Jigal Beez bringt seinem Kurs in der Volkshochschule Swahili bei und erklärt Werderfans, wie sie den Abwehrspieler Lukimya anfeuern können

„Nenda Nenda!“

Zehn Jahre seines Lebens hat Jigal Beez in Tansania verbracht. In dem ostafrikanischen Land – aber auch zum Beispiel in Kenia – wird Swahili gesprochen. Diese Sprache unterrichtet der Ethnologe ab September in zwei Kursen an der Volkshochschule. Dabei erläutert der 43-Jährige auch die vielen kulturellen Unterschiede.
01.09.2013, 00:00
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Von CHRISTIAN BUTT
„Nenda Nenda!“

Jigal Beez aus Schwachhausen leitet ab September zwei weitere Volkshochschulkurse in Swahili, der Nationalsprache von Tansania, Kenia und einigen anderen afrikanischen Ländern. Auch die Musik Afrikas bringt er seiner Gruppe näher.FOTO: PETRA STUBBE

Petra Stubbe

Zehn Jahre seines Lebens hat Jigal Beez in Tansania verbracht. In dem ostafrikanischen Land – aber auch zum Beispiel in Kenia – wird Swahili gesprochen. Diese Sprache unterrichtet der Ethnologe ab September in zwei Kursen an der Volkshochschule. Dabei erläutert der 43-Jährige auch die vielen kulturellen Unterschiede.

Über 30 Sprachen werden im Herbst- und Wintersemester an der Volkshochschule (VHS) gelehrt. Auch Swahili, die Nationalsprache in Tansania und Kenia. „Aber sie nimmt auch in den Nachbarländern eine wichtige Stellung ein. Ich schätze, 100 Millionen Menschen sprechen und verstehen Swahili“, sagt Jigal Beez aus Schwachhausen, der den Kursus gibt.

Seit 2005 arbeitet der heute 43-Jährige als Dozent an der Volkshochschule – von einem längeren Auslandsaufenthalt abgesehen. „Das Angebot, erneut in Afrika zu arbeiten, konnte ich damals nicht ablehnen“, sagt Jigal Beez. Seit vergangenem Jahr lebt er mit Frau und Kind wieder in der Hansestadt und setzt seine Lehrtätigkeit fort. Ab September leitet er Swahili-Kurse für Einsteiger und leicht Fortgeschrittene.

Schon zu Schulzeiten begeisterte sich der gebürtige Kieler für ferne Kulturen. Aber erst nach dem Zivildienst fand er ausreichend Zeit für eine ausgedehnte Reise. Er flog nach Tansania. „Um das Jahr 1990 herum herrschte in Ostafrika eine interessante politische Situation“, sagt er. „Außerdem steht das Land für die Heimat der Serengeti und den Kilimandscharo. Ich stieg in ein Flugzeug und plante einen dreimonatigen Aufenthalt.“

In Afrika hatte der junge Europäer einen Kulturschock: „Nicht nur der Linksverkehr irritierte mich, sondern das ganze Gewusel auf den Straßen“, erinnert sich Beez. Er kam in einem einfachen Gästehaus unter und gewöhnte sich langsam an sein neues Umfeld. „Die tansanische Nationalkultur lässt sich am einfachsten mit dem Wort ,Willkommen‘ beschreiben. Als Reisender fand ich das natürlich klasse“, sagt er. „So konnte ich zwischendurch bei Familien leben und sparte die Kosten für Gasthäuser. Viele Kontakte von damals pflege ich noch immer per E-Mail oder Facebook.“ Die Lebenshaltungskosten waren so niedrig, dass das Reisegeld für ein halbes Jahr reichte.

Zurück in Deutschland überlegte Jigal Beez, wie er möglichst schnell und oft wieder nach Afrika reisen könnte. Die Lösung fand er in einem Ethnologiestudium. In den Folgejahren verbrachte er mehrere Jahre als Berater und Forscher im Auftrag von Instituten und Entwicklungsdiensten in Ostafrika, meist in Tansania. Als Dozent hat er in seinen VHS-Kursen schon die unterschiedlichsten Menschen getroffen. „Darunter sind sowohl kleine Koryphäen, die bereits unglaublich viele Sprachen beherrschen, als auch Menschen, deren Partner aus Ostafrika kommt“, erzählt Jigal Beez. Oft unterrichtet er auch Studenten oder Touristen, die Exkursionen oder längere Reisen in das Gebiet planen.

Im Vergleich mit anderen Sprachen, beispielsweise Mandarin, ist Swahili ziemlich einfach zu erlernen. „Die Betonung der Silben spielt keine Rolle. Die Grammatik ist aus deutscher Sicht ein bisschen ungewöhnlich, aber dafür gibt es viel weniger Ausnahmen“, sagt der Völkerkundler. Aus der deutschen Kolonialzeit stammen einige Swahili-Wörter, die es in den Duden geschafft haben. Safari bedeutet in Ostafrika Reise.

Auf Reisen hätten die Deutschen in Tansania viele Tiere gesehen „und von den Einheimischen das Wort Safari aufgeschnappt und es mit dem Beobachten von Tieren in Verbindung gebracht“, sagt Jigal Beez. In dem Musical „König der Löwen“ heißt die Hauptfigur Simba. Auf Swahili bedeutet dieses Wort Löwe.

Aber auch die Europäer haben ihre Spuren in der ostafrikanischen Sprache hinterlassen. „Es wird zwar anders geschrieben, aber auch in Tansania gehen die Kinder in eine Schule“, sagt Beez. „Hela“ steht für Geld – denn während der Kolonialzeit wurde noch mit dem Heller gezahlt. Auch das Schimpfwort Schwein ist ins Swahili aufgenommen worden, wird zwar anders geschrieben, aber genauso ausgesprochen.

Die Sprache möchte der Ethnologe den Teilnehmerinnen und Teilnehmern seines Kurses in entspannter Runde nahebringen. „Wir hören Lieder, spielen Vokabel-Memory und probieren typische Landeskost mit verbundenen Augen“, sagt er. Seine Schüler „sollen nicht auf ihren Stühlen sitzen und Vokabeln notieren, sondern aufstehen und Swahili mit dem ganzen Körper erlernen“.

Wer fleißig übt, kann sich vielleicht eines Tages mit Assani Lukimya-Mulongot in der Sprache des Landes unterhalten, aus dem der Abwehrspieler von Werder Bremen stammt. Als Achtjähriger ist Assani Lukimya-Mulongot aus dem Kongo nach Deutschland gekommen. „Sein Nachnahme bedeutet Ruhe“, verrät der Dozent. Für alle Fußballfans, die den Sportler auch ohne Sprachkurs anfeuern wollen, weiß der Völkerkundler Rat: „Einfach ,Nenda Nenda Assani‘ rufen, das ist ein Anfeuerungsruf auf Swahili.“

Der Anfängerkurs beginnt am Dienstag, 10. September, um 19.15 Uhr in Raum 302 bei der VHS im Bamberger-Haus, Faulenstraße 69. Teilnehmer mit geringen Vorkenntnissen treffen sich ab 9. September jeden Montag ab 19.15 Uhr in Raum 214. Anmeldungen sind im Internet unter www.vhs-bremen.de oder unter Telefon 361-12345 möglich.

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