Straßenbahnhaltestelle Gneisenaustraße wird umbenannt "Nächster Halt: Schwankhalle"

Buntentor. Sektkorken knallen, Dudelsäcke pfeifen, und Maskenparaden machen Späße – an den Haltestellenhäuschen am Buntentorsteinweg war am Donnerstag nichts wie sonst. Aussteigen lohnte sich.
27.04.2014, 12:15
Lesedauer: 3 Min
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Von ANNICA MÜLLENBERG Buntentor.

Sektkorken knallen, Dudelsäcke pfeifen, und Maskenparaden machen Späße – an den Haltestellenhäuschen am Buntentorsteinweg war am Donnerstag nichts wie sonst. Aussteigen lohnte sich. Anlässlich der Umbenennung des Stopps in Schwankhalle/Schnürschuh Theater hatten die beiden Kultureinrichtungen ihr Bühnenprogramm auf das Pflaster verlegt.

Als Denis Fischer, derzeit einer der Geschäftsführer der Schwankhalle, vergangenen Dienstag mit der Straßenbahn von der Innenstadt aus auf die andere Weserseite fuhr, war etwas anders als sonst. Als die Bahn sich nach dem Halt Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Bewegung setzte, war Folgendes zu hören: „Nächster Halt: Schwankhalle“. Fischer stutzte kurz, dann zauberte die elektronische Frauenstimme ein Lächeln auf sein Gesicht.

Das passende Schild zur Ansage kam am Donnerstag dazu. Feierlich wurde die Umbenennung der Gneisenaustraße in Schwankhalle/Schnürschuh Theater mit Gästen und Vertretern der beiden Theaterhäuser gefeiert.

Anlässlich der Taufaktion waren die Haltestellenhäuschen gebührend herausgeputzt und mutierten für einen Tag zu zwei Minibühnen. Wann immer auch Fahrgäste ausstiegen, wurden sie von Maskenparaden, Schauspielern und Sängern mit szenischen Darbietungen begrüßt. Straßentheater auf zwei Seiten.

Dass aus der Gneisenaustraße nun doch noch die Schwankhalle wurde, daran hätte zumindest Johanna Melinkat, ebenfalls Geschäftsführerin der Schwankhalle, schon nicht mehr gedacht. „Seit der Gründung des Hauses vor zehn Jahren habe ich nachgefragt, ob eine Umbenennung möglich wäre.“ Jahrelang lautete die Antwort: „Nein“. Die Begründung: Dann würden noch mehr Leute für andere Namen stimmen, und es sei ein großer Aufwand, alle Apps, Schilder und Ansagen zu ändern. Wieso sich die BSAG nun doch hat erweichen lassen, erklärt Wilfried Eisenberg: „Zwar bekommen wir viele Anfragen nach Umbenennungen, aber die Gründe sind nicht immer naheliegend. Im Fall der Schwankhalle und des Schnürschuh Theaters macht es Spaß, die Kultureinrichtungen auf der Strecke zu visualisieren.“

Von Borgfeld nach Arsten passiert die Linie 4 viele Theater und Museen: Durch die Namensänderung werde die Bezeichnung „Kulturlinie“ noch einmal offiziell unterstrichen, ist sich Reinhard Lippelt sicher. Der Gründer des Schnürschuh Theaters hatte – wie seine Nachbarn – bereits vor zwei Jahren einen Antrag bei der BSAG gestellt, ebenfalls erfolglos. Eines Tages ging er die 30 Meter von seinem Theaterhaus auf die andere Straßenseite zur Schwankhalle und schlug eine Gemeinschaftsinitiative vor.

Obwohl es ein langes Warten war, kommt die Aktion nun doch zu einem günstigen Zeitpunkt. Sie ist quasi ein Geschenk für beide Häuser: Die Schwankhalle feiert den zehnten Geburtstag, das Schnürschuh Theater den zwanzigsten. „Als ich die Bühne gründete, fuhr die Straßenbahn hier auch schon lang. Nur passierte sie eine kulturelle Wüste. Das ist heute anders“, findet Lippelt. Mit der Schwankhalle und dem Schnürschuh Theater habe man zwei sehr unterschiedliche Institutionen gleich nebeneinander. Für Lippelt war es naheliegend, die Haltestelle nach diesen zu benennen. In der Schwankhalle schlage die freie Theater- und Tanzszene Wurzeln. Auf der anderen Seite, im gelben Haus, gibt es neben der Abendbühne auch aufklärerisches und psychologisches Theater für Schüler und Jugendliche.

Denis Fischer freute sich, dass alle Beteiligten es endlich einmal gemeinsam ins Rampenlicht geschafft haben: „Als Schauspieler verbringt man viel Zeit in dunklen Räumen. Um so mehr freue ich mich, dass wir es nach draußen auf die Straße geschafft haben.“

Auf Linie 4 gewartet

Zwei Haltestellen – zwei Theater – zwei Bühnen. Obwohl die Freude auf beiden Seiten groß war, kreuzten die Schauspieler nur hin und wieder die Straße. Jeder bespielte das Häuschen seiner Seite. Stadteinwärts ließ man gemütlich die Sektgläser klingen und konnte sich nicht sattsehen am frisch aufgestellten Schild. Stadtauswärts hörte man Lippelt – im Frack und mit Fliege – im Chor singen: „Wir warten hier, auf die Linie 4“. Als ehemaliger Straßentheatermacher fühlt er sich auf dem Pflaster wie zu Hause. Wenn er auf das Schild schaut, stört ihn eine Winzigkeit: Schwankhalle prangt in großen Lettern und darunter ist das um zehn Jahre ältere Schnürschuh Theater in einer kleineren Schriftart in zwei Klammern eingeklemmt. „Wir hätten es lieber ohne Klammern gesehen, aber das war wohl nicht möglich. Es wird immer nur ein Name vergeben“, hat sich Lippelt erklären lassen.

Doch diesen Wermutstropfen konnte er verschmerzen. Vor allem, als der BSAG-Chef noch einen im Scherz gemeinten Vorschlag nachschob: „Wie wäre es, wenn wir an der Haltestelle nun immer das Ende der Fahrt ausrufen, dann steigen alle aus und besuchen hoffentlich die Theater.“ Ob diese Idee jemals Realität wird, bleibt zu bezweifeln. Die Theater sind schon an lange Wartezeiten gewöhnt, vielleicht lohnt es sich.

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