Schüler des Gymnasiums an der Hamburger Straße stellen Projekte beim „Stadtforscher-Kongress“ vor Neil versetzt sich in Milos Lage

Über 170 Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen haben sich am vierten „Stadtforscher-Projekt“ des Zentrums für Didaktiken der Sozialwissenschaften der Universität Bremen beteiligt. Was sie eigenständig fünf Monate lang zum Leitthema „Menschen neu in Bremen – Erfahrungen und Perspektiven“ recherchiert haben, haben Gruppen beim „Stadtforscher-Kongress“ an der Uni präsentiert.
17.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neil versetzt sich in Milos Lage
Von Ulrike Troue

Über 170 Schülerinnen und Schüler aus sechs Schulen haben sich am vierten „Stadtforscher-Projekt“ des Zentrums für Didaktiken der Sozialwissenschaften der Universität Bremen beteiligt. Was sie eigenständig fünf Monate lang zum Leitthema „Menschen neu in Bremen – Erfahrungen und Perspektiven“ recherchiert haben, haben Gruppen beim „Stadtforscher-Kongress“ an der Uni präsentiert.

Alissa, Anna und Mona machen ihr eigenes Ding. „Wir wollten etwas Individuelles vorstellen, nicht aus den letzten 30, 40 Jahren – das haben die meisten ausgewählt“, sagt Mona Ungnade. Und so hat das Trio vom Gymnasium Hamburger Straße, das sich für das Mittelalter interessiert, im „Stadtforscher“-Projekt zum Thema Zuwanderung fünf Monate lang zu der Frage „Aus welchen Anlässen sind Bauern um 1340 vom Land nach Bremen gezogen und welche Rolle spielte dabei die Pest?“ geforscht.

Die Anregung dafür hatten die Schülerinnen vom „Markt der Möglichkeiten“ mitgenommen. Den hatte das „Stadtforscher“–Team zum Start des Projekts des Zentrums für die Didaktiken der Sozialwissenschaften der Universität Bremen initiiert.

Schwierige Recherche

Auf der Info-Börse hatten die Gymnasiastinnen und die übrigen rund 170 Schülerinnen und Schüler vom Alten Gymnasium, vom Schulzentrum Walle, von der Oberschule Findorff, vom Kippenberg-Gymnasium und von der Oberschule am Leibnizplatz inhaltliche Anregungen zu dem diesjährigen Leitthema „Menschen neu in Bremen – Erfahrungen und Perspektiven“ bekommen.

Beim „Markt der Möglichkeiten“ konnten die Jugendlichen auch gleich erste Kontakte zu Einrichtungen wie der Senatskanzlei und Vereinen wie „Fluchtraum Bremen“ knüpfen. Allerdings mussten Alissa Aldenborg, Anna der Linde und Mona Ungnade immer wieder erfahren, dass bei ihrem speziellen Thema nur wenige Quellen sprudeln. „Es gibt dazu nicht so viel im Internet“, sagt Anna, „das meiste ist allgemein zum Thema Mittelalter.“„Oder zu Städten“, ergänzt Alissa. Die wenigen historischen Originaldokumente in den Archiven seien auf Latein. „Das wäre zu schwer geworden“, sagt Mona. Und ein Termin in der Mittelalter-Abteilung des Focke-Museums sei leider nicht zustande gekommen.

Dennoch konnten die drei Schülerinnen eine schriftliche Dokumentation beim „Stadtforscher“-Kongress im Gebäude GW2 der Uni vorstellen. Das wichtigste Ergebnis fasst Mona so zusammen: „Die Bauern wollten ihr Glück in der Stadt versuchen, hatten aber Angst vor der Pest 1350.“ Die Bauern hätten der Grundherrschaft und Unterdrückung entfliehen wollen. Und weil wegen der Pest in Bremen Arbeitskräfte fehlten, seien die Löhne gestiegen. Ein Anreiz, in die Stadt zu gehen.

Neil Bertram vom Gymnasium an der Hamburger Straße hat mit seiner Gruppe zum Thema Bildung für minderjährige Flüchtlinge geforscht und sogar einen Film gedreht. Der 16-Jährige aus der Östlichen Vorstadt schlüpfte dabei selbst in die Rolle des Flüchtlings Milo aus Jugoslawien, der wegen des Krieges sein Heimatland verlässt und in Bremen allein zurechtkommen muss.

Durch Filme und optisch auffällig gestaltete Darstellung der Fakten Interesse zu wecken, darin schienen die Projektgruppen fast einen Wettbewerb um die Gunst der Besucher auszutragen. Visuell haben nach Einschätzung von Ulrich Sittermann sehr viele Gruppen ihre Ergebnisse beim „Stadtforscher-Kongress“ vorgestellt. Der ehemalige Geschichtslehrer am Alten Gymnasium ist Mitglied des „Stadtforscher“-Teams. Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projekt sei darauf ausgerichtet, dass Schülerinnen und Schüler eigenständig ein Thema auswählen, es inhaltlich ausfüllen, sich Recherchequellen suchen und ihre Resultate anderen präsentieren.

Das geschah auf dem „Stadtforscher-Kongress“ nicht nur an Themen-Ständen der jeweiligen Gruppen im Flur, sondern auch in sogenannten Panels. In diesen Foren haben die einzelnen Projektgruppen vorgestellt, wie sie gearbeitet haben und wie sie zu welchem Ergebnis gekommen sind.

„Für die meisten war es Neuland“, glaubt Ulrich Sittermann, der von den vielfältigen Präsentationen sehr angetan war. „Wir wollen das als neues Lernverständnis vermitteln“, betont das Mitglied des „Stadtforscher“-Teams, das aus acht Personen besteht: drei Professoren, einem Lehrbeauftragten und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Unterstützung gab es von zwölf studentischen Tutoren, die Workshop-Angebote gemacht oder Kontakte zu Fachwissenschaftlern vermittelt haben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+