Gewerbegebiet in Neustadt verkauft

Neue Chance für Neustadtsgüterbahnhof

Vom Schandfleck zum modernen Gewerbegebiet: Diese Verwandlung hat sich der Bremer Projektentwickler Peper und Söhne für den verwahrlosten Neustadtsgüterbahnhof vorgenommen.
30.11.2018, 18:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Ein Besitzerwechsel am Gewerbegebiet Neustadtsgüterbahnhof weckt vor Ort Hoffnungen auf einen positiven Wandel. Ab sofort ist wie berichtet der Projektentwickler Peper und Söhne neuer Inhaber des etwa 90 000 Quadratmeter großen Geländes zwischen der Bundesstraße 6 und dem Bahndamm der Linie Bremen-Oldenburg. Für die Stadtentwicklung sicherlich ein gutes Signal. Schließlich galt das Areal bislang als Schandfleck zwischen den Stadtteilen Neustadt und Woltmershausen: Viele Gebäude standen leer und das Gebiet machte insgesamt einen verwahrlosten Eindruck.

Damit soll nun Schluss sein, gibt Christoph Peper, Geschäftsführer bei Peper und Söhne bekannt. Ein verkehrlich gut angebundenes, modernes Gewerbegebiet in Innenstadtlage sei das Ziel, das „in enger Abstimmung mit der Verwaltung und orientiert an den Bedürfnissen des gewerblichen Immobilienmarktes“ fortentwickelt werden solle, heißt es in einer Mitteilung des Projektentwicklers. Dass das Bremer Familienunternehmen an einer schnellen Umsetzung interessiert ist, zeigen die bereits erfolgten Abrissarbeiten von maroden Gebäuden.

Bis Ende Oktober hatte die Aurelis Real Estate, eine ehemalige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, das Gebiet in ihrem Immobilienbestand. Für die südliche Freifläche Richtung A 281 wurde wie berichtet zwar seit sechs Jahren in Abstimmung mit der Stadt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erarbeitet. Die Pläne für moderne Gewerbeeinheiten wurden allerdings nie umgesetzt. „Wir haben ein Kaufangebot von einem renommierten Unternehmen erhalten, das von uns das Entwicklungsrisiko übernimmt und das sich darüber hinaus am Standort sehr gut auskennt“, begründet Unternehmenssprecherin Susanne Heck den Verkauf. Die Entscheidung gegen die Umsetzung der ursprünglichen Pläne und für den Verkauf sei daher eine Win-win-Situation gewesen.

Hoffen in den Stadtteilen

In der Neustadt und in Woltmershausen trifft die Nachricht vom Besitzerwechsel auf deutliches Wohlwollen. „Endlich kommt Bewegung in die Brachfläche, das bietet große Chancen für die weitere Entwicklung beider Stadtteile“, sagt Annemarie Czichon, Ortsamtsleiterin für die Neustadt und Woltmershausen. Zum einen sei der Druck auf die vorhandenen Gewerbeflächen enorm, „daher war es ein Drama, dass diese Fläche jahrzehntelang quasi brach gelegen ist“, so Czichon.

Zum anderen sei der neue Eigentümer willkommener Gesprächspartner – besonders mit Blick auf die städtebaulichen Umwälzungen, die die Stadt mit dem Tabakquartier im vorderen Woltmershausen plant. „Es ist dringender Wunsch beider Stadtteile, die trennende Wirkung der Bahnlinie abzumildern und die verkehrliche Situation am Pusdorfer Tunnel zu entspannen“, sagt die Ortsamtsleiterin. Daher sei die Hoffnung groß, in guter Kooperation mit dem Eigentümer über Flächen zu sprechen, die zu einer Entspannung des verkehrlichen Engpasses beitragen könnten.

Bereits gegenüber Aurelis Real Estate hatten die beiden Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne Neustadt) und Edith Wangenheim (SPD Woltmershausen) wiederholt darum gebeten, auch eine verkehrliche Verbesserung der jetzigen Situation am Ausgang des Pusdorfer Tunnels in die Umgestaltung der Gewerbefläche mit einzubeziehen. Allerdings ohne Erfolg.

Christoph Peper hingegen signalisiert, dass er sich der einmaligen Chance, an dieser Stelle für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen, durchaus bewusst ist – und diese Verantwortung als Eigentümer auch annimmt: „Es ist eine Jetzt-oder-nie-Situation, daher gelten für uns keinerlei Denkverbote“, so Peper. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, Flächen abzutreten, die für eine bessere verkehrliche Erschließung des Standortes benötigt würden.

Pusdorfer Tunnel könnte breiter werden

Eine Zusage, die insbesondere auch die Stadtplaner und Eigentümer im Woltmerhsauser Tabakquartier erfreuen dürfte. Denn dort wird wie berichtet derzeit an einem Masterplan für ein neues Wohn- und Arbeitsquartier getüftelt, das auch auf den ehemaligen Betriebsgeländen von Gaswerk und der teilweise verlassenen Tabakfabrik Martin Brinkmann entstehen soll. Die Aufweitung des Pusdorfer Tunnels unter den Gleisen ist bei der Planung eines der zentralen Anliegen, um die schlechte Verkehrsanbindung zu verbessern. Das macht aber nur Sinn, wenn auch hinter dem Tunnel mehr Platz als bisher zur Verfügung steht.

Auch in der Baubehörde wird der Kauf durch Peper und Söhne positiv bewertet: „Wir haben die Hoffnung, dass es dort jetzt mit einem Eigentümer, der die Entwicklung aktiv angehen möchte, zügiger vorangeht“, sagt Stadtplaner Axel König. Die nahezu zeitgleiche Entwicklung der Gebiete beiderseits der Gleise mit dem gemeinsamen Ziel, den Verkehrsfluss zu verbessern, könne „gute Möglichkeiten für beide Seiten“ mit sich bringen.

Die Ende 2020 auslaufenden Mietverträge mit der ortsansässigen Tankstelle und einem Imbiss am Neustadtsgüterbahnhof eröffnen zumindest die Option auf eine Neusortierung der Kreuzung hinter dem Bahntunnel. Inwieweit die etwa zehn Mieter auf dem Areal auch langfristig in das neue Gesamtkonzept passen, wird laut Peper derzeit noch überlegt.

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