Villen ohne Denkmalschutz Neue Häuser verändern Parkallee in Bremen

Auch die Bremer Prachtstraße kann sich Veränderungen nicht entziehen: Villen ohne Denkmalschutz und Einfamilienhäuser werden verschwinden, sobald Investoren sie kaufen können.
19.02.2018, 18:42
Lesedauer: 3 Min
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Neue Häuser verändern Parkallee in Bremen
Von Timo Thalmann

Nicht nur in der Innenstadt wird sich in naher Zukunft das Stadtbild verändern. Auch in besonderen Lagen der Stadt, wie etwa der Parkallee, wird derzeit „die Silhouette der Straße umgestaltet“. So formuliert es Thomas Thurow von der TT Projekt GmbH. Allerdings geschieht das ohne Masterplan. Verschiedene Projektentwickler und Bauunternehmer sind daran beteiligt. Thurow ist nur einer von ihnen. Auf einem rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen den Hausnummern 201 und 233 sind sie unabhängig voneinander tätig.

Stets sind dabei vorhandene, ältere Gebäude abgerissen worden. An ihre Stelle rücken sogenannte Stadtvillen. Sie wirken nur äußerlich wie eine freistehende Villa, bieten aber meistens sechs bis acht Eigentumswohnungen. Für Thurow ist das an dieser Stelle eine angemessene Architektur. „Die Parkallee war schon immer eine exklusive Adresse. Mehrgeschossige, großzügige Wohngebäude im gehobenen Stil passen hier gut hin“, sagt der Immobilienkaufmann.

Wie das aktuell aussieht, kann man an der 2016 fertiggestellten Parkallee 227 sehen: drei Stockwerke plus Erdgeschoss, wobei die oberen zwei Etagen in ein vergleichsweise steiles Walmdach integriert sind. Dadurch wirkt das Gebäude niedriger. Dazu eine weiße Fassade, bodentiefe Fenster, einige Säulen und Stuckelemente. So lassen sich sieben Wohnungen mit jeweils über 100 Quadratmeter unterbringen. Gebaut wurde das Haus von der eigens dafür vom Unternehmer Kemal Dogan gegründeten Parkallee 227 Projekt GmbH. Thurows Projekt in der Parkallee 233 sieht auffallend ähnlich aus, mit einem fast identischen Wohnungszuschnitt. Auch hier bestimmen weiße Fassade, bodentiefe Fenster sowie Säulen und Stuckelemente das Äußere. Dem Vernehmen nach soll Dogan als Bauherr der Nummer 227 über die augenscheinliche Kopie seines Objekts ziemlich verstimmt sein.

„Der architektonische Gestaltungsspielraum hier ist aber nun mal eng“, sagt Thurow. Weil entlang der gesamten Parkallee kein Bebauungsplan existiert, ist jedes Vorhaben einzeln mit dem Bauressort abzustimmen. Entscheidend ist daher der Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Danach müssen sich neue Gebäude in so einem Fall „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“.

Allerdings verändert sich mit den Neubauten gerade diese Eigenart. Die großen Einfamilienhäuser und Villen ohne Denkmalschutz verschwinden. „Vor allem Objekte aus den 50er bis 70er Jahren sind gefährdet, wenn man es so ausdrücken will“, sagt Jens Lütjen, geschäftsführender Gesellschafter des Immobilienunternehmens Robert C. Spies. Das vergleichsweise langsame Tempo in der Parkallee sei den Eigentümerstrukturen geschuldet. „Wir finden hier fast durchgehend selbst genutzten Wohnraum“, sagt Lütjen. Erst wenn die Besitzer sterben und Erben die Objekte verkaufen, gibt es für Investoren Gelegenheit zu Neubau und Verdichtung.

Denn das ist nahezu unweigerlich mit den Projekten verbunden. „Bei dem Niveau der Grundstückspreise geht das nicht anders“, bekräftigt auch Thurow. Für seinen geplanten 800-Quadratmeter-Neubau wurde ein 250-Quadratmeter-Einfamilienhaus aus den 50er Jahren abgerissen. Damit wird das über 1000 Quadratmeter große Grundstück bis zur heute erlaubten Grenze ausgenutzt. Der für die Parkallee Anfang des 20. Jahrhunderts verfügte Abstand von zehn Metern zwischen Gebäude und Straße ist schon lange nicht mehr der Maßstab.

Käufer müssen hier für einen Neubau inzwischen ab 5000 Euro pro Quadratmeter anlegen. Damit hat sich der Preis in gut zehn Jahren verdoppelt. Aber es gibt eine Klientel für diese Objekte. „Das ist der gut situierte Teil der Generation 50plus, die das freistehende große Haus aufgibt, nachdem die Kinder ausgezogen sind“, beschreibt es Lütjen. Viele wollten dabei von Randlagen wieder näher an die Innenstadt ziehen. „Diese Käuferschicht bringt hohe Ansprüche mit und hat wenig Lust auf architektonische Experimente“, ergänzt Jost Paarmann von Plankontor Bremen. Der Architekt wird an der Hausnummer 201a seine sechs Eigentumswohnungen daher ebenfalls in der inzwischen typischen modern-klassizistischen Gestaltung errichten.

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