Häuser ersetzen Zelte an Ermlandstraße Neue Flüchtlingssiedlung in Blumenthal

An der Ermlandstraße in Blumenthal entsteht ein Flüchtlingsdorf. Ab Ende Mai sollen hier auf einem 8000 Quadratmeter großen Gelände rund 330 Menschen leben.
04.04.2016, 00:00
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Von Albrecht-Joachim Bahr

An der Ermlandstraße in Blumenthal entsteht ein Flüchtlingsdorf. Ab Ende Mai sollen hier auf einem 8000 Quadratmeter großen Gelände rund 330 Menschen leben.

Das Besondere daran: Die Siedlung besteht aus Häusern, die in Holzrahmenbauweise gefertigt sind. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bauweise sind sie erstens schnell errichtet, zweitens billiger und drittens: Wenn nötig sind schnell auseinanderzunehmen und können an einem anderen Ort zusammengesetzt werden. Kommt hinzu, dass bei diesen Häusern von einer Lebensdauer von bis zu 60 Jahren ausgegangen wird.

Auf dem ehemaligen Gelände des Tennis-Club Blumenthal läuft die Arbeit an den neuen Flüchtlingsunterkünften auf Hochtouren. Acht Gewerke mit insgesamt vierzig Arbeitern sind auf der Baustelle zu koordinieren. Die Fundamente sind gegossen. Die Ladung von gut 40 Sattelzügen ist bereits angeliefert, die von weiteren 15 steht noch aus. Und während hier noch die Bodenplatte auf das Fundament montiert wird, steht dort schon das erste der insgesamt vier Häuser. Projektsteuerer Heribert Aleweld leitet die Baustelle. Die städtische Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen ist Bauherr.

Zur Vorgeschichte: Bremen hat im September vergangenen Jahres die Schaffung von mehr als 1700 Plätzen in Wohncontainern und in Holzrahmenbauweise beschlossen. Mit diesem Senatsbeschluss wurde Immobilien Bremen von einigen Regularien entbunden, die bei Projekten dieser Größenordnung eigentlich verbindlich sind. So entfällt eine europaweite Ausschreibung. Auch Baugenehmigungen müssen bei der Vergabe der Aufträge noch nicht vorliegen. So können Unterkünfte schon bestellt werden, selbst wenn noch nicht feststeht, wo genau sie aufgestellt werden. Grund für diese Verfahrensweise dafür sind die langen Lieferzeiten.

Die Baustelle an der Ermlandstraße ist international besetzt. Bei der Begehung mit dabei sind neben Bauleiter Aleweld unter anderem Renato Furegati, Geschäftsführer des schweizerischen Unternehmens Steko, das die Holzelemente produziert. Weiter mit dabei – und ebenfalls Schweizer – Wolfgang März, der hier für Steko und die Woodhousing AG aus Langgöns nahe Gießen für die Koordination zuständig ist.

Module um einen Innenhof

Der Bauleiter erklärt: Kernstück des verwendeten Wandsystems ist ein Modul aus Grobspanholz, das sich zu ganzen Wänden zusammenstecken lässt. Die einzelnen Module werden durch einen speziellen Steckverbund miteinander gekoppelt. Hergestellt werden die Teile in Estland, von dort auch angeliefert und vor Ort von estnischen Arbeitern zusammengesetzt.

Im Ergebnis soll das dann so aussehen: Das Dorf besteht aus vier zweigeschossigen Flachdach-Gebäuden mit je acht Wohnmodulen – sowohl für Familien und Wohngruppen wie auch für Einzelpersonen. Die vier Wohneinheiten sind über einen Innenhof zu erreichen – „so schaffen wir Distanz und Nähe zugleich.“ Das Atrium-Prinzip habe sich schon in anderen Flüchtlingsanlagen bewährt. Insgesamt wird die Siedlung 3000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassen. Angeordnet sind die Häuser fächerartig um ein Innenareal.

Vom ehemaligen Bestand des Tennisvereins sind ist noch das Klubhaus und eine Halle übrig geblieben. „Der Rest ist planiert.“ Konkrete Pläne für die spätere Nutzung dieser Gebäude stehen noch aus. Sicher sei nur, dass sie den Bewohnern unter anderem für Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen sollen. Denkbar sei für das Klubhaus auch eine Hausmeisterwohnung. Schließlich wird es an der Zufahrt zum Areal noch ein Versorgungsgebäude geben, über das die Siedlung mit Strom, Wasser und Wärme versorgt wird. Außerdem kann hier später auch ein Wachmann untergebracht werden.

Die Wohnungen, erklärt der Bauleiter, werden per Wärmepumpen beheizt. „Die Dämmung ist überdurchschnittlich gut.“ Die Mehrkosten für die Heizung würden sich nach sechs, sieben Jahren amortisiert haben. Im Rahmen der Dreischeiben-Fenster sind zudem kleine Öffnungen eingelassen, die zusammen mit einem permanent laufenden Ventilator im Badezimmer für genügend Umluft gegen hohe Feuchtigkeit sorgt.

Zu den Gesamtkosten lässt sich Heribert Aleweld lediglich ein „einstelliger Millionenbetrag“ entlocken, was er dann aber doch noch mit „so zwischen drei und sieben Millionen Euro“ präzisiert. Man müsse aber bedenken, dass das Projekt mit 75 bis 80 Prozent der Kosten für Massivbauweise sehr günstig liege. „Günstig gebaut heißt schließlich auch, dass man die Wohnungen bei späterer Folgenutzung auch günstiger vermieten kann.“ Zumal die Häuser an der Ermlandstraße wie gesagt recht einfach wieder zerlegt und an anderer Stelle aufgebaut werden könnten.

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