Erstes Umweltbildungsangebot auf dem Lucie-Platz

Naturerlebnis für Stadtkinder

Neustadt. Dass Fichtenzapfen die Zukunft voraussehen können, ist schon seltsam genug. Aber spätestens, wenn Kartoffeln in Badewannen wachsen und Regenwürmer vor Wasser Angst haben, ist klar: Diese merkwürdigen Vorkommnisse müssen diejenigen aufklären, die für ihre Neugierde bekannt sind.
26.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Naturerlebnis für Stadtkinder

Annelie Bolda (links) und Petra Molz engagieren sich beim ersten Umweltbildungsangebot auf dem Lucie-Flechtmann-Platz.

Walter Gerbracht

Dass Fichtenzapfen die Zukunft voraussehen können, ist schon seltsam genug. Aber spätestens, wenn Kartoffeln in Badewannen wachsen und Regenwürmer vor Wasser Angst haben, ist klar: Diese merkwürdigen Vorkommnisse müssen diejenigen aufklären, die für ihre Neugierde bekannt sind. Und das sind Kinder, die die Natur erforschen wollen. Und zwar an einem Ort, der zeigt, dass sich Gegensätze wie Betonlandschaft und Gartenflair nicht ausschließen – dem Lucie-Flechtmann-Platz. Dort beginnen die Stadtgärtner von „Ab geht die Lucie“ von Freitag, 27. März, bis Ende Juli ein Programm zur Umweltbildung für Kinder von fünf bis zehn Jahren.

„Es war von Anfang an unser Ziel, auch Kinder auf dem Platz auf eine schöne Art und Weise an die Natur heranzuführen“, sagt Eva Kirschenmann, Mitgründerin des gemeinnützigen Vereins „Ab geht die Lucie“. Schließlich basiere das „Urban Gardening“-Projekt (Auf Deutsch: Gärtnern in der Stadt) auf der Idee der Umweltbildung. Sich selbst und anderen Neues über Pflanzen und deren Bedürfnisse beibringen, ökologische Zusammenhänge erfassen und auf die Standortbedingungen im Stadtgarten übertragen. „Und jetzt sind die Kinder dran, dafür haben wir uns mit dem Geld der Umweltlotterie Bingo extra zwei Profis geholt“, sagt Kirschenmann.

Gemeinsam mit der Heilpraktikerin Annelie Bolda und der Naturerlebnispädagogin Petra Molz geht sie daher nun über den liebevoll „Lucie“ genannten Platz, um zu besprechen, wie der erste Workshop aussehen könnte. „Am Freitag wollen wir mit dem Bau einer Wetterstation starten“, sagt Molz. Wer nun an ausgetüftelte Elektronik denkt, ist auf dem Holzweg. „Wir versuchen mit Fichtenzapfen und Strohhalmen, das Wetter vorherzusagen“, sagt die erfahrene Pädagogin. Wie genau das funktioniert, will sie nicht verraten. Jedenfalls bräuchten die Kinder dafür keine Frösche in Gläser einzusperren, die dann auf einer Leiter ihr trauriges Dasein fristen müssen, sagt sie mit einem Lächeln. Sie arbeitet aktionsorientiert, was bedeutet, dass die Kinder möglichst viel alleine ausprobieren und ihre eigenen Beobachtungen machen dürfen. „Wir pflanzen im Verlauf der Monate essbare Wildpflanzen an, bauen einen Insektenstaubsauger und stellen Blütenvisitenkarten her“, zählt sie einige Aktionen auf. Dabei könnten die Kinder gerne nur zu ausgewählten Terminen erscheinen, eine verbindliche Anmeldung für alle Veranstaltungen gibt es nicht.

„Sich selbst auszuprobieren und die Natur spielerisch auf dem Platz kennenzulernen, ist der beste Weg, um Spaß an der Umwelt zu entwickeln“, findet Molz. Während sie für die Forschungsarbeit verantwortlich ist, kümmert sich Bolda um ausreichend Bewegung und Zeit fürs Singen. „Ich habe einige Bewegungslieder herausgesucht, in denen es um die Natur und deren Elemente geht“, erklärt die Heilpraktikerin, die ihre Gitarre mitbringen wird. Für sie ist es wichtig, dass die Kinder eine weitere Möglichkeit haben, sich auszudrücken und ihre Fähigkeiten zu entdecken.

Der spielerische Zugang zur Natur ist für Stadtkinder besonders wichtig, versichern alle drei Frauen. „Viele Kinder wachsen ohne eigenen Garten auf und haben daher seltener Gelegenheit, Beobachtungen in der Natur zu machen“, sagt Kirschenmann. Auch auf Spielplätzen gebe es nur selten die Gelegenheit, in der Erde zu wühlen und Bekanntschaft mit deren Bewohnern zu machen, beklagt Molz. „Dort gibt es oft nur Sand, also totes Material. Und Insekten werden leider von manchen Eltern und Erziehern als ekliges Getier eingeführt, von dem man sich fern halten sollte.“

Auch Nutzpflanzen anbauen

Auch die Herkunft von Nutzpflanzen steht auf dem „Stundenplan“ des Projektes. Während ihrer bisherigen Arbeit sei schon vorgekommen, dass eine Sechsjährige nicht wusste, dass Kartoffeln aus dem Boden kommen, berichtet Molz. „Das kann unseren kleinen Teilnehmern nicht passieren, hier pflanzt jeder seine eigene Kartoffelpflanze“, verspricht sie. Die erwachsenen Stadtgärtner haben extra Platz dafür gemacht – unter anderem in einer ausrangierten Badewanne. Und wenn das Wetter einmal zu ungemütlich wird, können die kleinen Forscher sich in den neuen Bürocontainer der Stadtgärtner zurückziehen.

„Ich persönlich mache auch deshalb so gerne bei diesem Projekt mit, weil ich die ,Urban Gardening‘-Idee so toll finde“, sagt Molz. Die Kinder seien bestimmt offen dafür, Tomaten und weitere Nutzpflanzen zu Hause auf engem Raum zu beherbergen. Für Kirschenmann hat das Projekt noch ein weiteres Ziel: „Unsere Hoffnung ist, dass die Kinder in Zukunft den Platz nicht mehr nur als schönen Abenteuerspielplatz begreifen, sondern hier auch ihr zweites grünes Zuhause finden.

Die Workshops für Kinder finden zweimal im Monat jeweils von 15 bis 17 Uhr auf dem Lucie-Flechtmann-Platz statt und sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die nächsten Termine: Freitag, 27. März, Sonntag, 12. April, Freitag, 24. April, Sonntag, 10. Mai, Freitag, 29. Mai. Nähere Infos unter www.lucie-bremen.de.

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