Müllentsorgung

Neue Sortieranlage in Bremen

Bislang legen die Bremer gelben Säcke einen weiten Weg zurück, damit ihr Inhalt sortiert wird. Das könnte sich Ende des Jahres ändern.
16.01.2020, 21:45
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Neue Sortieranlage in Bremen
Von Eva Przybyla
Neue Sortieranlage in Bremen

Ihr Inhalt muss sortiert werden. Doch bevor das passiert, legen gelbe Säcke aus Bremen heute weite Strecken zurück. Mit der neuen Sortieranlage in den Industriehäfen könnte sich das ändern.

Patrick Pleul / dpa

In Bremen wird eine Sortieranlage für Verpackungsabfälle gebaut, die noch Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. Das haben die federführenden Unternehmen, die Nehlsen-Tochter Sortierkontor Nord und das zur Schwarz-Gruppe gehörende Entsorgungsunternehmen Prezero Recycling Deutschland, auf einer Infoveranstaltung für Anwohnerinnen und Anwohner mitgeteilt. Die Sortieranlage wird derzeit in den Industriehäfen in der Wilhelm-Karmann-Straße errichtet.

Die Kosten für den Bau belaufen sich laut Prezero und Sortierkontor Nord derzeit auf 40 Millionen Euro. Die Anlage soll den Inhalt gelber Säcke für das Recycling trennen – und das in großen Mengen: Die Anlage könne bis zu 150 000 Tonnen Verpackungsmüll im Jahr sortieren, sagte Prezero-Sprecher Tristan Merk auf der Veranstaltung. Sie könnte also den Müll von mehr als vier Millionen Bürgerinnen und Bürgern in Norddeutschland trennen.

Laut Merk wird die Anlage deshalb nicht nur die Inhalte der Bremer gelben Säcke aufnehmen, auch aus den Haushalten im niedersächsischen Umland sowie aus dem nördlichen Nordrhein-Westfalen könnten Verpackungsabfälle in die Industriehäfen geliefert werden. Bereits direkt zum Start könnte die neue Sortieranlage Thorben Meppelink zufolge ausgelastet sein.

„Die Branche hat schon im vergangenen Jahr danach geschrien“, sagte der Geschäftsführer von Sortierkontor Nord. Demnach seien viele Sortieranlagen bereits am Limit, die Ursache liegt laut Meppelink auch beim Verbraucher. Eine Sprecherin des Bremer Entsorgungsunternehmens Nehlsen bestätigte das. Als Gründe für den Bau der Sortieranlage nannte sie etwa, dass Verbraucher ihren Müll immer schlechter trennten. Ein weiterer Grund sei die wachsende Menge an Verpackungsmüll.

Trend zu mehr Verpackungen

Bundesweit zeigt sich dieser Trend klar: Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2017 mit deutschlandweit 18,7 Millionen Tonnen an Verpackungsabfällen den bisher höchsten Wert gemessen. Bremen erreichte 2017 ebenfalls den vorläufigen Höhepunkt, nach Angaben der Bremer Umweltbehörde fielen pro Einwohner 37,6 Kilogramm Leichtverpackungen an. Den Anstieg erklärt das Umweltbundesamt etwa mit der bundesweit steigenden Zahl von Single- und Zwei-Personenhaushalten, die kleiner portionierte Waren als große Haushalte kauften.

Auch aufwändig verpackte Nahrungsmittel, Getränke, Fastfood und bestelltes Essen sorgten für mehr Müll, dazu kommen die wachsenden Abfallmassen aus dem Online-Handel. Allein wegen des Verpackungsmülls sei die Sortieranlage aber nicht notwendig, erklärte Johanna Horzetzky. Für die Sprecherin des Dualen Systems Bellandvision liegt der Vorteil eher darin, dass Bremer Verpackungsmüll so weitaus kürzere Wege zurücklegen müsse.

Bellandvision ist das einzige duale System in Bremen, das gelbe Säcke im Stadtgebiet einsammeln und ihren Inhalt sortieren sowie recyceln lässt. Das Unternehmen beauftragt damit lokale Dienstleister – zukünftig womöglich auch Prezero und Sortierkontor Nord mit ihrer neuen Sortieranlage in Bremen-Nord. Bisher lässt Bellandvision den Bremer Verpackungsmüll laut Horzetzky im nordrhein-westfälischen Herten sortieren. Fällt mehr Abfall an, als die Sortieranlage in Herten fassen kann, muss der Müll sogar in noch entferntere Anlagen gebracht werden.

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Hoffnung auf geringere Transportwege

Von der neuen stadtnahen Anlage erhofft sich Horzetzky, dass beim Transport der gelben Säcke weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) anfällt. Ob Bellandvision wirklich in den Industriehäfen ihren Müll sortieren lassen wird, hängt nach Angaben der Unternehmenssprecherin jedoch von den Sortierqualitäten, -quoten und -preisen der neuen Anlage ab. Nach Angaben von Prezero-Sprecher Merk soll die neue Sortieranlage besonders in puncto Recyclingquoten auf dem neusten Stand sein. Demnach soll sie auch die für 2022 geplanten gesetzlichen Anforderungen des Verpackungsgesetzes erfüllen können.

Das Gesetz schreibt Entsorgungsunternehmen bestimmte Quoten für das Recycling von Abfällen vor. So müssen Verpackungen aus Aluminium und eisenhaltigen Metallen aktuell zu 80 Prozent recycelt werden, Verpackungen aus Kunststoff zu 58,5 Prozent. Die Quoten sollen 2022 erhöht werden. Wie hoch die Recyclingquote ausfällt, das beeinflusst auch die Sortierung davor. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit knapp 40 solcher Anlagen, wegen der gesetzlichen Anforderungen müssen einige Sortieranlagen aufgerüstet werden.

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