Club zu Bremen als Vermieter Neue Leitung des Restaurants 1783

Kaum ein so gutes Restaurant ist so unauffällig gelegen. Doch wer sich auskennt oder hartnäckig sucht, findet den goldenen Bremer Schlüssel und die Jahreszahl 1783 des traditionsreichen Restaurants.
25.09.2016, 00:00
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Neue Leitung des Restaurants 1783
Von Antje Stürmann

Kaum ein so gutes Restaurant ist so unauffällig gelegen. Doch wer sich auskennt oder hartnäckig sucht, findet den goldenen Bremer Schlüssel und die Jahreszahl 1783 des traditionsreichen Restaurants.

Oben thront der Schütting, im Souterrain gibt es feines Essen. Das Restaurant 1783 gilt als eine der traditionellen und besten Adressen der Stadt. Kaum ein so gutes Restaurant ist jedoch so unauffällig gelegen.

Wer sich auskennt oder hartnäckig sucht, findet den zarten goldenen Bremer Schlüssel und die Jahreszahl 1783. Sandsteinstufen führen hinab in die Renaissance-Gewölbe des Schütting. In den unterirdischen, stilvoll eingerichteten Räumen herrscht gediegene Ruhe. Sie sind gepachtet vom Club zu Bremen, der an den Betreiber vermietet. Eine Clubgastronomie, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Inhaber, so wünscht es der Vorstand, soll eine gepflegte Gastlichkeit mit „guter, gehobener Küche und einem umsichtigen Service“ anbieten. Bisher erfüllt Ex-Sterne-Koch Arnd Feye diesen Wunsch. Ab 4. Oktober übernimmt der 29-jährige Marcel Mundt. Koch bleibt Gordon Ott. Arnd Feye will sich künftig auf die Geschäftsführung im Ratskeller konzentrieren.

Mit seinem neuen Konzept will Mundt dem traditionsreichen Restaurant neuen Schwung verleihen. Es bekommt im Namen zur Jahreszahl 1783 den Untertitel „Wine and Dine“. Mundt möchte mehr als 30 offene Weine anbieten – vom Riesling bis zum Bordeaux, dazu klassische gehobene Bistro-Küche. Sashimi, Frikadellen vom Galloway-Rind, Kalbsleber mit Zwiebelmus und Chili-Apfel-Marmelade. „Wir wollen verschiedene internationale Richtungen verbinden und klassische Gerichte neu interpretieren“, sagt Mundt. Er selbst will im 1783 regelmäßig Weinproben leiten. Das Team bekommt Unterstützung von zunächst vier Kollegen. Den Mittagstisch soll es weiterhin von Montag bis Sonntag geben.

Rüdiger Hoffmann, Vorstand im Club zu Bremen, nennt Mundts Konzept „klug“ und in Bremen einzigartig. Es soll die Attraktivität des Restaurants vor allem für die Jüngeren steigern. Mundt, seit Januar bei Feye Restaurantleiter, könnte dafür der Richtige sein, denn es geht um seine Altersgruppe. Er freue sich auf die Bandbreite der Klientel zwischen den Gästen mit gehobenen Ansprüchen und den Touristen, die schick essen gehen und dabei einen Hauch Bremer Historie um sich haben wollen. Mundt ist fasziniert vom Club zu Bremen, „weil es ihn so lange gibt“ und weil sich im 1783 das Who’s who Bremens begegne.

1783 ist, so steht es in der Chronik, das Gründungsjahr des Club zu Bremen. Die Mitglieder befassen sich mit Naturwissenschaften, Kunst und Geschichte und sie pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Mit der neuen Satzung wurde 1783 aus dem bis dahin exklusiven Männerclub eine offene Mitgliederassoziation, in der alle gleichberechtigt sein und über die Belange der Gesellschaft mitbestimmen sollten.

In den 1920er-Jahren fusionierte der Club zu Bremen mit der Lesegesellschaft Museum, die als Keimzelle des Übersee-Museums gilt. „In Zeiten der Aufklärung riefen die Lesegesellschaften auf, sich nicht alles von der Kirche vorgeben zu lassen, sondern selber nachzudenken“, sagt Hoffmann. In diesen Zirkeln trafen sich Akademiker, Kaufleute, aber auch Geistliche und einige engagierte Freimaurer. „Sie haben sich vorgelesen“, so Hoffmann. Seefahrer und Kaufleute brachten von ihren Reisen ausgestopfte Tiere mit, Steine, Mineralien und Geschichten aus anderen Ländern. Vor dem Zweiten Weltkrieg traf sich der Club im Roseliushaus an der Böttcherstraße; 1954 bot die Handelskammer dem heimatlosen Club eine Aktenkammer unter dem Schütting an. Erster Gastronom nach dem Umbau war Helmut Schmidt vom „Grashoff“.

Die Zahl der Mitglieder ist von anderthalb Dutzend zu Beginn auf 1200 gewachsen. „Sie bilden den Durchschnitt der Bremer Gesellschaft ab“, sagt Rüdiger Hoffmann. Seit 2000 dürfen auch Frauen Mitglied sein. Im bordeauxroten Flur passiert der Clubchef die Galerie der Referenten. Schauspieler Christian Quadflieg ist dabei, Michael Berendt von der Hapag-Lloyd AG und Prinz Asfa-Wossen Asserate. Wer Mitglied ist, verrät Hoffmann nicht. Nur soviel: „Sie können davon ausgehen, dass alle traditionellen und alten Bremer Familien und Kaufleute dabei sind.“ Hinzu kommen Unternehmer und Wissenschaftler. Sie hören Vorträge, probieren Wein, diskutieren und philosophieren über die Probleme der Zeit, machen Exkursionen. Demnächst geht es zur Unionsbrauerei. Nach außen in Erscheinung treten wolle niemand. Dennoch: „Es gehört sich für einen guten Bremer, Mitglied im Club zu sein“, so der Kommunikationsberater.

Im Restaurant ist es vor allem der Bereich „Schwemme“, in dem ausschließlich Clubmitglieder zu Mittag oder zu Abend essen. Die „Herzkammer“ des Clubs ist die Kaffeestube. Dort tagt der Vorstand zwischen antiken Kaffeemühlen, dem Modell einer Kogge und schweren braunen Ledersesseln. „Nutzt der Club den Raum nicht, dürfen auch Nichtmitglieder darin feiern oder zu Abend essen“, so Hoffmann, der seit 2008 Vorsitzender ist. An manchen Tagen seien alle Räume belegt. Marcel Mundt will weiter dafür sorgen.

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