Overbecks Kinderbuch mit neuen Bildern erschienen / Originalzeichnungen und Lesung im Museum Neuauflage für Kattenhorns Pferd

Kattenhorns Pferd lebt in Worpswede auf einem Bauernhof und kann sprechen. Es ist sprachgewandt und kommuniziert gern mit seinem Besitzer. Vor 110 Jahren hat sich der Maler Fritz Overbeck die Geschichten über den unternehmungslustigen Vierbeiner ausgedacht. Knapp vier Jahrzehnte später brachte sein Sohn Fritz Theodor Overbeck die Abenteuer zu Papier und ergänzte sie durch eigene Kapitel. Jetzt ist das Kinderbuch bei der Edition Temmen neu aufgelegt worden, begleitet von einer Kabinettausstellung im Overbeck-Museum.
16.07.2013, 05:00
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Von Imke Molkewehrum

Kattenhorns Pferd lebt in Worpswede auf einem Bauernhof und kann sprechen. Es ist sprachgewandt und kommuniziert gern mit seinem Besitzer. Vor 110 Jahren hat sich der Maler Fritz Overbeck die Geschichten über den unternehmungslustigen Vierbeiner ausgedacht. Knapp vier Jahrzehnte später brachte sein Sohn Fritz Theodor Overbeck die Abenteuer zu Papier und ergänzte sie durch eigene Kapitel. Jetzt ist das Kinderbuch bei der Edition Temmen neu aufgelegt worden, begleitet von einer Kabinettausstellung im Overbeck-Museum.

Bremen-Nord. An einem schönen Tag im September reisen ein sprechendes Pferd und sein Besitzer von Worpswede nach Vegesack, um eine todschicke offene Kutsche zu kaufen. Herr Kattenhorn hat sich nach fachlicher Beratung durch sein wortgewandtes Ross zum Kauf der schnittigen Halbchaise entschlossen. Aber der Bauer muss dem Vorbesitzer auch eine Waschmaschine abkaufen. Logistisch nicht leicht zu bewerkstelligen, und schon beginnt ein neues Abenteuer in dem Buch "Kattenhorns Pferd – Fabeleien um das alte Worpswede". Der Kinderbuchklassiker ist seit wenigen Tagen wieder im Handel. Erschienen ist er in einer vierten durchgehend illustrierten Neuauflage bei Temmen.

Die Texte stammen von Fritz Theodor Overbeck, der die Geschichten nach 1941 für seine Kinder zu Papier brachte und seinerzeit bebilderte. Eigentlicher Erfinder von Kattenhorns Pferd ist jedoch sein Vater, der Maler Fritz Overbeck. Dessen Fantasie entsprang bereits 1903 die Geschichte des unternehmungslustigen Worpsweder Huftiers, das mit dem pfiffigen Raben Jakob via Teufelsmoor und Pennigbüttel zum Schützenfest nach Osterholz reist. Auf dem Weg verdienen die beiden sich ein paar Groschen und bezahlen davon eine Karussellfahrt: "Der Rabe wollte auf dem Schwein reiten, weil das Glück bringt", Kattenhorns Pferd wollte aber lieber ausprobieren, wie es sich anfühlt "wenn man auf einem Pferde reitet" und wählte ein kohlpechrabenschwarzes Karussellpferd aus. "Wie das ging? Herrlich ging das!"

Während die schlicht und charmant formulierten Texte durchgehend dem Original entstammen, hat Felicitas Blech die klassisch anmutenden Illustrationen eigens für die aktuelle Ausgabe geschaffen. Intensiv hat die 35-Jährige die ursprünglichen Radierungen studiert und sich für Zeichnungen mit wasserfesten Tuschlinern entschieden. "Das kommt den Radierungen nahe, weil der Strich sehr fein ist", erklärt sie und ergänzt: "Ich fand es spannend, die Bilder zu den Szenen zu entwickeln." Die aus Halle an der Saale stammende Künstlerin lebt seit zwölf Jahren in Bremen und widmet sich immer wieder der Darstellung von Tieren. "Ich war Feuer und Flamme, weil hier die Tiere das Wort haben." Im Buch tauche daher kein Mensch auf. Blech: "Ich konzentriere mich zu 100 Prozent auf die Tiere und arbeite dabei eher gegenständlich und tendiere in eine wissenschaftliche Richtung."

Kekse mit Mandeln sind Moppen

Für einige Illustrationen musste die Künstlerin intensiv recherchieren. Wie sahen zu Overbecks Zeiten die Kutschen oder Straßenbahnen aus? Wie sehen die erwähnten Pflanzen aus? Oder worum handelte es sich bei den im Buch erwähnten Moppen, die auf dem Freimarkt erhältlich waren? "Das sind Kekse mit Mandeln drauf", weiß die Illustratorin inzwischen.

"Felicitas Blech entwickelt viel Gefühl für die alten Geschichten und illustriert sie im Stil der alten Meister", sagt Daniel Tilgner von Temmen. Sie zeige die Welt der Tiere, und die Kinder sähen nur, was ihnen vorgelesen werde. "Wer diese Geschichten hört, wird sie sein Leben lang nicht vergessen", meint der 52-jährige Lektor. "Es herrscht eine enorme Ruhe. Obwohl das Pferd einen großen Freiheitsdrang hat und viele Abenteuer erlebt, werden andere nie verletzt." Vielleicht sei dies der Grund, warum Fritz Theodor Overbeck die Geschichten während des Krieges und danach erzählt und aufgeschrieben hat. "Er hat die Gegenwart durch die Erinnerungen an die Kindheit ein wenig vergessen können."

Gertrud Overbeck, Tochter des 1898 geborenen Autors Fritz Theodor Overbeck, vermisst in der aktuellen Ausgabe zwar die Zeichnungen ihres Vaters, freut sich aber über die neue Auflage. Immerhin haben die Tierabenteuer auch ihr Leben begleitet. Ihr Vater, so schreibt sie im Nachwort, habe das erste Kapitel im Jahr 1941 aus Heimweh "im dunklen Polarwinter an der Eismeerfront in Norwegen" aufgeschrieben und später "während eines längeren Lazarettaufenthaltes "durch selbst erfundene Geschichten über Kattenhorns Kuh und die Ziegen Mekka und Medina ergänzt. Letztere, so Overbeck, "war meine persönliche Lieblingsgeschichte".

Das Problem mit der offenen Kutsche und der Waschmaschine, die via Vegesack von Platjenwerbe nach Worpswede zu transportieren ist, gehen Kattenhorn und sein Pferd vereint an. Dabei kommunizieren Mensch und Tier gleichberechtigt auf Augenhöhe. So läuft das Pferd zunächst allein von Worpswede über Osterholz nach Ritterhude und wartet an der Schleuse auf den Torfkahn, in dem Kattenhorn nebst Anhang sitzt. Ob es schon lange warte, fragt der Bauer. "Na, so eine kleine halbe Stunde kann es schon sein", meint das Pferd, ich habe nicht nach der Uhr gesehen." Weiter trabt es über die Landstraße nach Vegesack, an der Post vorbei bis zur Hafenstraße und zur Gaststätte "Zum grauen Esel", wo sich dann alle treffen.

"Kattenhorns Pferd – Fabeleien um das alte Worpswede", Fritz Theodor Overbeck/Felicitas Blech, Edition Temmen 2013, 12,90 Euro.

Einige von Overbecks Originalen sowie die 50 schwarz-weißen und kolorierten Original-Zeichnungen von

Felicitas Blech sind bis zum 6. Oktober in einer Kabinett-Ausstellung im Vegesacker Overbeck-

Museum, Alte Hafenstraße 30, zu sehen.

Eine musikalische

Lesung zu "Kattenhorns Pferd" mit Lorenz Meyboden und Bernd Schlott findet am Sonntag, 18. August, um 11.30 Uhr im Overbeck-Museum statt.

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