Gedenkstunde in Aumund anlässlich des 74. Jahrestages der Pogromnacht „Neonazis spielen gefährliche Rolle“

Heute vor 74 Jahren haben Hitlers Nationalsozialisten auch in Aumund ihre Schreckensherrschaft mit brutaler Gewalt offenbart und die Synagoge der jüdischen Gemeinde Aumund-Blumenthal-Vegesack niedergebrannt, 38 deportierte Nordbremer Juden starben drei Jahre später im KZ. Gestern gedachten die Internationale Friedensschule Bremen, der Vegesacker Beirat und die Evangelische Kirchengemeinde Aumund am "Jacob-Wolff-Platz" der Opfer und warnten vor neuen neonationalsozialistischen Umtrieben.
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Von Klaus Grunewald

Heute vor 74 Jahren haben Hitlers Nationalsozialisten auch in Aumund ihre Schreckensherrschaft mit brutaler Gewalt offenbart und die Synagoge der jüdischen Gemeinde Aumund-Blumenthal-Vegesack niedergebrannt, 38 deportierte Nordbremer Juden starben drei Jahre später im KZ. Gestern gedachten die Internationale Friedensschule Bremen, der Vegesacker Beirat und die Evangelische Kirchengemeinde Aumund am "Jacob-Wolff-Platz" der Opfer und warnten vor neuen neonationalsozialistischen Umtrieben.

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Aumund. Gerd Meyer von der "Internationalen Friedensschule Bremen", die Vegesacker Beiratssprecherin Heike Sprehe und der Historiker Rolf Rübsam erinnerten bei der Gedenkstätte nahe der Aumunder Kirche an ein zutiefst menschenverachtendes Kapitel deutscher Geschichte. Das sich nie wiederholen und deshalb nie vergessen werden dürfe. Auch heute noch und schon wieder, mahnten Meyer, Sprehe und Rübsam, gebe es in Deutschland rechtsextremen Terror, wie die Mordserie des nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) beweise. Und weil diese Zwickauer Terrorzelle augenscheinlich in die deutschen Geheimdienste integriert gewesen sei, müsse man wachsam bleiben, warnte Meyer. Dazu Rolf Rübsam: " Neonazis spielen eine gefährliche Rolle in unserem Land."

Unter Hinweis auf die seinerzeit von Reichspropagandaminister Goebbels beschriebene "jüdische Weltverschwörung" warnte Heike Sprehe davor, Bevölkerungsgruppen wie die Sinti oder Kurden pauschal unter Generalverdacht zu stellen, zu diskriminieren und wegen krimineller Taten Einzelner in Sippenhaft zu nehmen. Kriminalität müsse mit unseren Gesetzen bekämpft.

Gedenken an die Opfer

Rolf Rübsam erinnerte gestern Abend daran, dass zahlreiche nordbremische Juden vier Jahre nach der Reichspogromnacht in den Konzentrationslagern von Minsk und Theresienstadt qualvoll zu Tode kamen. So auch Jacob Wolff, der letzte Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Aumund. Er starb am 11. Dezember 1942 wenige Monate nach der Einlieferung in das KZ Theresienstadt.

Nach Wolff ist der Platz an der Neuen Straße/Ecke An der Aumunder Kirche benannt worden. Eine Gedenktafel und ein Mahnmal erinnern an die Greueltaten des nationalsozialistischen Deutschlands, denen in der Nacht auf den 10. November 1938 auch der Platjenwerber Leopold Sinasohn sowie das Ehepaar Martha und Dr. Adolf Goldberg aus Burgdamm zum Opfer fielen, wie Rübsam ausführte. Sie wurden von SA-Leuten ermordet.

Die Aumunder Synagoge war 1834 an der Neuen Straße/Ecke An der Aumunder Kirche nahe der Evangelischen Kirchgengemeinde errichtet worden. Sie entwickelte sich schon bald zum religiösen und kulturellen Zentrum für die Juden nördlich der Lesum. Doch bereits mit Beginn von Hitlers NS-Herrschaft sahen sie sich wie überall im Deutschen Reich Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt, die in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November einen zerstörerischen und tödlichen Höhepunkt fanden. In Bremen-Nord verloren mehr als 70 jüdische Mitbürger während der NS-Gewaltherrschaft ihr Leben.

Seit acht Jahren erinnert in Bremen das Projekt "Stolpersteine" an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Dabei handelt es sich um zehn Zentimeter breite Betonquader mit Messingtafeln, die in den Bürgersteigen vor jenen Häusern eingelassen worden sind, in denen die Opfer einst lebten. Die Inschriften der Tafeln geben Auskunft über ihren Namen, ihr Alter und ihr Schicksal. Nach der gestrigen Gedenkstunde lud Wiltrud Ahlers von der Archivgruppe der Friedensschule zu einem Rundgang zu einigen Vegesacker Stolpersteinen ein. In ganz Bremen-Nord gibt es davon 81.

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