Probleme im Bausegment und Pflegebereich

Neue Beratungsstelle für Opfer von Arbeitsausbeutung

In Bremen hat eine Beratungsstelle ihre Arbeit aufgenommen, die Saisonkräfte und Opfer von Arbeitsausbeutung über ihre Rechte in Deutschland aufklären will.
27.04.2017, 18:27
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Neue Beratungsstelle für Opfer von Arbeitsausbeutung
Von Kristin Hermann

In Bremen hat eine Beratungsstelle ihre Arbeit aufgenommen, die Saisonkräfte und Opfer von Arbeitsausbeutung über ihre Rechte in Deutschland aufklären will.

Der Mindestlohn in Bulgarien liegt bei 1,42 Euro in der Stunde. Alles, was darüber hinaus gezahlt wird, empfinden Arbeitskräfte in Ländern wie diesem oft schon als Zugewinn. Und genau da liege das Problem, sagen Experten. In Bremen und Bremerhaven hat deshalb eine Beratungsstelle ihre Arbeit aufgenommen, die Saisonkräfte und Opfer von Arbeitsausbeutung über ihre Rechte in Deutschland aufklären will.

Die Bremer und Bremerhavener Beratungsstelle für mobile Beschäftigte und Opfer von Arbeitsausbeutung, kurz Moba, wurde am Donnerstag im Gewerkschaftshaus am Bahnhofsplatz offiziell eröffnet.

Zielgruppen der Beratungsstelle

Hinter den Kulissen hat die Stelle bereits zu Beginn des Jahres ihre Arbeit aufgenommen. Zwei Beraterinnen versuchen seitdem Betroffene aufzusuchen und sie über das neue Angebot zu informieren. Zielgruppen sind Arbeitnehmer aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die überwiegende Zahl der Ratsuchenden komme aus Bulgarien, Polen und Rumänien.

Aber auch prekär Beschäftigte aus den Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre sollen bei Moba Unterstützung finden. "EU-Migranten sind häufig bereit, Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen, die unterhalb der deutschen Standards liegen“, sagte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD).

Gründe dafür seien unter anderem schlechte Deutschkenntnisse, fehlendes Wissen über die eigenen Rechte, geringe Qualifikation und besondere Notlagen, sagte Caren Emmenecker, die das Projekt koordiniert. Oft seien Betroffene nur schwer zu erreichen.

Fachkräfte sprechen mehrere Sprachen

Deshalb sind die beiden Mitarbeiterinnen Agnieszka Lasoń und Ognyana Ivanova momentan häufig mit ihrem VW-Bus in den beiden Städten unterwegs. „Wir fahren in die Stadtteile und suchen die Communitys auf“, sagte Ivanova. Die beiden Fachkräfte sprechen gleich mehrere Fremdsprachen, um schneller eine Vertrauensbasis zu den Saisonarbeitern zu bekommen.

In Bremen seien besonders die Stadtteile betroffen, in denen sowieso schon überdurchschnittlich viele arme Menschen leben. In Gröpelingen gebe es eine Art „Arbeiterstrich“, auf dem Männer und Frauen darauf warten, dass sie von Unternehmen angeworben werden und man ihnen Arbeit gibt. Häufig würden sie Angebote von ausländischen Firmen bekommen. „Meistens aus dem Bausegment oder dem Pflegebereich“, sagte Ivanova.

Mit dem mutmaßlichen Sozialbetrug in Bremerhaven (wir berichteten) habe die Errichtung der Beratungsstelle nichts zu tun. Der Plan dazu sei schon früher entstanden. Wenn bei der Arbeit größere Vergehen auffallen, würden sie diese auch öffentlich machen, versprach die DGB-Vorsitzende Annette Düring. Angesiedelt ist die Moba bei der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben der Gewerkschaft. Die Finanzierung steht für die kommenden zwei Jahre. Gefördert wird das Projekt vom Wirtschaftssenator aus Finanzmitteln des Europäischen Sozialfonds.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+