Baseball, Klettern, Skateboarding Neue Olympische Sportarten: Erwartungen in Bremen gedämpft

Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio werden in fünf neuen Sportarten Medaillen vergeben. Lokalen Verbänden und Vereinen eröffnen sich dadurch jedoch kaum Wachstumschancen.
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Neue Olympische Sportarten: Erwartungen in Bremen gedämpft
Von Jörg Niemeyer

Zum zweiten Mal nach 1964 wird Tokio vom 24. Juli bis 9. August 2020 Gastgeber für die Olympischen Sommerspiele sein. Mehr als 10.500 Aktive werden in 33 verschiedenen Sportarten starten – in so vielen wie nie zuvor. 2016 in Rio de Janeiro gab es 28 Sportarten. Japan als Ausrichterland für 2020 hatte dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) fünf Sportarten vorgeschlagen, die das Programm nach Zustimmung des IOC im August 2016 zum Rekordprogramm anwachsen ließen. Nun werden also auch im Baseball (Männer) und Softball (Baseball-Variante für Frauen), Sportklettern, Surfen, Skateboard sowie im Karate Medaillen vergeben.

Die Aufnahme ins olympische Programm bedeutet für die internationalen Sportverbände eine erhöhte finanzielle Förderung durch das IOC und auf nationaler Ebene mehr Geld vom für den Sport zuständigen Bundesinnenministerium. „Die nicht-olympischen Sportarten werden auch vom Bund gefördert“, sagt die Pressesprecherin des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Ulrike Spitz, „aber der Schwerpunkt liegt auf den olympischen.“ Außerdem sei die Wahrnehmung der Athletinnen und Athleten rund um Olympia so stark wie sonst nie.

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Die Teilnahme an Olympischen Spielen ist für Verbände wie für Aktive also eine lohnende Angelegenheit – auch deshalb, weil der DOSB das sogenannte Team Deutschland über all seine Kanäle bekannt macht. Das sollte eigentlich auch an der Basis des Sports, in den Landesverbänden und den Vereinen, für große Freude sorgen. Doch die fünf neuen olympischen Sportarten betreffend, sind die Erwartungen in Bremen eher gedämpft.

Bremen mit kleinem Anteil, dass Karate in Tokio zum Programm gehört

„Wir werden vielleicht ein bisschen besser wahrgenommen“, sagt Bremens Karate-Präsident Reiner Zimbalski, „aber selbst durch die Weltmeisterschaft 2014 in der ÖVB-Arena haben wir keinen Zulauf bekommen.“ Immerhin reklamiert Zimbalski für die Hansestadt jedoch einen kleinen Anteil daran, dass Karate in Tokio zum Programm gehört. Gäste aus dem Nationalen Olympischen Komitee von Japan hatten sich vor fünf Jahren in Bremen begeistert gezeigt von der WM. „Mit ausverkaufter Halle haben wir damals eine tolle Werbung für unseren Sport gemacht“, sagt Zimbalski.

Auch die Baseballer an der Weser erhoffen sich von Olympia keine Wunderdinge. „Es wird zwar ein größeres mediales Interesse geben“, sagt Olaf Stölting von der Bremer Turnvereinigung von 1877, „doch ohne deutsche Beteiligung an den Spielen erwarten wir nichts.“ Stölting, bei der BTV zweiter Vorsitzender sowie Trainer und Sprecher der Baseball-Abteilung, glaubt nicht, dass sein Verein im olympischen Glanz mitleuchten werde. „Damit müssen wir als Randsportart leben.“

Wesentlich zuversichtlicher klingt Ronald Hillebrand. Er ist zweiter Vorsitzender des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Bremen, und hier zugleich Kletterreferent. „Das Klettern und Bouldern hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom Nischen- zum Breitensport entwickelt“, sagt er. Seit 2015 gibt es in Bremen das neue Kletterzentrum des DAV, und seitdem sei die Anzahl der Mitglieder von 3400 auf etwa 5000 gestiegen. „Das wird in diesem Ausmaß nicht weitergehen, aber der olympische Status wird unseren Sport sicherlich weiter fördern“, sagt Hillebrand. Es sei gut möglich, dass der DAV während der Spiele in Tokio zum Public Viewing ins Bistro seines Kletterzentrums einladen werde.

Widerstände in der Skater-Szene

Im Surfen und Skateboard ist die Situation grundsätzlich anders. Jannik Dörr, Referent für Leistungssport im Deutschen Wellenreitverband (DWV), sieht derzeit keinen Sportler mit Wohnsitz in Deutschland, der sich für Olympia qualifizieren könnte. „Unsere Athleten sind Kinder von Auswanderern, die beispielsweise in Kalifornien leben“, sagt er. Und in der Skater-Szene ruft Olympia vereinzelt sogar Widerstände hervor.

„Es gibt inzwischen eine kleine Nolympia-Bewegung, die die Kommerzialisierung anprangert und Skaten bei Olympischen Spielen ablehnt“, sagt Hans-Jürgen Kuhn, Vorsitzender der Deutschen Skateboardkommission. Der Präsident des Landessportbundes Bremen, Andreas Vroom, sieht die Olympischen Spiele vor allem als große Bühne, die erhöhte Aufmerksamkeit sichert und der Motivation von Sportlern förderlich ist. Die Möglichkeit, dass ein Gastgeberland neue Sportarten vorschlagen kann, ist für ihn „eine gute Lösung, um nicht zu sehr in Traditionen zu verfallen“.

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