Gefahrenstelle für Fahrräder?

Nadelöhr am Herdentor

ADFC und BUND fordern Veränderungen am Herdentor in Bremen. Ihrer Ansicht nach ist der Ort eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger.
15.04.2018, 17:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
Nadelöhr am Herdentor

Stephan Glinka (links) und Albrecht Genzel fahren auf dem
Radweg am Herdentor ‒ eine Stelle im Bremer Wegenetz, die aus ihrer Sicht
dringenden Verbesserungsbedarf hat.

Scheitz

„Wir sind für die Weiterentwicklung der Rad- und Fußwege“, ­versichern Albrecht Genzel, Verkehrsreferent beim „Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club“ (ADFC), und Stephan Glinka, der beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für Verkehrspolitik zuständig ist. Seit Anfang 2014 gibt bereits es den „Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025“, doch manch ein ambitioniertes Ziel ist noch in weiter Ferne. Insbesondere die „Umnutzung des Herdentorsteinwegs“ lässt auf sich ­warten.

Der Verkehrsentwicklungsplan sieht im Herdentorsteinweg die wichtigste Fußverkehrsverbindung zwischen Altstadt und Hauptbahnhof und hebt die hohe Bedeutung für den Radverkehr hervor. Er sieht aber auch auf der Straßenseite zur Wallmühle häufig ein Konfliktpotenzial zwischen Fußgängern und Radfahrern. „Daher ist es sinnvoll, den Radverkehr auf dieser Straßenseite auf einem Schutzstreifen auf der Fahrbahn zu führen, um den Fußgängerinnen und Fußgängern mehr Raum zu geben“, heißt es in dem Papier. „Zielerreichungsgrad: sehr hoch.“

Radweg sei Gefahr für Fußgänger und Radfahrer

Doch das Ziel ist noch nicht einmal ansatzweise in Sicht. Noch immer scheinen Konflikte zwischen den Fußgängern und den Radfahrern, die einen überaus schmalen Radweg nutzen müssen, programmiert. Und das nicht nur am Herdentor, sondern auch an anderen Stellen in Bremen wie beispielsweise an der Doventorscontrescarpe, wo eine Baustelle seit einiger Zeit für Verdruss bei Fahrradfahrern sorgt.

Legende zur Karte: Die blauen Punkte sind Hinweise des ADFC, die roten Punkte basieren auf Hinweisen unserer Leser.

Stephan Glinka etwa sieht in dem schmalen Radweg am Herdentor eine Gefahr für die Fußgänger und für die Radfahrer: „Wenn es voll wird, werden Fußgänger nicht auf den Radverkehr achten. Und wenn dann Fahrer mit Lastenfahrrädern kommen oder mit Pedelecs, dann wird es gefährlich.“ Die Radwegeanlagen müssten dem heutigen Radverkehr mit E-Bikes und Lastenrädern wie den sogenannten „Bakfiets“ entsprechend verbreitert werden. „Nach heutigen Maßstäben dürfte solch ein Radweg gar nicht mehr gebaut werden, er ist viel zu schmal. Es gibt immer mehr Bakfiets, da müssten die Radwege angepasst werden.“

Dem Verkehrsentwicklungsplan entsprechend, fordern Genzel und Glinka, dass die dritte Spur des Herdentors und seiner Verlängerung, des Herdentorsteinwegs, zum Fahrradstreifen umgewandelt wird. „Das bedeutet dann weniger Stress für die Fußgänger und die Herausnahme von Konfliktpotenzial“, sagt Albrecht Genzel. Es gebe Überlegungen, dass die Radfahrer ab der Bahnhofstraße stadteinwärts auf der Fahrbahn fahren, doch noch sei alles in der Schwebe. „Der Rest würde den Fußgängern zugeschlagen werden, was besonders ab der Brücke sinnvoll wäre.“ Und Stephan Glinka sagt: „Alles Mögliche ist denkbar. Der jetzige Radweg müsste zurückgebaut werden und über eine bauliche Trennung zwischen Rad- und Autoverkehr verfügen, etwa durch flache Bordsteinelemente, die in den Asphalt eingelassen werden.“

Vergleichsweise günstige Maßnahme

Eine Verlagerung des Konflikts zwischen Rad- und Autofahrern sieht Genzel nicht: „Dadurch, dass das Parkhaus Mitte wegkommt, wird es weniger Verkehr geben, und es werden dadurch weniger Fahrbahnen benötigt. Gewisse Einschränkungen für den Autoverkehr wird es geben, aber momentan gibt es Einschränkungen nur für Radfahrer und Fußgänger.“ Und er sehe auch, dass den Fußgängern bei der Ampel an der Kreuzung Herdentor und Am Wall beinahe nichts übrig bleibe, als auf den Fahrradweg zu treten: „Das kann konfliktfreier gelöst werden.“

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Insgesamt sei der ADFC dafür, dass mehr umweltfreundlicher Verkehr in die City komme. „Und wenn zum Beispiel die Brücke von Arsten nach Hemelingen gebaut werden würde, dann fänden wir das auch gut. Jeder Radfahrer ist einer mehr, der das Auto nicht nutzt, insofern darf man gerne mal tiefer in die Tasche greifen.“

Dabei sei die Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans am Herdentor eine vergleichsweise günstige Maßnahme, meint Stephan Glinka: „Und das wäre eine sichtbare Maßnahme, dass etwas für den Radverkehr getan wird. Das Fahrrad ist eine Alternative, und wenn wir die Alternative wollen, müssen wir zeigen, dass es auch ohne Autos geht.“

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