Geldinstitute in Bremen und Niedersachsen

Mehr Banken verlangen Negativzinsen

Immer mehr Banken erheben Negativzinsen. Betroffen sind aber meistens erst Guthaben ab einer Höhe von 100.000 Euro.
16.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Banken verlangen Negativzinsen
Von Peter Hanuschke

Immer mehr Banken und Sparkassen erheben Negativzinsen auf Guthaben von Privatkunden auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Und der Trend zeigt bundesweit nach oben. Wie verhalten sich die Geldinstitute in Bremen und im niedersächsischen Umland? Versuchen sie auch immer mehr, ihre eigenen Negativzinsen, die sie fürs Geld-Parken bei der EZB zahlen müssen, so zu minimieren? Fällig werden diese Negativzinsen, meistens erst ab einem Guthaben von 100.000 Euro.

Die Bremische Volksbank hatte sich Anfang dieses Jahres dazu entschieden, diesen Weg zu gehen. Auch andere Banken, die überregional tätig sind, und einige Volksbanken und Sparkassen in Niedersachsen nehmen Zinsen häufig im Bereich von 0,5 Prozent. Die Sparkasse Bremen will dagegen weiterhin ohne Negativzinsen auskommen – allerdings unter Vorbehalt. Laut einer Untersuchung der Vergleichsplattform Biallo kassieren von etwa 1300 Banken und Sparkassen rund 260 Geldhäuser inzwischen Negativzinsen, davon 165 Institute im Privatkundenbereich.

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„Die Sparkasse Bremen unternimmt erhebliche Anstrengungen, um ihre Kunden vor den negativen Auswirkungen der Negativzinspolitik der EZB zu bewahren“, sagt Sprecherin Nicola Oppermann. „Da wir aber nicht wissen, wohin sich die Geldpolitik der EZB weiter entwickelt, können wir Garantien für die Zukunft leider nicht geben.“ Bei Firmenkunden mit hohen Summen auf Giro- oder Tagesgeld würden schon seit längerer Zeit individuelle Vereinbarungen gelten. Das Thema „Veränderungen bei den Kontoführungsgebühren“ werde im Moment bei der Sparkasse Bremen nicht diskutiert.

Dass die Bremische Volksbank Negativzinsen erhebt, habe dem guten Ruf des Geldinstituts nicht geschadet, sagte Vorstand Ulf Brothuhn kürzlich im Interview mit dem WESER-KURIER. Man habe mit den Kunden über Alternativen geredet. Viele habe man von Wertpapieren – gerade Fonds – überzeugen können. Brothuhn ist überzeugt davon, dass es richtig gewesen sei, offen und transparent mit dem Thema umzugehen.

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Die Bremische Volksbank gehört damit zu einer immer größer werdenden Gruppe: Nach Angaben von Biallo haben allein in diesem Jahr mehr als 100 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden eingeführt. Darunter seien vor allem kleine Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Aber auch Deutschlands größte Direktbank ING beschäftigt sich mit dem Thema. Zwar habe man derzeit keine konkreten Pläne, Negativzinsen für bestehende Konten einzuführen, aber man beobachte die Marktentwicklung sehr genau und man stelle fest, dass immer mehr Banken ein Verwahrentgelt für Neukonten einführten, heißt es vonseiten der Bank.

Dementsprechend bereite sich die Bank darauf vor, auf diese Marktentwicklungen zu reagieren. In der Negativzins-Liste von Biallo tauchen unter anderem Banken wie die Hannoversche Volksbank, Raiffeisenbank Oldenburg, Sparkasse Hannover, Sparkasse Rotenburg Osterholz, Volksbank Bremerhaven-Cuxland oder Volksbank Delmenhorst Schierbrock auf. Dass die Sparkasse Bremen da nicht zugehört, hatte der Vorstand bei der Vorstellung der Bilanz im Februar fürs Geschäftsjahr 2019 damit begründet, dass man grundsätzlich die Einlagen der Kunden benötige, um das Kreditgeschäft für private Immobilienkäufe oder die mittelständische Wirtschaft zu finanzieren.

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Und wenn das weiterhin so funktioniere, gehe die Sparkasse davon aus, dass man keine Negativzinsen an Privatkunden weitergeben müsse. Als überregionale Geldinstitut taucht in der Liste unter anderem die Commerzbank auf, die auch in Bremen Standorte hat. Die Commerzbank habe aktuell aber nicht vor, Verwahrentgelte an die große Mehrheit ihrer Privatkunden weiterzugeben, sagte Sprecherin Ina Mähl für die Region Nord auf Nachfrage dieser Zeitung. Klar sei aber auch: „Die sichere Verwahrung von Einlagen stellt eine Dienstleistung der Bank dar, für die ein Entgelt anfallen kann.“

Dies könne beispielsweise der Fall sein, wenn Kunden hohe Einlagevolumen oberhalb von 250.000 Euro halten. Dabei werde die Höhe des Entgeltes immer individuell im Kundengespräch vereinbart. „Unser primäres Ziel ist dabei nicht die Erhebung eines solchen Verwahrentgeltes, sondern die Beratung und Umschichtung in andere Anlageformen.“ Grundsätzlich müsse sich jeder Anleger überlegen, ob er seine Einlagen unverzinst auf seinem Konto belasse oder mit dem Berater nach Alternativen schaue.

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Die Verbraucherzentrale Bremen sagt zu den Negativzinsen, dass die Banken „zum Glück das so genannte Verwahrentgelt erst ab hohem Volumina erheben“. Dadurch werde zumindest nicht die breite Masse getroffen, die in der Regel eben nicht 100.000 Euro oder mehr auf dem Festgeldkonto liegen habe, so Anke Behn von der Verbraucherzentrale. „Wer seine Bank wechseln will, weil es ja immer noch Geldinstitute gibt, die kein Verwahrentgelt erheben, sollte das auf jeden Fall mit Bedacht tun.“ Wenn man auch mit seinem Girokonto wechseln möchte, sollte man schauen wie hoch dort die Gebühren sind, mit denen Banken auch die Möglichkeit haben, Einnahmeausfälle zu reduzieren.

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