3D-Technologie Neue Dimensionen für Bremer Kinos

Bremen. Vor rund zehn Jahren war das Wort Kinosterben in aller Munde. Die Multiplex-Kinos hielten Einzug und kleine Häuser mussten schließen. Nach einem dramatischen Rückgang der Zuschauerzahlen im Jahr 2007 entwickeln sich die Kinos jetzt vor allem Dank 3D wieder zu Besuchermagneten.
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Von Karina Skwirblies

Bremen. Vor rund zehn Jahren war das Wort Kinosterben in aller Munde. Die Multiplex-Kinos hielten Einzug und kleine Häuser mussten schließen. Nach einem dramatischen Rückgang der Zuschauerzahlen im Jahr 2007, der auch die großen Spielstätten kalt erwischte, entwickeln sich die Kinos jetzt vor allem mit Filmen der neuen 3D-Generation wieder zu einem Besuchermagneten.

Die Welt des dreidimensionalen Films zieht in jüngster Zeit Besucherscharen in nie dagewesenen Größenordnungen in die Kinosäle. Rund 30 Prozent macht der Anteil bei vielen großen Häusern aus. Der 3D-Film "Avatar" spielte weltweit laut "The Internet Movie Database" 2771,6 Millionen Dollar ein. Das bislang höchste Ergebnis, das ein Film je erzielte. "Titanic" mit 1835,3 Millionen Dollar und "Alice im Wunderland" (3D) mit 1023,3 Millionen Dollar folgen in beträchtlichem Abstand. Die Zahl der digitalen Leinwände in Deutschland hat sich von 2008 (1529) auf 2009 (4693) mehr als verdreifacht.

Neue Technik für Bremer Häuser

In Bremen reagieren die Häuser auf die aktuellen Entwicklungen. Das Cinemaxx am Bahnhof hat jetzt seinen digitalen Imax-Saal eröffnet und dafür 650.000 Euro investiert. Nicht ohne Grund: Das Kino konnte "Avatar" und "Alice" zugleich zeigen und damit seine Marktanteile steigern. Obwohl das Bremer Haus nicht zu den größten Profitbringern der Gruppe gehört, wie Marketingleiter Alexander Dangelmaier erklärte. Aber auch hier wünschen sich rund 30 Prozent der Gäste ein dreidimensionales Filmerlebnis.

Aktuell spült der neue Harry Potter wieder Geld in die Kassen. Etwa 2000 Besucher waren an einem der ersten Tage im Cinemaxx, schätzt Dangelmaier. Doch die Branche begnügt sich nicht mit Filmvorführungen. Besondere Aktionen sollen dem Pantoffelkino und dem nahezu unbegrenzten Zugriff auf Unterhaltung mittels DVD Konkurrenz machen. So plant das Cinemaxx eine Riesenrutsche quer durchs Gebäude und eine Werder Lounge.

Das Cinespace in der Waterfront hat Erfolg mit Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera New York. Musikliebhaber verfolgen via Satellit Konzerte und Opern. Nun möchte das Kino dieses Angebot um das Bolschoi-Theater in Moskau erweitern. Außerdem rühmt es sich der größten Kinoleinwand Norddeutschlands. Eine Fläche von 610 Quadratmeter steht hier für die Projektion zur Verfügung. Den Leerstand des Einkaufs- und Vergnügungszentrums nach der Pleite des Space Parks hat das Unternehmen, zu dem aktuell nur das Kino Cinespace zählt, gut überstanden. "Wir haben gut gewirtschaftet", sagte Hakan Baylars, Assistent der Geschäftsführung. Die Säle werden auch vermietet, es finden Sonderveranstaltungen statt.

Das dritte große Multiplex-Kino in Bremen, das CineStar Kristall-Palast beim Weserpark, rüstet gerade zwei Säle auf 3D um. Zum Jahresende möchte das Haus drei Säle mit insgesamt 1327 Plätzen dreidimensional bespielen, erklärte Theaterleiter Volkhard Lammers. Schwerpunkt des Programms seien internationaler Mainstream und Blockbuster. Doch mit der Filmreihe "Deutscher Film - Groß bei CineStar" sei es gelungen, die etwas ältere und anspruchsvollere Generation zu gewinnen. Von der Kinokrise sei das CineStar weitestgehend verschont geblieben, führte Lammers aus. Die Nähe zum Weserpark und gezielte Aktionen seien dafür Gründe.

Filmkunsttheater bedienen Nischen

Neben diesen drei Giganten mit 2000 bis über 3000 Sitzplätzen behaupten sich in Bremen schon seit vielen Jahrzehnten fünf kleine Lichtspielhäuser, die das Kinosterben überstanden haben. Drei davon firmieren unter Bremer Filmkunsttheater, Inhaber ist Manfred Brocki. Es sind die Schauburg, das Atlantis und die Gondel. Was 1982 mit der Schauburg als kleinem Programmkino und Veranstaltungsort begann, ist nach bewegter Geschichte und dem Zusammenschluss mit den Filmkunstkinos Atlantis und Gondel zu einer über Bremens Grenzen hinaus beachteten Institution geworden. Den Schwerpunkt des Programms bilden aktuelle Filmkunstfilme aus aller Welt, darüber hinaus runden Filmfestivals, Premierenveranstaltungen mit Gästen, Kunst- und Dokumentarfilme, Originalversionen mit und ohne Untertitel das Programm ab. Mehr als 200.000 Besucher besuchen jedes Jahr die Kinos Atlantis, Gondel und Schauburg.

Das Cinema im Ostertor war nach Angaben seiner Betreiber das erste Programmkino in Deutschland überhaupt. Zu den Gründern gehörten Gerhard Settje, Lore Bertleit und Hero Burmeister. Davor führten Gretel und Otto Draber das Haus von 1934 bis 1969 als Kammer-Lichtspiele. Heute leiten Andrea und Thomas Settje das Cinema als Familienbetrieb. "Das kleine Kino aufrecht zu erhalten, war nicht immer leicht", erklärte Thomas Settje. "Man muss den Geschmack treffen. Wenn der Film keine Akzeptanz hat, ist es sofort wieder vorbei, dann ist das Publikum gnadenlos weg. Wir müssen um die Besucher kämpfen."

Im Jahr 2005 erstrahlte der Saal nach einer umfangreichen Renovierung im neuen Glanz. Die roten Quinette-Stühle aus Frankreich stehen hier seit Oktober 2004. Auf dem Programm stehen 30 Prozent deutsche Filme, 40 Prozent europäische und im Übrigen internationale Filme. Immer wieder mal ist auch ein Regisseur zur Premiere seines Films zu Gast im Cinema Ostertor.

Das kommunale Kino 46 zeigt bewusst keinen Mainstream. "Bei uns ist es anders als in anderen Kinos", betont Geschäftsführer Karl-Heinz Schmid. "Wir haben einen Bildungsauftrag." 1974 gründeten engagierte Bremer Bürger das Kommunalkino. Es waren Redakteure, Professoren der Universität und Rechtsanwälte darunter. Am Anfang im Cinema Ostertor angesiedelt, wurden zu Spitzenzeiten Anfang der 80er Jahre an acht Spielstätten Filme gezeigt. Darunter auch in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen. Rund 30.000 Besucher im Jahr erleben jetzt in der Spielstätte im Medienzentrum in Walle Filme, die von fünf bis 100 Jahren alt sind. Stummfilme, internationale Filme, viele Dokumentationen und politische Filme sind darunter. Dabei läuft ein Streifen nicht öfter als fünf bis sechs Mal. Finanziert wird das kommunale Kino 46 aus Mitteln des Senators für Kultur, Eintrittsgeldern und aus Drittmitteln. Der Standort in Walle ist seit drei Jahren in der Diskussion. Momentan laufen die Verhandlungen über einen Umzug auf Hochtouren und sind streng geheim. "Eine Lösung ist in zwei Wochen in Sicht", sagte Schmid.

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