Bremen Neue Asphaltdecke für Flughafen

Zweite und entscheidende Phase bei der Sanierung der Rollbahn auf dem Bremer Flughafen: Seit Dienstagmorgen wird der Asphalt aufgebracht. Eine Arbeit, die eines nicht gebrauchen kann: Regen.
08.08.2012, 05:00
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Neue Asphaltdecke für Flughafen
Von Jürgen Hinrichs

Zweite und entscheidende Phase bei der Sanierung der Rollbahn auf dem Bremer Flughafen: Seit Dienstagmorgen wird der Asphalt aufgebracht. Eine Arbeit, die eines nicht gebrauchen kann: Regen. Bis jetzt läuft aber alles nach Plan, versichern die Leute vom Flughafen. Und falls es doch mal schütten sollte – "haben wir genug Zeit, das wieder aufzuholen".

Bremen. Ein Verkehr auf dem Flughafen, dass man aufpassen muss, nicht unter die Räder zu kommen. "Achtung", ruft ein Mann mit grellgelber Sicherheitsweste, und schon brettert am Tor 22 wieder ein Lastwagen vorbei, beladen mit heißem Asphalt. Seit elf Uhr gestern Morgen bekommt die zwei Kilometer lange Rollbahn eine neue Asphaltdecke, vorher war sie nackt gemacht worden, wenn man so will: 30 Stunden Fräsen, ein Inferno von Lärm und Staub. Die Arbeiten liegen genau im Plan, sagen die Leute vom Flughafen, perfekt, sagen sie, es könnte besser nicht sein. Bis Sonntag, sechs Uhr, soll alles fertig sein, besser früher, wahrscheinlich sogar, damit nach sechs Tagen Bauzeit in Bremen wieder ein Flugzeug landen kann.

Marco Pfleging steht am Rand der Rollbahn, hinter sich die schweren Baumaschinen, und demonstriert eine Ruhe und Gelassenheit, dass man gar nicht mehr anders kann, als ihm zu glauben und nie auch nur zu denken wagt, dass es vielleicht Zweckoptimismus ist: "Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir den Termin halten können", sagt der Flughafen-Prokurist, zuständig für alles, was auf dem Airport Infrastruktur ist. Der 49-Jährige entdeckt, wie er sagt, gerade wieder das Kind in sich, die Begeisterung für eine der ungewöhnlichsten Baustellen, die Deutschland zurzeit zu bieten hat. "Das erlebt man nur einmal", sagt Pfleging und genießt den Rummel um sich herum. Es ist der Tag für die Medien, sie dürfen jetzt mal ran an die Baustelle, die ansonsten streng gesichert ist.

Erst einmal gibt es dort nichts Besonderes, Straßenbau, nur, dass die Strecke auf einem Flughafen liegt und nicht für Autos gedacht ist, sondern für Flugzeuge, die hundert Tonnen auf die Waage bringen, manche auch mehr. Beim Straßenbau kommt der Lastwagen und bringt den Asphalt. Er kippt ihn in einen sogenannten Beschicker, und der wiederum gibt ihn gleich weiter in den Fertiger. Den Asphalt dann rauf auf den Boden, mit der Walze drüber, und fertig. Alles ganz normal, millionenfach erprobt, und bei der Rollbahn nicht anders, abgesehen davon, dass der Belag dort besonders hart und widerstandsfähig ist. Da kann die Sonne knallen wie sie will, versichert Pfleging, "weich wird der Asphalt nie". Kein Flugzeug, das deswegen in die Knie geht.

60000 Tonnen Material

Die Technik ist es also nicht, die den Bauleuten etwas abfordert, es ist die Logistik. 60000 Tonnen Material, die bewegt werden müssen. Altes weg, und Neues wieder her. Wobei das Neue durchaus mit dem Alten vermischt ist. Der Fräsen-Fraß wird zu einem Viertel wiederverwendet und darf von den Mischwerken zurück an den angestammten Platz. Bis zu 60 Lastwagen, die pro Stunde auf den Flughafen fahren oder ihn wieder verlassen. Tag und Nacht tun sie das, rund um die Uhr, gerade jetzt, beim Asphaltieren, wenn die Maschinen unersättlich sind. 120 Arbeiter auf der Baustelle, die koordiniert werden müssen. Und das alles mit dem Druck, präzise zu sein und vor allen Dingen: pünktlich!

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der Flughafen länger geschlossen bleiben müsste. Sowieso ist es in Deutschland wohl einmalig, dass ein mittelgroßer Verkehrsflughafen eine Woche lang dicht macht. In Bremen geht das nicht anders, es gibt nur eine Rollbahn, und die war nach 20 Jahren fällig für eine Generalsanierung.

14 Zentimeter, die zunächst einmal heruntergefräst werden mussten, das war der erste Bauabschnitt. Jetzt der Asphalt: Acht Zentimeter Binderschicht, da sind die Arbeiter gerade dabei, und zum Schluss die eigentliche Decke.

Während zurzeit noch jede einzelne Bahn für sich asphaltiert wird, sechsmal 7,5 Meter, geschieht das am Ende, bei der Decke, parallel. "Die Fertiger fahren dann Formation", sagt Pfleging. Seite an Seite, und die ganze Zeit über genau ausgerichtet, denn darauf kommt es an: Die Nähte sollen aneinander stoßen, wenn sie noch heiß sind, das bindet besser. Nähte übrigens nur noch in der Längsrichtung der 45 Meter breiten Rollbahn. Quer wird es sie nicht mehr geben, ein Fortschritt: "Es wird beim Starten und Landen ruhiger auf der Bahn", sagt Pfleging.

Regnen darf es nicht, das ist wohl das einzige, was noch Probleme bereiten könnte. Pfleging: "Nieselregen geht noch, aber sonst wird es schwierig." Sein Bauleiter, der neben ihm steht, guckt schon keinen Wetterbericht mehr, sagt er: "Ich nehme das so hin." Und dann, na also, scheint über dem Flughafen kurz mal die Sonne.

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