Torfkähne starten mit neuer Anlegestelle und prallem Programm in die neue Saison Nächste Station: Platzhirsch

Weidedamm·Lehe. In Bremen gibt es eine nagelneue Anlageform. Sie besteht aus Sandstein und Holz, und Anleger finden sie am Kuhgrabenweg auf Höhe des Restaurants „Zum Platzhirsch“.
21.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

In Bremen gibt es eine nagelneue Anlageform. Sie besteht aus Sandstein und Holz, und Anleger finden sie am Kuhgrabenweg auf Höhe des Restaurants „Zum Platzhirsch“. Rechtzeitig zum Saisonstart haben die Findorffer Torfkähne ihre neunte Haltestelle eingeweiht. Sie baut im wahrsten Sinne des Wortes auf Bremer Historie auf: Denn die Handwerker sind auf Relikte eines uralten Bootsanlegers gestoßen, der in die neue Konstruktion integriert worden ist.

Das Freilegen und Wiederbeleben Bremer Geschichte: Das ist seit mittlerweile zehn Jahren das Vorhaben, dem man sich verschrieben haben, sagt Ullrich Mickan, Betriebsleiter der Torfkähne Bremen mit Sitz am Findorffer Torfhafen. Vom Torfhafen aus ist der neue Bootsanleger in einer guten Stunde zu erreichen. Das ginge zwar heutzutage zweifellos viel schneller, vielleicht auch komfortabler als auf dem Wasserweg.

Aber viel dichter an der Natur und der Geschichte Bremens kann man sich nicht bewegen als in diesem typisch bremischen Verkehrsmittel. Der aktuelle Fahrplan hält dafür genügend Abwechslung für jede Tages- und Jahreszeit bereit, und für außerplanmäßige Unternehmungen lassen sich die Kähne chartern.

Zum festen Bestandteil des Fahrtprogramms gehören beispielsweise die Touren mit Geschichtenerzählerin Christine Bongartz. Für besonders nervenstarke Passagiere hat „Tine ut’n Moor“ nun eine Reihe der schauerlichsten Gruselgeschichten zusammengestellt, die man sich früher im Moor erzählte. Unter dem Motto „Das Grauen aus dem Moor“ wird es erstmals am Freitag, 22. April, um 22 Uhr losgehen. Der Fahrpreis für die jeweils rund eineinhalbstündigen Fahrten in die Nacht mit der Geschichtenerzählerin beträgt 21 Euro.

Seit der vergangenen Saison ist es auch möglich, in den Findorffer Torfkähnen eine Reifeprüfung zu absolvieren. Der Weg zum Findorffer „Torf-Abitur“ dauert gute drei Stunden und kann frei gebucht werden. Während der Fahrt erzählen die Skipper ihrer Reisegesellschaft viel Wissenswertes aus der Geschichte der Torfwirtschaft. Wer gut aufpasst, kann die Theorieprüfung locker bestehen. Für die praktische Prüfung gilt es unter anderem, einen Schifferknoten zu knüpfen, elegant eine „lütje Lage“ zu konsumieren oder sich beim Torfbosseln mit dem Lumpenball zu beweisen.

Das Pendant für Kinder sieben und elf Jahren nennt sich „Torfräuber-Patent“: Die offizielle Ehrenurkunde wird während der rund dreistündigen Kindergeburtstags-Tour „Düwelsmoor“ verliehen. „Schmugglerfahrten“ heißen Familienausflüge.

Ebenfalls sehr gut angenommen werden laut Mickan die „Naturentdeckertörns“, die 2015 eingeführt worden sind. Die rund zweistündigen Exkursionen verbinden Naturkunde und Stadtgeschichte. Die Mitreisenden lernen die Flora und Fauna im und um den Torfkanal kennen und erfahren einiges über die Geschichte der Torfschifffahrt und das Leben der Moorbauern, über bemerkenswerte Gebäude am Ufer, Brücken und Bootshäuser am Torfkanal, über die Entstehung des Bürgerparks und das Ökosystem in Hamme und Wümme. Der erste Naturentdeckertörn dieser Saison ist für Sonnabend, 14. Mai, um 13 Uhr, geplant, die Teilnahme an der Fahrt kostet 19 Euro.

Früher legten jährlich bis zu 20 000 Torfkähne aus den Moorgebieten am Findorffer Torfhafen an. Nachdem das Brennmaterial seine Bedeutung verloren hatte, fiel der Hafen in einen Dornröschenschlaf. 2006 wurde der Torfhafen nach aufwendiger Sanierung wiederbelebt. Mittlerweile gelten die Torfkahnfahrten als Vorzeigebeispiel sanften, nachhaltigen Tourismus.

Der Verein Bras als Beschäftigungsträger stieg mit zwei Torfkähnen ein. Inzwischen ist die Findorffer Flotte auf sieben Kähne gewachsen, die nicht nur von Findorff aus zu Fahrten ins Hollerland und ins Blockland ablegen, sondern auch die „Hammetour“ von Ritterhude bis Worpswede bedienen.

Dass es dabei nie langweilig wird, dafür sorgt eine Crew von derzeit rund 35 Skippern und Skipperinnen. Es sind Männer und auch einige Frauen, die neben der formalen Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung auch großen Enthusiasmus mitbringen, wie Ulrich Mickan betont: Für eine bescheidene Aufwandsentschädigung stellen sie ihre Zeit und ihr Wissen über die Natur und die Geschichte ihrer Heimatgefilde zur Verfügung. Skipper der Torfkähne stehen übrigens auch am Steuer der „Marie“, des Fahrgastschiffs des Bürgerparks.

Nächste Tour zum Platzhirschen: Freitag, 29. April, 13 Uhr. Drei Stunden, 16 Euro. Der Fahrplan liegt am Findorffer Torfhafen aus und steht auf www.torfkaehne-bremen.de. Näheres im Büro, Neukirchstraße 1, Telefon 37 87 75 86 (montags bis freitags 11 bis 16.30 Uhr).

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