Nach Totalschaden Neubau der „Seute Deern“ soll öffentlich stattfinden

Nachdem ein Gutachten am gesunkenen Museumsschiff „Seute Deern“ einen Totalschaden auswies, wird die Bark für 46 Millionen Euro nachgebaut. Die Arbeiten sollen öffentlich in Bremerhaven stattfinden.
15.11.2019, 19:29
Lesedauer: 4 Min
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Neubau der „Seute Deern“ soll öffentlich stattfinden
Von Peter Hanuschke

Auch wenn die „Seute Deern“, 1919 auf einer Werft in den USA gebaut, erst seit 1966 in Bremerhaven liegt, hat sich die Bark für viele zum Wahrzeichen der Seestadt entwickelt. Dann kam vor zwei Wochen das endgültige Aus für das marode Museumsschiff: Ein Gutachten wies einen Totalschaden an der „Seute Deern“ aus – 75 Prozent der „reinen Schiffsmasse“ hätten bei einer Sanierung der Bark ersetzt werden müssen. Nun die Wende, wenn auch nicht für die „Seute Deern“ selbst: Das Schiff soll für 46 Millionen Euro aus Steuergeldern nachgebaut werden. Bremerhaven erhält also die Möglichkeit, das alte neue Wahrzeichen zurückzubekommen.

Der Nachbau soll dort stattfinden, wo jetzt die „Seute Deern“ liegt, sagte Uwe Schmidt (SPD) auf Nachfrage des WESER-KURIER. Dafür soll ein Trockendock mit sogenannter Tonnendachhalle gefertigt werden, so der Bundestagsabgeordnete aus Bremerhaven. Den Bau, der über sieben Jahre dauert, sollen Besucher mitverfolgen können. „Wie das im Einzelnen touristisch bespielt werden soll, weiß ich aber nicht, ich habe nur das Geld besorgt.“

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„Es soll quasi eine kleine Werft entstehen“, sagte Thomas Joppig, Sprecher des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM), zu der die „Seute Deern“ gehört. Wie das genau umgesetzt werde, damit werde sich der Stiftungsrat in seiner nächsten Sitzung am 13. Dezember und darüber hinaus beschäftigen. „Nach unserem Verständnis muss ein solches Vorhaben aber ausgeschrieben werden.“

Konzept für gesamten Museumshafen

Vermutlich wird sich der Stiftungsrat dann auch mit Gutachten über die übrigen Schiffe des Museumshafens beschäftigen. DSM-Direktorin Sunhild Kleingärtner hatte in der Vergangenheit erklärt, dass diese Gutachten wichtig seien, um insgesamt den finanziellen Aufwand einschätzen und so eine tragfähige Perspektive für den Museumshafen erarbeiten zu können.

So überraschend die Nachricht am Donnerstagabend auch war, an dem Plan zum Neubau muss schon länger im Hintergrund gearbeitet worden sein. Denn die Mitglieder der Bereinigungssitzung des Haushaltsauschusses werden nicht einfach so 46 Millionen Euro zusätzlich zum Bundeshaushalt 2020 durchgewunken haben. Es ist davon auszugehen, dass den Mitgliedern entsprechende Konzepte, Konstruktionspläne und konkrete Kostenermittlungen vorgelegt worden sind – alles andere wäre fahrlässig.

Das bestätigt auch Uwe Schmidt. Das Konzept für die Rekonstruktion der „Seute Deern“ gebe es schon länger. Es handle sich dabei um die sogenannte Variante III, die das DSM bereits im vergangenen Jahr vorgestellt hatte. Zum damaligen Zeitpunkt seien aber nur Mittel für Variante II bewilligt worden: und zwar für die eigentlich geplante Sanierung des Schiffes. 17 Millionen vom Bund und ebenso so viel vom Museum, der Stadt Bremerhaven und vom Land Bremen wären dafür zusammengekommen.

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„Dass der Bund nun die Rekonstruktion zu hundert Prozent finanzieren will, ist eine tolle Nachricht für Bremerhaven“, findet Schmidt. Dass es auch Kritik an diesem Vorhaben gibt, sei ihm auch schon zu Ohren gekommen, so der Bundestagsabgeordnete. „Das Geld für die Rekonstruktion kommt aber allein aus dem Kulturhaushalt, andere Vorhaben wie etwa der Bau von Kitas haben dadurch keinen Nachteil.“ Ihm sei es wichtig, dass nun die Möglichkeit bestehe, wichtiges maritimes Erbe zu erhalten. „Man würde ja auch nie auf die Idee kommen, das Kolosseum in Rom abzureißen.“

Das Wahrzeichen Bremerhavens bleibt n erneuerter Form erhalten

Es sei großartig, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages 46 Millionen Euro für einen Wiederaufbau der „Seute Deern“ und die Sanierung der übrigen Schiffe und maritimen Objekte im Museumshafen bewilligt habe, so DSM-Direktorin Kleingärtner. Insgesamt stellt der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 47,1 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir bedanken uns bei allen Beteiligten von ganzem Herzen für ihren Einsatz zugunsten der südlichen Havenwelten, insbesondere bei den Abgeordneten Uwe Schmidt und Johannes Kahrs (Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneter, Anm d. Red.), die sich nachdrücklich für den Museumshafen stark gemacht haben. Es freut uns sehr, dass das Wahrzeichen Bremerhavens den Bürgern und Gästen der Stadt in erneuerter Form erhalten bleiben kann.“

Es seien erhebliche öffentliche Mittel, die nun in den Museumshafen fließen, und es sei eine große Verantwortung, diese wirkungsvoll einzusetzen, sagte Direktorin Kleingärtner. „Diese Verantwortung gebietet es, dass wir uns bereits jetzt Gedanken über die Zeit nach der Sanierungsphase machen.“ Der Museumshafen benötige eine nachhaltige Perspektive – das sei die Lehre, die aus Jahrzehnten der Unterfinanzierung und des Sanierungsstaus gezogen werden müsse. Denn nicht nur die Geschichte der „Seute Deern“ und der Museumsschiffe, sondern auch des 2008 abgewrackten Schnellbootes „Kranich“ zeige eines mahnend auf: „Verlässliche Strukturen und Mittel werden immer nötig sein, um die Instandhaltung der Schiffe und maritimen Objekte im Museumshafen sicherzustellen.“

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Ob der Beschluss des Haushaltsausschusses überraschend für das Schifffahrtsmuseum kam, dazu sagte Joppig: Es habe im Vorfeld der Sitzung verschiedene Gespräche gegeben. Es sei aber immer offen gewesen, ob es gelinge, das Vorhaben zu finanzieren. Dass das Projekt nun komplett aus Bundesmitteln finanziert werde, sei besonders erfreulich: „So steht es nicht in Konkurrenz zu vielen anderen Ausgaben der Stadt Bremerhaven und des Landes Bremen.“

Öffentlicher Bau

Das endgültige Konzept zur Rekonstruktion der „Seute Deern“ werde in den nächsten Wochen erarbeitet, so Joppig. „Es geht auch darum, Kostenexplosionen zu vermeiden.“ Man werde in diesem Zusammenhang auf bestehende Planungen zurückgreifen, so auf eine Variante, die bereits vor dem Brand auf der „Seute Deern“ im Frühjahr existierte. „Diese alte Idee beinhaltet unter anderem, dass das Schiff nach dem Neubau nicht wieder zu Wasser gelassen wird, weil es dort viel schneller zu Schäden am Rumpf kommen würde.“

Außerdem gebe es die Überzeugung, dass der „öffentliche“ Bau eines solchen Schiffes unter touristischen Gesichtspunkten sehr interessant sei. Es gehe beim Gesamtkonzept darum, eine tragfähige Lösung über die Sanierung hinaus zu finden, so Joppig. Denn der spätere Unterhalt sei durch die 46 Millionen Euro nicht gedeckt. Ob die knapp 76 Meter lange „Seute Deern“ in diesem Zusammenhang wieder ein Restaurant beherbergen wird, sei noch nicht klar.

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