Zweifel bei Betriebskosten Ausschuss debattiert über Neubau der „Seute Deern“

Die neue „Seute Deern“ soll laut der Variantenstudie am besten als Stahlschiff gebaut werden. Die Mitglieder des Wissenschaftsauschusses haben derweil Sorge, dass die Betriebskosten zulasten Bremens gehen.
01.10.2020, 05:00
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Ausschuss debattiert über Neubau der „Seute Deern“
Von Nina Willborn

Eine „Seute Deern“ aus Stahl, die schwimmt, aber den Museumshafen nicht verlassen kann: Von insgesamt sechs geprüften Varianten ist das diejenige, die aus Sicht des Bremer Wissenschaftsressorts und der Bevollmächtigten des Bundes für Kultur infrage kommt, um den vom Bund genehmigten Finanzrahmen von 46 Millionen Euro (davon rund 34,3 Millionen für den Neubau) nicht zu sprengen. Zwei bis drei Jahre würde es laut der Studie über verschiedene Modelle aus Holz und Stahl dauern, ein solches Schiff zu bauen. Das würde dann auch nicht mehr aussehen wie die alte „Seute Deern“, sondern sich an dem 1888 in Geestemünde vom Stapel gelaufenen Dreimaster „Najade“ orientieren.

Form des Forschungsauftrags fraglich

Diese Pläne, die laut Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) noch keinesfalls konkret sind, sorgten für Skepsis bei den Mitgliedern des Ausschusses für Wissenschaft, Medien, Datenschutz und Informationsfreiheit, in dem die Senatorin die Variantenstudie am Mittwoch vorstellte. Unter anderem sei fraglich, ob sich bei einem Neubau aus Stahl die geplante inhaltliche Verknüpfung mit dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Form eines Forschungsauftrags angemessen darstellen ließe, merkte Magnus Buhlert (FDP) an. „Ich bin deutlich skeptisch, wenn wir über den Nachbau eines Schiffes als Exponat reden“, sagte er.

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Zu den Vorgaben des Bundes, damit das Geld fließt, gehört neben der bereits begonnenen Digitalisierung der „Seute Deern“ auch eine Aufstellung, wie der Betrieb und die Erhaltung eines Nach- oder Neubaus finanziert werden sollen. Dass Bremen oder Bremerhaven dafür aufkommen können, bezweifelten die Politiker parteiübergreifend. „Dass durch die Inanspruchnahme von Bundesmitteln dauerhafte Kosten im Haushalt entstehen, ist fraglich“, sagte Nelson Janßen (Linke). „Und was passiert, wenn die Kosten des Neubaus steigen?“

Ähnlich äußerte sich Solveig Eschen (Grüne). „Zur Wahrheit gehört auch, dass wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen können, dass das Budget eingehalten werden kann“, sagte sie. „Wenn es nicht reicht, können wir nicht den bremischen Haushalt belasten.“ Auch Susanne Grobien (CDU) sah „noch sehr viele Ungereimtheiten“.

Über Kenntnisstände berichten

Für Unmut sorgt die Variantenstudie auch in Bremerhaven, dort allerdings aus anderem Grund: Die Seestädter sind verschnupft, weil die Ergebnisse nun zuerst von Schilling öffentlich gemacht wurden. Das Gutachten war im Mai vom Bremerhavener Kulturressort in Auftrag gegeben worden, die endgültige Version lag dort zunächst nicht vor. „Wir wollen dem Bremerhavener Magistrat keinesfalls vorgreifen“, sagte die Senatorin. „Aber wir sehen es als unsere Pflicht, über Kenntnisstände, die wir haben, zu berichten.“

Voran gehen soll es bald bei den Überresten der „Seute Deern“, die seit März an ihrem Abwrackplatz am Baltimore-Pier am südlichen Ende des Alten Hafens liegt. „Es ist beabsichtigt, dass mit den Arbeiten noch in diesem Jahr begonnen wird“, sagte Häfen­staatsrat Tim Cordßen (SPD).

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