Achtklässler der GSO präsentieren Kurzfilm zum Projekt im Gerhard-Marcks-Haus

Nacktsein ist für jeden anders

Während des Projekts „Ist nackt schlimm?“ haben die Jugendlichen der Gesamtschule Ost (GSO) einen Film gedreht, der jetzt im Gerhard-Marcks-Haus Premiere hatte.
01.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sandy Bradtke
Nacktsein ist für jeden anders

Michelle (links) und Larissa von der Gesamtschule Ost nehmen eine Figur von Gerhard Marcks in die Mitte. Die beiden haben an dem Film zum Projekt „Ist nackt schlimm?“ mitgewirkt, den sie jetzt im Gerhard-Marcks-Haus präsentierten.

Walter Gerbracht

Während des Projekts „Ist nackt schlimm?“ haben die Jugendlichen der Gesamtschule Ost (GSO) einen Film gedreht, der jetzt im Gerhard-Marcks-Haus Premiere hatte.

Die Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse der Gesamtschule Ost (GSO) haben mit der Medienpädagogin Edina Medra einen Film über ein mit Scham behaftetes Thema gedreht: Nacktheit. Der Kurzfilm „Ist nackt schlimm?“ entstand während des gleichnamigen Projekts des Bremer Rats für Integration, dem Gerhard-Marcks-Haus und der GSO (wir berichteten). Im Gerhard-Marcks-Haus wurde der Film jetzt zum ersten Mal gezeigt.

Knapp fünf Monate haben sich fünf Klassen verschiedener Jahrgangsstufen der GSO mit „Nacktheit im Museum und anderswo“ beschäftigt. Die Mädchen und Jungen diskutierten darüber, schufen Kunstwerke und stellten eine eigene Ausstellung auf die Beine, die in dem Bildhauermuseum zu sehen war. Der Schwerpunkt der Sammlung des Museums liegt auf Aktfiguren. Die beiden Statuen „Adam“ und „Eva“ von Gerhard Marcks standen als Leihgabe im Eingangsbereich der Schule und wurden immer wieder in den Unterricht mit einbezogen.

Die Statuen spielen auch in dem Film, den zwölf Achtklässler drehten, eine Rolle. In dem etwa fünfminütigen Streifen beleuchten die Jugendlichen das Thema aus eigenen religiösen und geschichtlichen Blickwinkeln. Unter der Regie von Edina Medra haben die Schüler den Film konzipiert, gedreht und geschnitten. „Da die Schüler sich schon im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten, waren sie gut vorbereitet“, sagte Medra. „Die Arbeit vor und hinter der Kamera war besonders spannend für sie.“

Der Bremer Rat für Integration und die Gerhard-Marcks-Stiftung haben eine Dokumentation über das Projekt „Ist nackt schlimm?“ herausgegeben, die auch eine DVD mit dem Kurzfilm enthält. Dieses Heft sei an verschiedene Museen geschickt worden, erzählte der Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, Arie Hartog, bei der Filmpremiere: „Die Reaktionen darauf waren sehr gut.“ Durch die Dokumentation sei das Projekt nachhaltig und rege nun auch andere an, sich damit zu beschäftigen.

Der 14-jährige Farid aus Osterholz führt als Moderator durch den Film. Was als nackt gelte, unterscheide sich von Kulturkreis zu Kulturkreis. Religion spiele häufig auch eine Rolle. „Im Islam gilt eine Frau schon als nackt, wenn sie ihr Haar nicht bedeckt“, erklärte Farid. In Indien gelten hingegen Frauen, die ihre Knie zeigen als „leichte Mädchen“. Während es in Schweden vollkommen in Ordnung sei, sich öffentlich, zum Beispiel am Badestrand, zu entkleiden, seien die US-Amerikaner in diesem Punkt eher prüde.

„An der GSO sind über 90 Kulturen vertreten“, betonte Lehrerin Judit Widmer. Da prallen häufig Welten aufeinander. „In der alten Antike galten nur nackte Frauen als anstößig“, erzählt Farid im Film, „Männer turnten sogar nackt.“ Heute werden Frauen in den Medien oft nackt dargestellt, zum Beispiel bei der Fernsehshow „Germanys next topmodel“. Die Statue von Marcks „Eva“ würde sich heute hingegen nicht als Topmodel eignen. Sie sei zu klein und zu dick, so das Urteil.

Es gebe auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Das Schönheitsideal von Frauen änderte sich im Laufe der Jahrtausende häufig, das der Männer hingegen kaum. Die Regeln über Nacktheit betreffen zudem überwiegend Frauen, so die Feststellung der Jugendlichen.

Jugendliche hätten ein ambivalentes Verhältnis zu Nacktheit. Nackte Figuren oder Menschen seien ihnen einerseits peinlich. Andererseits interessierten sie sich auch dafür und verschickten an Freunde zum Beispiel Nacktbilder oder kommunizierten über sexuelle Themen per Kurznachrichtendienst. Ob nackt schlimm ist, liege ganz im Auge des Betrachters. „Für jeden gilt etwas anderes als nackt und jeder empfindet es unterschiedlich, aber es ist spannend, darüber zu sprechen“, sagte Farid.

Die beiden 14-jährigen Michelle und Larissa aus Osterholz finden es nach eigener Aussage komisch, sich mit Nacktheit zu beschäftigen. „Man zeigt sich ja nicht vor jedem nackt, das zu sehen ist dann ungewohnt“, erklärte Larissa. Die beiden Klassenkameradinnen haben die Skulpturen, die in dem Film zu sehen sind, bekleidet. „Außerdem haben wir sonst nie darüber gesprochen“, ergänzte Michelle.

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