Heimatverein Farge-Rekum auf den Spuren des scheuen Vogels

Nachtigall-Konzert am Valentin

Vor allem die Ohren zu spitzen galt es bei der 20. Nachtigallexkursion des Heimatvereins Farge-Rekum rund um den Bunker Valentin. Zu Gesicht bekamen die Freunde des possierlichen Vogels den kapriziösen Zwitscherer erwartungsgemäß auch diesmal nicht, der Vogel bevorzugt dichtes Gestrüpp. 25 Teilnehmer hatten sich am Sonntag Abend auf die Suche begeben.[AUTOR]
15.05.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexander Bösch

Vor allem die Ohren zu spitzen galt es bei der 20. Nachtigallexkursion des Heimatvereins Farge-Rekum rund um den Bunker Valentin. Zu Gesicht bekamen die Freunde des possierlichen Vogels den kapriziösen Zwitscherer erwartungsgemäß auch diesmal nicht, der Vogel bevorzugt dichtes Gestrüpp. 25 Teilnehmer hatten sich am Sonntag Abend auf die Suche begeben.[AUTOR]

Rekum/Farge. "Es war die Nachtigall und nicht die Mönchsgrasmücke" hätte das Motto in Abwandlung des berühmten Shakespearezitats lauten können. Bei der 20. Exkursion des Heimatvereins Farge-Rekum in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) und der Biologischen Station Osterholz ( BioS) kamen 25 Teilnehmer in den Genuss, dem Gesang der "Lucyniae megarynchos" zu lauschen, besser bekannt unter dem Namen Nachtigall.

Bevor man sich am Rekumer Kahnschifferhaus aufmachte, um den lieblichen Klängen des zierlichen Vogels zu lauschen, gab Naturführer Eckehard Jähme mit dem Kassettenrecorder eine Kostprobe des Gesangs, der aus komplexen Strophen dicht gereihter Einzel- und Doppeltöne besteht. "Sehen werden wir ihn wohl nicht, das ist ein Lotteriespiel, die Nachtigall ist sehr kapriziös", bereitet Jähme die Naturfreunde auf ein rein akkustisches Schauspiel vor. Da die Vögel sich vorzugsweise im dichten Untergestrüpp zwischen Krautschichten aufhalten und keine blanken Böden mögen, wurde selbst der Vogelkundler des Vogels höchst selten angesichtig. Ausschließlich die Männchen sind es, die mit ihrem ab Ende April vernehmbaren Gesang eine Partnerin anlocken wollen oder ihr Revier gegen männliche Konkurrenten verteidigen. Immerhin, gibt Jähme beim Zwischenstopp zu bedenken, leichter als die Feldlerche, die sich zusätzlich zu allem Tirilieren noch in die Höhe schwingen müsse, habe es die sicher aus der Deckung heraus zwitschernde Nachtigall dann ja doch.

Voller Vorfreude ist auch Klaus-Peter Radecke aus Neuenkirchen. Neulich, nach einem Konzertbesuch, habe es beim Halten an der Fähre Berne-Farge für ihn eine unerhoffte Zugabe in Form gleich dreier sich gegenseitig übertrumpfender Nachtigallen gegeben. Auch Horst Hofmann ist von den Sangeskünsten gefiederter Freunde angetan. Eine Amsel, mit der er täglich kommuniziere, habe kürzlich nach zähem Ringen endlich eine dem Vogel unermüdlich vorgepfiffene alternative Strophe in ihr Repertoire aufgenommen.

Plötzlich spitzt Ekkehard Jähme beim Gang um den Bunker Velentin die Ohren. "Tjack, tjack, tjack, das war sie, sie zieht noch nicht voll durch. Das dazwischen war eine Mönchsgrasmücke", erklärt der Hobbyornithologe und löst ein kollektiv konzentriertes Horchen aus. Gerhard Scharnhorst empfiehlt den gezielten Blick auf die Betonkanten des Bunkers, auf denen gelegentlich ein Uhu zu erspähen sei.

Schluchzen im Dickicht

Inzwischen ist der Tross auf dem Deich angekommen und blickt auf die Weser. Bei Niedrigwasser am Strand dösende Seehunde, Schweinswale und sogar Kegelrobben könne der geneigte Naturfreund hier mitunter antreffen, berichtet Jähme, bevor sich alle wieder dem trällernden Objekt der Begierde zuwenden. War das da im Dickicht nicht gerade das charakteristische Schluchzen? Und tatsächlich: Aus den Büschen heraus lassen gleich mehrere Vögel ihre komplexen Strophen erklingen, mit denen sich sogar Gedächtnis- und Verhaltensforscher auseinandersetzen.

"Morgens ist ein undankbarer Zeitpunkt für ein Nachtigallkonzert, weil dann alle Vögel gleichzeitig singen", erklärt Siegfried Makedanz vom Nabu Schwanewede und empfiehlt Kennern eine mitternächtliche Exkursion. "Alleine würd ich mich hier nicht hertrauen, das ist ein bißchen unheimlich", gesteht eine Naturfreundin angesichts des düster dräuenden Bunkerkolosses im Hintergrund.

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