Infrastruktur an Bremer Gewässern

Natur nicht mit Mülleimer verwechseln

Müll und öffentliche Toiletten sind offenbar für einige Besucher der Bremer Weserstrände und Seen ein Störfaktor. Umweltressort und Stadtreinigung haben bereits Maßnahmen ergriffen, um Abhilfe zu schaffen.
03.08.2019, 17:56
Lesedauer: 4 Min
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Natur nicht mit Mülleimer verwechseln
Von Ulrike Troue
Natur nicht mit Mülleimer verwechseln

Um der Vermüllung an Badeseen vorzubeugen, wurden zusätzliche Abfallbehälter auch am Werdersee aufgestellt, die bedarfsgerecht geleert werden, an sonnigen Tagen mehrmals täglich.

Frank Thomas Koch

Bei der Stippvisite an sechs Bremer Strände der Weser wurde deutlich, dass in einigen Bereichen Müll herumliegt oder -eimer fehlen. Darüber hinaus scheint es für die Auffindbarkeit und Ausstattung der Toiletten auch noch nicht überall eine optimale Lösung zu geben. Das sind für manchen Störfaktoren für eine entspannte Freizeitgestaltung.

Jens Tittmann als Pressesprecher des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr hat auf Anfrage des WESER-KURIER zu diesen Themen Stellung bezogen. „Uns liegen derzeit sehr wenige Beschwerdefälle zur Vermüllungssituation an den Badeseen vor“, meldet sich auch Antje von Horn, Pressesprecherin bei „Die Bremer Stadtreinigung“ (DBS), zu Wort.

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Das Entsorgungsproblem, insbesondere nach heißeren Tagen, wenn Ausflügler sich Getränke und Snacks zu Zielen in der Natur mitbringen, gar grillen, und sich an einigen Stellen Müll türmt, dämmt Bremen nach Auskunft von Jens Tittmann mittlerweile konsequent ein. In den vergangenen Jahren und besonders seit Gründung der DBS seien Hunderte zusätzliche, größere oder pressfähige Müllgefäße im Stadtgebiet aufgestellt worden. „Besonders am Werdersee wird in der Saison aufgestockt.“

Drei Großcontainer, die zehn Kubikmeter fassen, und sieben „normale Papierkörbe“, präzisiert Antje von Horn. Die Pressesprecherin muss jedoch eingestehen, dass auch die DBS dort die Erfahrung gemacht habe, „dass die Platzierung sehr versteckt ist“. Daher wurde die kurzfristige Umsetzung des Containers am Werdersee beauftragt – von der Rückseite der DLRG-Station weiter in Richtung Liegewiese.

Zusätzliche Reinigungsdurchgänge an den Wochenenden

Insgesamt jedoch sei die DBS in Bezug auf die Vermüllung an Badeseen gut vorbereitet, stellt Antje von Horn heraus. 52 zusätzliche Behälter seien aufgestellt worden. Seit Mai würden Abfallbehälter bedarfsgerecht geleert, an sonnigen Tagen mit erhöhter Nutzung mehrmals täglich. Darüber hinaus würden im Zuge des Projektes „Sichere und saubere Stadt“ seit Juni und bis Oktober an den Wochenenden zusätzliche Reinigungsdurchgänge absolviert, zählt sie auf. „In der Summe haben die Maßnahmen dazu geführt, dass die Vermüllung an Badeseen in diesem Sommer wesentlich zurückgegangen sind“, lautet ihr Fazit.

„Wenn Sie überall, wo Müll anfällt, sofort Müllgefäße aufstellen, erzieht man die Leute dazu, ihren Dreck dort zu entsorgen. Unser Ziel ist es aber, dass die Leute weniger Verpackungsmüll nutzen, diesen erst gar nicht zum See mitbringen oder wieder mit nach Hause nehmen“, erklärt Umweltressortsprecher Jens Tittmann. „Denn die Wurzel des Übels liegt in dem Verpackungsirrsinn und der Tatsache, dass sehr viele Menschen die Natur mit einem Mülleimer verwechseln.“

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Durch das Mehr an Müllbehältern und die Verdichtung der Räumaktionen vor Ort sei das Problem bisher leider nicht in den Griff bekommen worden, findet Tittmann und führt als weiteren Aspekt, der Abhilfe schaffen soll, noch die Aufstockung des Ordnungsdienstes auf 100 Personen an.

Es gelte, jeden Einzelnen mitzunehmen und hoffentlich ganz bald deutlich umweltfreundlichere Verpackungsmittel und viel mehr Unverpacktes anzubieten, formuliert der Pressesprecher des Umweltsenators als Vision. Nicht in mehr Mülleimer sollte investiert werden, sondern in Förderprogramme zur Vermeidung von Abfall und Verpackungen. Das würde perspektivisch nachhaltig vom Ordnungsdienst unterstützt werden.

Engagement auf andere Bereiche ausweiten

„Natürlich muss unablässig immer wieder aufgeklärt werden, was in vielen Grundschulen auch bereits derzeit aktiv in diversen Unterrichtsfächern und Projekten geschieht“, fährt er fort. Solch ein Engagement – auch wie Bremen räumt auf – könnte auf andere Bereiche ausgeweitet werden, unter anderem Flüchtlingsunterkünfte.

Auf die Kritik zu öffentlichen Toiletten an Weserstränden, die in unserer Berichterstattung deutlich geworden ist, stellt Jens Tittmann fest: „An allen ausgewiesenen Bremer Badegewässern gibt es sanitäre Anlagen. Das ist die Regel.“ Und beim Strand am Café Sand könnten die Toiletten des Café-Sand-Betreibers genutzt werden.

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Für die Unterhaltung der Toiletten an Badeseen sei das Sportamt zuständig, führt er näher aus. Die öffentlichen Toilettenanlagen in Bremen werden nach seiner Auskunft von DBS betrieben. „Sie müssen pro Toilettengang etwa fünf Euro kalkulieren bei 50 Cent Erlös“, nennt Tittmann konkrete Zahlen.

Aus diesen folgert er: „Toilettenbetrieb ist eine teure Angelegenheit, da wegen sinnvoller hygienischer Vorschriften oft gereinigt und geleert werden muss, und Vorgaben zur Barrierefreiheit zu beachten sind.“ Und weil öffentliche Toiletten nicht mit Personal beaufsichtigt würden, komme es häufig zu erheblichen Kosten für die Beseitigung von Schäden durch Vandalismus oder missbräuchliche Nutzung.

Kostenpflichtige Toiletten sind kontraproduktiv

Der reine Toilettenbetrieb ist nach Jens Tittmanns Auskunft hoch defizitär, „wenn Sie das nicht quersubventionieren können über Ticket- oder Getränkeeinnahmen.“ Der Pressesprecher erinnert an einige kostenpflichtige Toiletten der Firma Deceaux, unter anderem an der Schlachte. „Das ist aus Kostengründen eingestellt worden.“ Erhöhe man den Preis, „pinkeln die Leute neben die kostenpflichtige Toilette.“

Und in stark frequentierten Lagen betreibe Bremen öffentliche Toilettenanlagen, fährt er fort. Zudem würde auf das Prinzip „Die nette Toilette“ gesetzt. Das Thema sei wegen unzufriedener Gastronomen immer mal wieder umstritten.

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Mit Blick auf Toiletten an Badeseen und Auswirkungen auf die Badewasserqualität erklärt Tittmann, dass alle vier Wochen die Badegewässerqualität untersucht werde, so wie es die Badegewässerverordnung vorschreibe. „Zusätzlich messen wir wöchentlich die Temperaturen.“

Und im Ortsgesetz über die öffentliche Ordnung ist laut Pressesprecher im Paragraf 3 das Urinieren auf der Straße oder an zugänglichen öffentlichen Flächen untersagt. „Ich gehe schon davon aus, dass unsere intelligenten Bürgerinnen und Bürger sich nicht „mutwillig“ im Badegewässer entleeren“, unterstreicht er mit Nachdruck.

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