Özlem Görmez Heise informierte über gesetzliche Neuerungen Neue Pflegegrade – alte Sorgen

Tenever. Auf Türkisch und auf Deutsch informierte Özlem Görmez Heise vom Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien (ZIS) über Neues, das sich durch die Umstellung der Pflegegrade ergibt. Das Angebot im Zentrum für Bildung und Beratung (ZIBB) im Schweizer Viertel wurde gern angenommen.
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Von EDWIN PLATT

Tenever. Auf Türkisch und auf Deutsch informierte Özlem Görmez Heise vom Zentrum für Migranten und Interkulturelle Studien (ZIS) über Neues, das sich durch die Umstellung der Pflegegrade ergibt. Das Angebot im Zentrum für Bildung und Beratung (ZIBB) im Schweizer Viertel wurde gern angenommen.

Wer schon eine Anerkennung für eine Pflegestufe hatte, braucht sich um nichts zu kümmern, außer er fühlt sich nicht richtig eingestuft, erklärte die Fachfrau. Geändert hat sich die Höhe des Pflegeversicherungssatzes, der um 0,2 Prozent auf 2,55 Prozent angestiegen ist. Für über 23-Jährige ohne Kinder, inklusive sogenanntem Kinderlosenzuschlag, auf 2,8 Prozent.

Bei der Beurteilung zu einer Pflegestufe besteht der wohl größte Unterschied zum alten Pflegegesetz. Wurde ehemals begutachtet, welche Defizite bestehen, ist heute Grundlage einer Einordnung in eine Pflegestufe, was der Antragsteller oder Betroffene noch selbst leisten kann. Zudem musste bisher ein Arzt eine Rehabilitationsmaßnahme anstoßen, während heute das Verlangen des Pflegebedürftigen für den Antrag ausreicht, erklärt Özlem Görmez Heise den aufmerksamen Frauen. Eine dieser Zuhörerinnen pflegt ihren Mann, der eine Pflegestufe hat, eine andere einen ihrer Söhne, die anderen hören vorsorglich zu.

Pflegende Angehörige können zeitlich befristet ihre Werktätigkeit nun bis auf zehn Wochenstunden reduzieren. Das Prinzip, dass pflegende Angehörige etwa den halben Satz einer professionellen Pflege, wie zum Beispiel für eine Tagespflege, die zweimal wöchentlich beansprucht wird, aus der Pflegeversicherung bekommen können, bleibt.

Die Beurteilung in die Pflegestufen und Pflegeleistungen ist durchsichtiger geworden. Die Mobilität wird mit zehn Prozent bewertet, Kommunikation und psychische Probleme ergeben zusammen maximal 15 Prozent, die Selbstversorgung ist mit 40 Prozent Anteil wichtigstes Kriterium, die selbstständige Bewältigung von und mit krankheitsbedingten therapeutischen Anforderungen und Belastungen kann 20 Prozent ausmachen und der soziale Kontakt und die Tagesorganisation ergeben die fehlenden 15 Prozent. Werden insgesamt keine 12,5 Prozent bei einer Begutachtung erreicht, gibt es auch keine Pflegestufe.

Informationen rund um den Erstantrag an die Pflegeversicherung geben Krankenkassen, wobei nun das gesamte Familiensystem in den Blick rücken soll. Neu sind auch Ansprüche an die Pflegeversicherung, wenn keine dauerhafte Pflegestufe erreicht wird, aber zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt Pflege bis zu 26 Wochen erforderlich wird.

Hat ein Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen eine Pflegestufe festgestellt oder aberkannt, ist Widerspruch möglich. Özlem Görmez Heise macht eine Pause, die die Frauen für Fragen nutzen. „In der Türkei gibt es für über 65-Jährige eine Karte, die unter anderem zu freier Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln berechtigt, warum gibt es das hier nicht?“ „In der Türkei gibt es Geld für pflegende Angehörige. Wie ist es hier?“ „Was passiert, wenn Rente und Pflegegeld des Angehörigen zusammen für die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung nicht ausreichen?“

Die Sorgen um Angehörige sind in all diesen Fragen zu spüren, und auch die Umstellung macht den Umgang mit komplizierten Pflegegesetzen nicht einfacher.

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