Geschäftseröffnungen und Ladenübernahmen zwischen Goetheplatz und Ziegenmarkt Neu an der Meile

Ostertor·Steintor. Im Viertel brennen wieder die farbigen, beschrifteten Weihnachtsstraßenlaternen. Ein vertrautes Bild. Wer nicht in Bremen wohnt und nur alle Jahre wieder zum Einkaufen ins Oster- oder Steintor kommt, wird einige Überraschungen erleben. Es hat sich wieder einiges getan im Geschäftsleben.
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Von Kerstin Thompson

Ostertor·Steintor. Im Viertel brennen wieder die farbigen, beschrifteten Weihnachtsstraßenlaternen. Ein vertrautes Bild. Wer nicht in Bremen wohnt und nur alle Jahre wieder zum Einkaufen ins Oster- oder Steintor kommt, wird einige Überraschungen erleben. Es hat sich wieder einiges getan im Geschäftsleben.

Am Ostertorsteinweg 82 werden keine Haare mehr gefärbt oder geschnitten. In dem ehemaligen Friseurgeschäft wird jetzt Mode an die Frau gebracht, wie Kleider, Pullis aus Merinowolle, Schals, Mützen oder Stulpen. Von montags bis freitags ist der "Laden 82" von 10 bis 19 Uhr, sonnabends bis 18 Uhr geöffnet.

Casa ohne Blanca

Humphrey Bogart ist weg. Blanca auch. Geblieben ist das Restaurant & Café Casa am Ostertorsteinweg 59. Der ehemalige Betreiber des "Carvalho" im Schnoor, Behnam Pour, und der freiberufliche Kameramann Jens Stumper haben den Tresen und die Art-déco-Lampen des alten "Casablanca" restaurieren und fast alles andere erneuern lassen. Das "Casa" hat drinnen etwa 90 Sitzplätze, inklusive Wintergarten und Raucherraum, und im Sommer können weitere 60 Gäste draußen sitzen. Auf der Speisekarte finden sich Fleisch-, Fisch- und vegetarische Gerichten vom Lavastein, das Fleisch stammt nach Angaben der Betreiber aus kontrollierter Zucht. Geöffnet ist täglich ab 10 Uhr. Frühstück à la carte gibt es montags bis sonnabends von 10 bis 12 Uhr (sonntags bis 15 Uhr). Montags bis freitags gibt es von 12 bis 16 Uhr einen Mittagstisch. Geöffnet ist täglich ab 10 Uhr mit offenem Ende.

Eine "Wundertüte" ist an der Weberstraße 5 aufgemacht worden. Karin Siemers hat dort mit ihren "1001 Perlen" eine neue Heimat gefunden. Seit 27 Jahren gibt es das Geschäft unter dem Namen, allerdings war es bisher an der Verdener Straße zu finden. Neun Jahre beriet Karin Siemers dort Kundinnen und Kunden, die Freude an selbstgemachten Schmuck haben. Doch der Umsatz ging zurück. "Ich bin ein Baustellenopfer", sagt die kreative Neustädterin fröhlich. Eine Freundin gab ihr den Tipp, den Laden im Viertel zu übernehmen. Der ist zwar nur halb so groß wie sein Vorgänger, aber trotzdem finden unglaublich viele Perlen, Strass, Schmucksteine und jede Menge Schmuckzubehör und Bastelbücher Platz. Karin Siemers ist vor Jahren über ein gehäkeltes Armband auf das Herstellen von Schmuck und die Selbständigkeit gekommen. "Das kannst du doch auch selber machen", sagte sie sich angesichts der Preise und landete auf der Suche nach dem passenden Zubehör in der "Wundertüte". Stöbern können Kunden

dienstags bis freitags von 11 bis 18.30 Uhr, sonnabends von 11 bis 13.30 Uhr. Gute Ratschläge und viele Anregungen gibt es kostenlos dazu.

"Der Schuh" am Ostertorsteinweg 61 hat einen Wechsel vor sich. Fast 25 Jahre lang verkaufte Elisabeth Müntefering dort exklusive Damenschuhe und Accessoires. Im neuen Jahr übernimmt ihre langjährige Mitarbeiterin Eva Schröder das Geschäft.

Nicht irritieren lassen sollten sich Passanten von Geweihen, weißem Hirsch auf rotem Grund und dem Namen "Jäger und Sammler" an der Wulwesstraße 25. Die Boutique "Classic" war dort bislang zu finden und trotz des Namenswechsels und dem veränderten Ambiente hat sich nichts Grundlegendes geändert. Luisa Frohmader ist weiterhin Shopmanagerin, und es gibt das gewohnte, allerdings erweiterte Markensortiment. Da der Inhaber Günther Bonecke in Hannover zwei weitere Modegeschäfte unter dem Namen "Jäger und Sammler" führt, war eine Namensanpassung nötig, und es werden neue Marken eingeführt, um ein junges Publikum bedienen zu können.

Casa mit Paula

Wer eine Abwechslung zum belegten Brötchen und Milchkaffee sucht, kann sich am Ostertorsteinweg 102 mit Toasta Mista und einem Cortado Espresso mit gesüßter Kondensmilch stärken. Dort hat gerade "Casa Paula" Eröffnung gefeiert. Im Angebot sind portugiesische, spanische und lateinamerikanische Spezialitäten zum sofortigen Verzehr oder zum Mitnehmen. Tapas, Käse, Schinken und Oliven werden ebenso angeboten wie Weine, importierte Guarana-Brause oder portugiesische Kaffeesorten, die "einen Tick anders schmecken", wie Mitarbeiter Marc Braun findet. Er hat etliche Jahre in Portugal und Lateinamerika gelebt und kennt die Originale. Besonders beliebt bei den Kunden sind jetzt schon die Pastel de Nata (Vanilletörtchen). "Die sind auch einfach ein Genuss und werden täglich frisch zubereitet", versichert Braun. Namensgeberin für den Laden ist Inhaberin Ana Paula Glück, die seit drei Jahren ein ähnliches Geschäft in der Neustadt betreibt. Serviert wird im "Casa Paula" montags bis

freitags von 8 bis 19 Uhr und sonnabends von 9 bis 18 Uhr.

Nach dem "Wein-Café" im ehemaligen "Engel" klingt jetzt auch der frühere "Goldene Hirsch" ein wenig melancholisch: "Heimweh" heißt das große Restaurant mit Bar und Café im einstigen Möbelhaus jetzt. Überwiegend heimische Speisen aus der regionalen und saisonalen Küche werden serviert. Nina Hose, Farshad Geranmayeh vom "Oberneulanders" und Björn Schwamborn betreiben das Lokal gemeinsam. Auf über zwei Etagen gibt es Platz und Nischen genug für Singles und Gruppen, Raucher und Nichtraucher, leise und lautere Leute, und wer mag, kann sich Fußballübertragungen angucken. Auf Kinder wartet eine Spielecke, und künftig soll es am Wochenende auch mal Live-Musik geben. Das "Heimweh", Vor dem Steintor 24 - 26, hat täglich ab 9 Uhr geöffnet.

In den Neunzigern hatte das Steintor einmal eine Sushi-Bar - in einem japanischen Lebensmittelgeschäft im Fesenfeld. Als "Captain Sushi" in den Schnoor umzog, hat er eine Lücke hinterlassen. Es gab zwar - wie beispielsweise im "Asia Imbiss" - noch in Algen oder Kaviar gehüllten, mit rohem Fisch, Gurke oder Avocado gefüllten Klebereis, aber kein japanisches Restaurant mehr im Viertel. Das hat sich mit der Sushi Factory" geändert. Im früheren "Kaffeehaus", Vor dem Steintor 50, kommt das Essen vom Fließband, frisch und authentisch zubereitet, wie es die Gäste der Filiale an der Knochenhauerstraße kennen. Hauptgesellschafter und Geschäftsführer ist hier wie dort Frank Kleine. 20 Sitzplätze gibt es an der Theke. Ai Fujishima, Koch Yuta Jogasaki und Le Thuy Linh kümmern sich um den Sushi-Nachschub.

Trotz großer Konkurrenz hat Nicole Baum den Zuschlag für ihren Wunschladen bekommen. Accessoires, Papierwaren und Naturkosmetik verkauft die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin seit Ende Oktober Vor dem Steintor 84. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr, sonnabends von 10 bis 15.30 Uhr, in der Vorweihnachtszeit auch sonnabends bis 18.30 Uhr. "Ich war neun Jahre lang Mutter, jetzt wollte ich einfach wieder durchstarten", sagt die 39-Jährige, die zwei Kinder hat. Die Entscheidung, was sie verkaufen wollte, habe sie "aus dem Bauch heraus" getroffen. "Schöne Papierwaren mochte ich schon immer. Zuhause habe ich so viele Blöcke und Kalender, die ich alle gar nicht brauche." Nicole Baum, die im Peterswerder wohnt, nimmt auch Auftragsarbeiten an und fertigt nach Vorgabe beispielsweise Kissen mit Namen oder Glaswaren mit Wunschmotiven an. Mit der Resonanz ist die Existenzgründerin zufrieden. "Ich bekomme sehr viel Lob. Und alle sagen, das sei ein echter Mädchenladen."

Das Hutfachgeschäft am Dobben 127 ist seit langem eine Institution. Ob Panama, Sombrero, Stetson, Borsalino oder Mütze: Dass es für jeden Kopf den richtigen Hut gäbe, davon war die in diesem Jahr verstorbene Inhaberin Gitta Ulbrich überzeugt. Die Modistin hatte von der Pike auf gelernt, wie Hüte, Mützen und Brautschmuck hergestellt werden. Nach ihrer Lehre hatte sie 47 Jahre in ihrem Beruf gearbeitet, die Hälfte der Zeit war sie ihre eigene Chefin.

Mehrak Motiei, die gleich nebenan eine Schneiderei betreibt, hat Gitta Ulbrich gut gekannt und nun das Geschäft zusammen mit ihrem Ehemann Fery Mirshekari übernommen. "Wir haben den Laden neu gestaltet", sagt die gelernte Journalistin, die in jeder freien Minute malt. Ihr Ehemann, ein Elektroningenieur, kümmert sich um die Hutgalerie. "Ein neues Gebiet für mich", sagt er. "Aber ein spannendes."

Inzwischen kennt er viele Marken und Hutformen. Dass er auch Änderungsarbeiten übernehmen und alte Zylinder wieder in Form bringen kann, verdankt er der Zwillingsschwester von Gitta Ulbrich. Die einzige Verwandte der Verstorbenen hat ihm und seiner Frau von Anfang an wertvolle Tipps gegeben. "Sie ist immer für uns da und kommt regelmäßig zu Besuch im Geschäft vorbei", erzählt er. Den Laden zu übernehmen, sei anfangs kein leichtes Erbe gewesen. "Hier kam kürzlich eine achtzig Jahre alte Dame in unser Geschäft und fragte nach Frau Ulbrich", erzählt der neue Besitzer. Als sie hörte, dass die Modistin verstorben sei, habe die alte Dame geweint. Viele seien eben nicht nur zum Einkaufen in das Fachgeschäft gekommen, sondern auch wegen der Besitzerin.

In der "Hutgalerie" ist das Ehepaar von 1000 Kopfbedeckungen in 300 verschiedenen Formen umgeben, 1000 weitere seien im Lager. "Hüte sind total im Trend, auch bei Männern", hat er festgestellt. Männer entscheiden sich schneller als Frauen, ist seine Erfahrung. Die Hutgalerie, Telefon 72118, ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr, von 14.30 bis 18.30 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Im Viertel ist ständig in Bewegung. Aber es bleibt auch Altbewährtes erhalten - und einiges davon war gestern Abend in dem Film "Neue Vahr Süd" im Fernsehen zu sehen: Das Cinema Ostertor, Betten Wührmann Junior und Korsett Friedel in Großaufnahmen.

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