Umweltschutz

Netzwerk für Meeresschutz

Man sieht nur was man weiß. Das gilt auch für den Umgang mit der Uwelt, zum Beispiel dem Meer. Und solches Wissen soll ein neues Projekt in Bremen und Durban vermitteln.
04.02.2018, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
Netzwerk für Meeresschutz

Valeria Bers, Dorothea Seeger, Shazia Aziz Wülners und Martina Petzold organisierten das Treffen in Bremen.

PETRA STUBBE

„Meeresverschmutzung ist ein großes Thema und das wollen wir unter verschiedenen Aspekten beleuchten“, sagt Valeria Bers vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). Die seit 2011 bestehende Städtepartnerschaft der Stadt Bremen mit der südafrikanischen Stadt Durban ist dabei der Ausgangspunkt für das neue Projekt „Bremen-Durban Netzwerk für Marine Umweltbildung“. Ziel des Projektes ist, innerhalb von zwei Jahren 50 Schüler und junge Studenten aus Durban für die Probleme der Meere und die Ursachen der Meeresverschmutzung zu sensibilisieren. Durch umfangreiche Schulungen werden die Schüler und Studenten zu „Ocean Champs“, die anschließend ihr Wissen und ihre Erfahrung zum Thema Meeresschutz in ihren Gemeinden weitergeben. „Das Projekt soll zum Schutz des Meeres und zur Reduktion von Müll beitragen und wird sich auch auf den Klimaschutz auswirken“, erklärt Shazia Aziz Wülbers, von städtischer Seite für Entwicklungszusammenarbeit zuständig.

Die Ocean Champs sollen sich Projekte ausdenken und umsetzen: Das können Wasserproben sein, die sie dem Meer entnehmen, das Mikroplastiksammelaktionen am Strand oder auch Comicprojekten, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Dabei stehen die Themen Meeresverschmutzung, Wiederaufforstung von Mangrovenwäldern und die Säuberung von Stränden im Vordergrund. „Oder sie arbeiten mit der Stadt zusammen, um Müll zu vermeiden“, erzählt Valeria Bers. Inzwischen gibt es elf Schulen in Durban, die sich speziell mit dem Thema „Meer“ beschäftigen.

Durban, Bremen und Bund zahlen

Das ZMT begleitet diese Maßnahmen auf wissenschaftlicher Ebene und haben dabei die „South African Association for Marine Biological Research“ (SAAMBR) als Partner an Bord. Auf Bremer Seite ist außerdem das „Zentrum für Marine Umweltwissenschaften“ (Marum) mit dem Schullabor beteiligt. In einem Zeitraum von drei Jahren gibt das das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 500 000 Euro für das Projekt dazu, die Städte Durban und Bremen teilen sich 55 000 Euro.

Und auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist mit von der Partie: „Wir beleuchten die Umweltbildung und schauen, was auf das Projekt übertragen werden kann“, erklärt Dorothea Seeger vom BUND. „Und wir wollen das Thema `Meeresschutz´ in Bremen auf die Tagesordnung setzen.“ Zudem soll es in Bremen und in Durban zum „World Oceans Day“ am 8. Juni zeitgleich Aktionen geben. Im Rahmen eines Workshops im Sitz des ZMT an der Universität haben Vertreter der beteiligten Institutionen aus Bremen sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Stadtentwicklung aus Durban sowie eine Repräsentantin einer Nichtregierungsorganisation den Fahrplan für die kommenden zwei Jahre entwickelt. 80 Prozent der Gelder werden dabei in Durban für das Projekt eingesetzt, 20 Prozent zur Unterstützung der Experten in Bremen und für das Zusammenstellen des Lernmaterials. „Wir wollen Kinder der 7. bis 9. Klassen in Durban ermutigen, `Marine Umweltbildung´ als Schulfach zu wählen, und da ist die Wahrscheinlichkeit höher, wenn wir etwas mitbringen“, erklärt Shazia Aziz Wülbers. Und auch für Jugendliche, die nach der 13. Klasse noch nicht wissen, was sie zukünftig tun möchten, ist das Projekt gedacht. Es soll ermutigen, sich für das Meer in den Bereichen Umwelt, Tourismus oder als Berater in der Wirtschaft einzusetzen.

Neue Horizonte

Dass diese Umweltbildung wichtig ist, erläutert Shazia Aziz Wülbers an einem Beispiel: „Viele der Jüngeren haben Angst, ins Wasser zu gehen, weil sie sich vor Wasserschlangen fürchten, dabei gibt es dort gar keine.„ Ein Bewusstseinswandel müsse her. “Da ist mehr, zum Beispiel Korallen oder Fische.“ Viele Kinder könnten in Durban auch nicht schwimmen. Die Durbaner Delegation überlege auch, Schwimmkurse anzubieten.

Die Vertreter der Stadt Durban möchten für diese Ziele Stipendien einrichten, die über zwei Jahre laufen und es 35 Kindern und 15 Jugendlichen ermöglichen sollen, sich der Meeresumwelt zu widmen. Darüber hinaus sollen im Projekt „Training of Trainers“ auch Lehrer für Meeresumweltthemen ausgebildet werden, wobei die Ausbildung gemeinsam geleistet werden soll. „Es geht vor allem darum, dass die Beteiligten aus Durban und Bremen viel mehr miteinander reden“, erläutert Shazia Aziz Wülbers.

Auch wird überlegt, ob die angehenden Ocean Champs im Rahmen ihrer Ausbildung nach Bremen kommen. Diese Reisen werden von den Projektmitteln nicht abgedeckt, sodass Shazia Aziz Wülbers über alternative Finanzierungsmodelle wie beispielsweise Gelder von Stiftungen oder vom „Deutschen Akademischen Auslandsdienst“ (DAAD) nachdenkt. „Wenn die Ocean Champs hierher kommen sollten, wäre das Klimahaus in Bremerhaven der wichtigste Partner“, sagt sie. Und auch der BUND wäre dann beteiligt: „Wenn sie mit dem BUND dann zum Beispiel im Wattenmeer arbeiten würden, dann hätten sie anschließend ein ganz anderes Verständnis vom Meer.“

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