Prävention und Gesundheitsförderung

Neue Fachkräfte an Bremer Schulen

Ernährung, Bewegung, Lärm, Stress und Medienkonsum dürften beim Modellprojekt Gesundheitsprävention in Grundschulen die wichtigsten Themen werden. Land und Krankenkassen finanzieren das Vorhaben.
27.08.2018, 21:01
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Neue Fachkräfte an Bremer Schulen
Von Timo Thalmann

Katharina Nussbaum hat erst mal Bälle geworfen. Die neue „Fachkraft für Prävention und Gesundheitsförderung“ beginnt mit einem einfachen Kennenlernspiel in einer Klasse der Grundschule in der Stichnathstraße. Das Kind, das den Ball auffängt, sagt seinen Namen und erzählt, was es heute schon für seine Gesundheit getan hat. „Das klingt banal, aber in dem kleinen Vorgang steckt schon ganz viel drin“, erläutert die gelernte Krankenpflegerin. Beim Ball fangen und werfen gewinnt sie eigene Eindrücke zur Motorik der Kinder, und wenn jemand erzählt, dass er heute schon Zähne geputzt oder ein „gesundes Nutellabrot“ gegessen hat, erkennt sie auch, was Kinder und Eltern jeweils für gesund halten.

Nussbaum ist eine von sieben neuen Fachkräften des Bremer Landesgesundheitsamts, die nach den Sommerferien ihren Dienst an insgesamt zwölf Grundschulen im Land Bremen aufgenommen haben, davon zwei in Bremerhaven. Fünf Kolleginen sind als Vollzeitkräfte jeweils für zwei Schulen zuständig, zwei sind halbtags an jeweils einer Schule. Ausgewählt wurden Standorte in Huchting, Walle, Gröpelingen, Vegesack, Blumenthal, Obervieland, Woltmershausen, Osterholz und der Vahr mit einem „herausfordernden sozialen Umfeld“, wie es Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt beschreibt, die das auf drei Jahre angelegte Modellvorhaben als „Herzensangelegenheit“ bezeichnete.

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Rund 600.000 Euro aus Landesmitteln stellt Bremen dafür bereit. Noch einmal so viel finanzieren die gesetzlichen Krankenkassen. „Damit sind wir das einzige Bundesland, in dem es gelungen ist, beim Thema Gesundheitsförderung in der Schule ein gemeinsames Projekt mit den Kassen auf den Weg zu bringen“, betonte die Senatorin. Hintergrund der Aktivitäten von Gesundheitsamt und Kassen ist das seit 2016 geltende „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention“ des Bundes. Es verpflichtet die Krankenkassen, Vorbeugung vor Erkrankungen in sogenannten „Lebenswelten“ zu fördern. Dazu zählen etwa Stadtteile, aber auch Gemeinschaftseinrichtungen wie Seniorenresidenzen oder eben Schulen.

Vertrauen von Kindern und Eltern gewinnen

„Wir engagieren uns als Kassen mit unserem Präventionsauftrag in den Schulen, weil wir diese Zielgruppen hier besser erreichen als in jeder anderen Struktur“, sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der Landesvertretung der Techniker-Krankenkasse stellvertretend für alle beteiligten Kassen. Anders ausgedrückt: Zur Schule müssen alle Kinder. Und so sind auch die Eltern ansprechbar, die auf anderen Wegen kaum für das Themenfeld Prävention erreichbar sind. „Darum geht es zunächst auch darum, das Vertrauen von Kindern und Eltern zu gewinnen“, sagt Nussbaum. Erst dann dürften ihre geplanten Sprechstunden auch angenommen werden.

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In der Beratung soll der Schwerpunkt der neuen Gesundheitsfachkräfte liegen. Das Angebot soll „systematisch und bedarfsorientiert sein“, wie es Berit Warrelmann von der Landesvereinigung für Gesundheit formuliert. Sie ist Projektleiterin des Modellvorhabens und erwartet künftig eine bessere Vernetzung der Schulen mit Gesundheitseinrichtungen im Stadtteil. Die neuen Fachkräfte seien dafür die Brückenbauer.

Nicht nur die gesunde Ernährung ist ein Thema

Konkret wird es bei der Prävention um Themen wie Ernährung gehen – Stichwort: gesundes Pausenbrot. Aber auch mangelnde Bewegung, hoher Medienkonsum, fehlende Hygiene, Lärm und Stress dürften eine Rolle spielen. „Wir registrieren bei den Schuleingangsuntersuchungen zunehmend chronische Erkrankungen wie Allergien, Asthma sowie Entwicklungsstörungen“, berichtet Andrea Bade, die das Projekt als Kinderärztin am Gesundheitsamt betreut. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen seien den neuen Fachkräften bekannt. Auch darauf sollen sich ihre Aktivitäten in den Schulen gründen.

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Für Quante-Brandt sind Präventionsangebote in der Schule ein Beitrag zur Chancengleichheit. „Ich sehe das als Teil eines Dreiklangs aus Teilhabe, Gesundheit und Bildungserfolg“, sagt die Senatorin. Dass dafür nun eigens Fachkräfte des Gesundheitsamtes in den Schulen tätig werden, entlaste zudem die Lehrerschaft, sich um die Gesundheitsprävention auch noch kümmern zu müssen.

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