Endrunde des Deutschen Kita-Preises

Netzwerk für Bildung

Zusammenarbeit in Blockdiek zahlt sich aus: Die Projektgruppe Quartiersbildungszentrum Blockdiek kann bis zu 25000 Euro gewinnen.
21.01.2018, 17:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

Beim bundesweiten Deutschen Kita-Preis ist die Projektgruppe des Quartiersbildungszentrum Blockdiek unter den zehn Finalisten. In der vergangenen Woche besuchte ein Expertenteam der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium den Preis ins Leben gerufen hat, Blockdiek und machte sich ein genaues Bild von der Arbeit des Netzwerkes.

Zu dem Netzwerk, das als einziges aus Bremen in der Finalrunde steht, gehören neben dem Quartiersbildungszentrum Blockdiek die Grundschule Düsseldorfer Straße, die vier Kitas des Ortsteils und freie Träger wie die St. Petri Kinder und Jugendhilfe und die Hans-Wendt-Stiftung. „Grob gesagt, eigentlich alle, die im Ortsteil mit Kindern zu tun haben“, wie Quartiersmanager Stefan Kunold sagte.

Blockdiek gilt als ein Osterholzer Ortsteil mit sozialen Herausforderungen. Für Barbara Junne, Programmleiterin des Deutschen Kita-Preises, ist die jeweilige Situation vor Ort ausschlaggebend. „Wir zeichnen Kitas und Bündnisse aus, die sich aus den Verhältnissen, die sie vor Ort haben, gut entwickeln.“ Es gehe bei dem Preis nicht darum, am Ende ein Plakette an die Tür zu kleben. „Denn das suggeriert, dass man fertig ist.“ Bildungsarbeit müsse hingegen von stetiger Weiterentwicklung geprägt sein.

Ein großes Thema des Bildungsnetzwerks in Blockdiek ist die Sprachvermittlung. „Wir sitzen einmal im Monat zusammen, wir überlegen, ob die Angebote ausreichen, überlegen, was können wir noch tun“, erklärte Stefan Kunold die Zusammenarbeit der Kitas, der Schule und des Bildungszentrums. „Wir machen zum Beispiel eine Sprachförderung für alle Kinder, die nicht über die Schule oder die Kitas versorgt sind, und für die, die noch mehr Anschub brauchen.“

Das Besondere sei die außerschulische Ausrichtung des Sprachförderprojekts. „Das ist ein anderer Ansatz als in der Schule.“ Bewegungsspiele und Musik gehörten dazu. „Wir machen das seit zwei Jahren mit einer Fachkraft aus der Schule, dem Schulsozialarbeiter und ehrenamtlichen Lesehelfern.“ So ein Projekt komme zustande, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten, erklärt Stefan Kunold. Dorothea Ilsen, Schulleiterin der Grundschule Düsseldorfer Straße, ergänzte: „Das ist etwas, das über das hinaus geht, was Kita oder Schule alleine leisten könnten.“ Es gebe Familien und Kinder, die einen Mehrbedarf hätten. „Und diesen bieten wir mit dem Netzwerk eine Brücke.“

Karla Wagner, Ganztagsschulreferentin bei der Senatorin für Bildung, betonte zudem: „Die Menschen haben bei Angeboten des Netzwerks weniger Schwellenangst.“ Eine Einschätzung, die Dorothea Ilsen teilt: „Das Quartiersbildungszentrum ist für die Eltern etwas ganz anderes als Schule.“

Kirstin Rohwedel, Leiterin der Kita Am Hallacker, über die Vorteile des Netzwerks für ihre Kita: „Für uns ist das Netzwerk sehr bereichernd, wir brauchen mehr Räumlichkeiten, die wir in der Schule finden können, zum Beispiel die Mathewerkstatt, die Turnhalle, die wir mitbenutzen können.“ Eine enge Absprache gebe es außerdem bei Ferienangeboten im Quartier. Die enge Verzahnung zwischen Kita und Schule sorge außerdem für einen reibungslosen Übergang von der Kita zur Grundschule.

Die enge Zusammenarbeit bedeutet allerdings auch viel Arbeit. Arbeit, die nicht immer gleich Früchte trägt. „Das ist die große Herausforderung: man steckt immer erst mal viel Arbeit hinein, aber muss mitunter auf den Erfolg warten“, sagte auch Stefan Kunold. Die Herausforderung sei, ein Gleichgewicht zwischen den Dingen, die schnell umzusetzen sind, und Dingen, die etwas länger brauchen, zu finden. „Wir stellen uns immer wieder die Frage: Können wir das jetzt umsetzen?“ Für Dorothea ist es das Mehr an Arbeit auch beglückend: „Es gibt Synergien und es macht unheimlich Spaß mit anderen zusammenzuarbeiten. Es gibt mir Kraft, das zu tun.“

Umgesetzt hat das Netzwerk ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Plakat. Das Plakat weist auf ein Handyverbot hin und hängt inzwischen in den Kitas, der Schule und dem Quartiersbildungszentrum und fordert Eltern auf, das Handy auszuschalten und ihren Kindern gegenüber aufmerksam zu sein. „Das hat lange gedauert, das abzustimmen, aber es sind gerade diese kleinen Erfolge, die die Arbeit im Netzwerk ausmacht“, sagte Stefan Kunold. Eine Arbeit, die Kreise zieht, so hätten inzwischen auch ein Logopäde und ein Ergotherapeut aus dem Ortsteil nachgefragt, ob sie für ihre Praxen auch so ein Plakat bekommen könnten.

Am 3. Mai geht es für das Blockdieker Bildungsnetzwerk nach Berlin. Dort erhalten fünf der zehn nominierten Bündnisse eine Auszeichnung. Der Erstplatzierte darf 25 000 Euro mit nach Hause nehmen, die vier Zweitplatzierten bekommen jeweils noch 10 000 Euro.

Weitere Informationen zum Deutschen Kita-Preis auf: www.deutscher-kita-preis.de.

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