lockdown. Was sie bis dahin wusste: Sie interessiert sich für Mode und für Nachhaltigkeit. Und, sie will dem Alltag als Lehrerin noch etwas hinzufügen, ein wenig aus ihren Routinen ausbrechen. 

Ihre Mutter habe ihr schon als Kind teure Markenstiefel angezogen und ihr die wildesten Frisuren gemacht, erinnert sich Jana Hüntelmann. "Ich interessiere mich sehr für Mode und verfolge, was im Trend ist. Auch, wenn ich gerade nicht so rumlaufe", sagt sie selbstironisch und schaut an sich herunter. Ein schlichter Kleidungsstil, dunkle Jeans, dünner Rollkragenpullover in Schwarz. Mit ihrem Lehrerkollegen Kim Onken hat sie die Umweltthemen gemeinsam. Die Idee kommt im Gespräch in der Schule auf: Warum nicht ein eigenes Label für nachhaltige Mode gründen – am besten mit lokalem Bezug?

Schon bald grübeln die beiden über den Namen und wissen, es sollen T-Shirts werden, die einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck haben. Sie sollen aus Bio-Baumwolle bestehen, die nicht mit Pestiziden behandelt wurde, damit die Böden nicht unnötig belastet werden. Die Menschen, die an der Produktion beteiligt sind, sollen einen fairen Lohn bekommen und das Geld einem gemeinnützigen Verein zugute kommen, am liebsten auch aus Bremen. Die Produktion soll tierversuchsfrei sein. Onken und Hüntelmann einigen sich auf "umzu", ein Wörtchen, das vor allem Menschen aus Bremen und der Umgebung kennen. Hüntelmann zeichnet mit dem Computerprogramm "Word" das Motiv, das die T-Shirts schmücken soll: Bremen, Bremerhaven und die Weser bildet sie abstrakt ab, dahinter malt sie einen orangefarbenen Kreis. "Ich mag es, wenn etwas Unklares auf etwas Klares wie einen Kreis trifft", sagt sie. Einen Bezug zur Kunst habe sie schon lange, selbst gezeichnet eher selten. In der Siebdruckwerkstatt der Schule drucken sie und ihr Kollege die Motive probeweise auf die Shirts. Die jungen Unternehmer melden ein Gewerbe an. Da ist es Mai 2021.

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Jetzt, ein bisschen mehr als ein halbes Jahr später, steht ein Karton voll mit T-Shirts in Jana Hüntelmanns Büro in ihrer Altbauwohnung. 100 Stück hat sie zunächst in Portugal produzieren lassen. Die Kleidungsstücke sind farblos, wurden nicht gebleicht, sitzen locker und sind geschlechtsneutral. Hüntelmann war es wichtig, dass sie schlicht und zeitlos sind, damit man sie auch in einigen Jahren noch anziehen kann. Auf dem Rücken das Motiv und vorne ein ganz kleiner, kaum sichtbarer Stick mit dem Label "umzu."

"Am Anfang dachte ich noch, ich will eine ganze Kollektion mit T-Shirts, Pullovern und Jute-Beuteln herausbringen", erzählt Jana Hüntelmann. Doch dann wurde ihr klar, dass die Ansprüche, die sie an ihre Produkte hat, eben auch kosten. Etwa 24 Euro kostet so ein T-Shirt nun in der Produktion, der Verkaufspreis liegt bei 35. Der Plan sei, das Geld zu spenden – bisher habe sich aber noch keine passende Umwelt-Organisation gefunden, mit der Hüntelmann und Onken kooperieren würden und umgekehrt. Der Rest des Geldes soll in das Projekt fließen.

Jana Hüntelmann will damit einen Anreiz geben, für das, wofür sie selbst erst sensibilisiert werden musste. Denn als sie noch bei ihren Eltern im Emsland lebte, sei sie wenig mit Nachhaltigkeit in Berührung gekommen. Auch in der Schule habe man ihr das Thema kaum nahe gebracht, erzählt die 30-Jährige. Deshalb verfolgt sie das Ziel, auch ihre Schülerinnen und Schüler an der Oberschule dafür zu begeistern. Dabei ist sie überzeugt: "Die Kinder müssen daran Spaß haben – es bringt nichts, mit der Moralkeule zu kommen."

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Eine Mitbewohnerin, mit der sie in ihrem Studium in Oldenburg zusammenlebte, machte Jana Hüntelmann darauf aufmerksam, zum Beispiel weniger Plastik zu benutzen oder ihre Ernährung anzupassen – wenig bis keine Tierprodukte zu essen und regional einzukaufen. In ihrer Wohnung stehen fast ausschließlich gebrauchte Möbel, Kleidung kauft Hüntelmann gerne Second Hand oder auf dem Flohmarkt. Sie hat aufgehört, zu fliegen, reist nur noch mit dem Auto oder Zug. "Ich mache das, weil ich das möchte und weil ich es mag, in der Natur zu sein." Und trotzdem habe sie das Gefühl, dass ein nachhaltiger Lebensstil häufig negativ konnotiert sei.

Ihr ist auch bewusst: Im Grunde brauche das T-Shirt niemand und auch, wenn es nachhaltig produziert werde, verbrauche es Ressourcen. Sicher wäre es besser, wenn es komplett in Deutschland hergestellt würde, gibt sie zu – dafür fehle ihr aber das Geld, nachdem sie gerade ihr Bafög abbezahlt habe. Hüntelmann will zusammen mit ihrem Kollegen den Trend zur "Slow-Fashion" anstoßen, sagt sie, also der Entschleunigung der Modeindustrie – ein Gegensatz zur "Fast-Fashion", bei der Kollektionen möglichst schnell wechseln und zu niedrigen Preisen verkauft werden. "Wir sind nicht perfekt, aber versuchen, es besser zu machen."

Hüntelmann erzählt das alles ganz nüchtern und unaufgeregt. Sie habe keine hohen Erwartungen an "umzu", sie wolle erstmal schauen, wie sich die Nachfrage entwickelt. Bisher seien etwa 20 T-Shirts verkauft. Und doch hat sie ein paar Visionen. Eine davon: "Wie cool wäre das, wenn wir irgendwann an der Weser entlanglaufen, und dann jemanden mit unserem T-Shirt sehen?"

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