Bremer Eiswettfest im CCB Netzwerke knüpfen, Traditionen pflegen

Bremen. Das Spendenergebnis der diesjährigen Bremer Eiswette liegt bei 352.000 Euro. Damit haben die rund 735 Gäste der Traditionsveranstaltung 40.000 Euro mehr für die DGzRS gegeben als im vergangenen Jahr.
15.01.2011, 21:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Das Spendenergebnis der diesjährigen Bremer Eiswette liegt bei 353.000 Euro, wie Radio Bremen meldet. Damit haben die rund 735 Gäste der Traditionsveranstaltng 40.000 Euro mehr für die DGzRS gegeben als im vergangenen Jahr. Sinn der Veranstaltung ist es darüber hinaus, kommunikativen Netzwerk zu knüpfen. Dabei kommen Besinnung und Spaß nicht zu kurz. Selbst dem Anachronismus männlicher Exklusivität werden positive Seiten abgewonnen.

Wulf Herzogenrath hat das Dutzend voll gemacht, er ist schon zwölf Jahre dabei auf dem Stiftungsfest des Eiswettvereins. Ein Jahr als Novize, elf Jahre als Eiswettgenosse. Dennoch ist er immer noch berührt von der emotionalen Kraft der Rituale dieser Bremensie. Wenn das Licht im Saal ausgeht, die Glocke läutet und Eiswettpräsident Peter Braun aufruft, der Gestorbenen des vergangenen Jahres zu gedenken. Ein Stück Besinnung, die berührt. „Gleich darauf folgt die Hinwendung zu den Lebenden, mit einem guten Grad an Witz.“

Auf jeden Fall: Kommunikation ist das Zauberwort, das auf diesem Traditionsfest wichtiger wird als auf sonstigen Festivitäten. „Hier ist ja ein Who is Who aus Wirtschaft und Politik versammelt“, sagt Christian Weber, Präsident der Bürgerschaft. Und da zählen Gespräche. Der Münchener Bischof Reinhard Marx freut sich jedenfalls auf „schöne, anregende Debatten.“ Der „Redner auf Deutschland und Bremen“ kam schon oft in die Hansestadt, doch am Sonnabend erstmals als Kardinal. Christian Jacobs, Vorsitzender der Jacobs Stiftung, blickt dieser Rede mit Spannung entgegen. „Ein Kirchenmann liefert vermutlich vor allem moralische Denkanstöße.“ Kommunikation: Auch nach draußen. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode nutzt die Möglichkeit, in Zeiten des Dioxin-Skandals eine Lanze für ländliche Produkte zu brechen: „Niedersächsische Hühner und Schweine können sorgenfrei gegessen werden.“

Das Stiftungsfest, es ist also auch Marketing. Für Firmen wie für die Hansestadt. BLG-Logistics-Chef Detthold Aden fühlt sich wie auf einer „Veranstaltung für Kunden“, mit wichtigen Leuten für sein Logistik-Unternehmen. So geht er denn erwartungsfroh zu seinem Tisch, an dem auch Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm sitzen wird. Auch wenn der Münchener Manager vor allem auf den zeremoniellen Teil der Veranstaltung gespannt ist. „Ich habe viel über die Eiswette gehört und bin froh, endlich einmal selbst dabei zu sein.“

Wirkung – auch darum geht es

Joachim Treusch, Präsident der Bremer Jacobs University, will auch „Netzwerke knüpfen“ – wie auf anderen Bremer Traditionsfesten, der Schaffermahlzeit, dem Roland-Essen oder dem Tabakskollegium. „Es zeigt mir, wie gut die Jacobs University in Bremen angekommen ist.“

Doch es geht auch um Wirkung über den Weserraum hinaus. „Bremen kann hier Sympathienetze auswerfen“, meint Bürgerschaftspräsident Weber, „und zeigen, wie gut wir in der Republik aufgestellt sind.“ Von der angereisten politischen Prominenz wird das ähnlich gesehen: „Die Blicke vieler Menschen richten sich durch solche Veranstaltungen auf die Hansestadt – das ist gerade aus wirtschaftlicher Sicht besonders wertvoll“, sagt Bundestags-Vizepräsident Hermann Otto Solms. Standortmarketing im Congress Centrum. Das klingt nach harter Arbeit am Wochenende, wird aber nicht überall so interpretiert: „Für mich ist das Eiswettfest ein anregender und lustiger Jahreseinstand“, sagte Manager Dieter Ammer, der ehemalige Chef von Beck's.

Doch ist es intensive Arbeit, alles zu organisieren. So zeigt sich Zeremonienmeister Stefan Bellinger erleichtert, kurz bevor Fanfarenstöße der Bundeswehr-Musiker Gäste und Eiswettgenossen in den Hansesaal rufen. Die beiden Redner (neben Marx kommt auch Alcoa-Chef Klaus Christian Kleinfeld zu Wort) sind rechtzeitig eingetroffen, und bei der Schmeckeprobe gibt es nichts zu meckern: „Das Maritim hat tolle Arbeit geleistet, auf die Festgesellschaft wartet der beste Kohl, den es je gab.“

Für das Personal des Maritim fängt jetzt der größte Stress erst an: Für 735 Männer muss Essen serviert werden. Eine charmante Dame mit Kopfhörer im Ohr – „ich arbeite hier im Rückraum“ – hat die Szenerie konzentriert im Blick, gibt Kommandos und nimmt sich doch auch Zeit, aus früheren Jahren zu berichten. Nicht immer ist alles glatt gegangen. Ein Senftopf landete auf einem Smoking, und auch ein Kohlgericht nahm einen ungewollten Weg. Kein Drama, die Kleidung wurde gereinigt und dem Gast zurückgegeben.

Wären die Anekdoten anders verlaufen, wenn auch Frauen anwesend wären? Darüber lässt sich nur spekulieren. Für Otto Lamotte, Präses der Handelskammer Bremen, ist es kein Negativum, dass Frauen draußen bleiben müssen. „So eine Herrenrunde gehört eben auch dazu“, sagt er, lobt die Atmosphäre und freut sich auf den Eiswettball im Parkhotel – mit Frauen.

Schatzmeister Christoph Weiss kam am Ende des Abends übrigens auf 353.769 Euro Spendengelder.

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