An der Jacobs University hat das Semester begonnen / Studium führt junge Menschen aus aller Welt nach Nord Neue Studenten auf dem Campus

Grohn. Die „Freshmen“ sind da. Gemeint sind die Studienanfänger der Jacobs University.
07.09.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von DORIS FRIEDRICHS

Die „Freshmen“ sind da. Gemeint sind die Studienanfänger der Jacobs University. Aktuell studieren rund 1200 junge Menschen aus 104 Ländern auf dem Campus. Zu den Neuankömmlingen gehört zum Beispiel Nouria Jantz-Naeem, die mit ihren 20 Jahren bereits einen außergewöhnlichen Lebenslauf vorweisen kann.

Bei ihrer Bewerbung für die Studiengänge Physik und Chemie reichten die Spalten für die Education History nicht aus, um all das, was Nouria Jantz-Naeem in ihrem jungen Leben schon in Sachen Bildung absolviert hat, aufs Papier zu bringen. Mit acht Jahren wanderte sie mit ihrer Mutter aus Deutschland aus. Dubai und Oman lauteten die Ziele, der Lufthansa-Mitarbeiterin. Ihren Vater, der aus Algerien stammt, habe sie nie kennengelernt. „Ich war in zehn Kindergärten und Schulen“, erzählt die junge Frau, die neben Deutsch und Englisch auch Französisch spricht.

„Arabisch kann ich verstehen und lesen, aber selber sprechen ist etwas anderes.“ Arabisch zu lernen sei für fünf Jahre auch auf den internationalen Schulen, auf denen sie war, verpflichtend. Für ihr Abitur kehrte sie 2010 nach Deutschland, genauer gesagt nach Eschwege in Hessen, zurück. „Meine Mutter wollte das. Das deutsche Abitur ist international besser angesehen.“ 2014 folgte noch einmal ein Auslandsjahr in Oman. Jetzt kam Nouria Jantz-Naeem auf dem Campus an, wo sie auch wohnt.

Drei Jahre dauert das Studium bis zum Bachelor. Aber warum überhaupt die Jacobs University und warum gerade Physik und Chemie? „Die Fächer machen mir Spaß. Das interessiert mich, weil es noch so viel zu erforschen gibt“, sagt die Studienanfängerin. Nouria hat sich bereits für vier Module aus ihren Pflichtfächern Physik und Chemie und außerdem aus Biotechnologie entschieden. Zusätzlich nimmt sie unter anderem noch an einem Französisch-Kurs teil.

„Jeder Studiengang an der privaten Universität ist transdisziplinär und flexibel aufgebaut“, heißt es seitens der Uni. Einzelne Studienmodule können die Studierenden nach persönlichen Interessen hinzuwählen. Erst im zweiten Jahr sind sie aufgefordert, ihre Schwerpunktdisziplin zu bestimmen. Im dritten Jahr müssen die Studenten ein Praktikum absolvieren und sich auf ihre Abschlussarbeit vorbereiten.

„Bei meiner Uni-Wahl hat mich das Konzept der Jacobs University überzeugt. Das gibt es sonst nirgendwo in Deutschland. Wenn man mal international gewohnt hat, dann will man auch weiterhin internationalen Kontakt, sonst ist es langweilig.“ Im Internet sei sie auf die Seite der Jacobs University gestoßen. „Ich wusste sofort, dass ich da hin will, das passte.“

Vor dem Semesterbeginn gab es eine Orientierungsphase. „Jeder hat außerdem einen Student-Advisor, der beispielsweise erklärt, wo die Bibliothek ist, wo man Wäsche waschen und in Bremen-Nord einkaufen kann, sowie einen Academic Advisor, der für die ganzen fachlichen Fragen zuständig ist. Man hat eigentlich kaum einen Grund, den Campus zu verlassen, aber ich möchte auch Bremen kennen lernen. Bei der Stadt-Tour habe ich mich sofort in Vegesack verliebt.“

Heimweh habe sie nicht, sagt sie, obwohl sie am ersten Tag auf dem Campus schon ihre Mutter vermisst habe. „Man hat aber sofort eine zweite Familie“, freut sich Nouria Jantz-Naeem. „Da sind Studenten von überall her. Da ist jeder für jeden da, so gibt es keine Zeit für Heimweh.“

Einen weiten Weg zum Studien-Standort hat Julius Nzaramba zurückgelegt. Der 20-Jährige kommt aus Akwanya in Ruanda und studiert an der Jacobs University Computer Science, unter anderem mithilfe eines Stipendiums aus dem Mastercard Foundation Scholars Program. An das Stipendium geknüpft ist die Erwartung, dass er nach seinem Studium nach Ruanda oder in einen anderen afrikanischen Staat zurückkehrt, sagt Julius.

Von der Jacobs University hat er durch Freunde erfahren. Nach einem Vorbereitungsjahr durch das Programm „Bridge2Rwanda“ hat er sich bei drei Universitäten beworben. Die Jacobs University wurde es schließlich. Seit dem 15. August lebt Julius Nzaramba bei einer Host Family in Grohn, die ihm auch geholfen hat, sich in Bremen-Nord zurechtzufinden. Dennoch hat er ein wenig Heimweh nach seiner großen Familie und vor allem nach seinen Geschwistern, die alle in Afrika studieren.

Sein Plan: Nach dem Studium will Julius Nzaramba nach Afrika zurückkehren und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Er hat die Absicht, sich für das Programm „Builders of hope in Africa“ zu engagieren, das die Schulgebühren bezahlt und versucht, Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig Bildung für Kinder ist. Bis es aber so weit ist, möchte er erst einmal Deutsch lernen. „Um hier Freunde kennenzulernen.“ Dazu beitragen sollen auch die Freizeitangebote auf dem Campus, die der junge Mann belegt hat: Basketball, Volleyball und Fußball.

Der Weg zur Jacobs University in Kilometern gerechnet ist für Catherine Schellstede wesentlich kürzer als für ihre aus dem Ausland stammenden Mitstudenten. Sie gehört zu den 26 Prozent Studierenden aus Deutschland und kommt aus Oldenburg. Bremen-Nord kannte sie bisher nicht. Zumindest von Vegesack hat Catherine Schellstede inzwischen schon ein wenig gesehen. Bei einer Schnitzeljagd mussten die Freshmen verschiedene Stationen wie das Bürgerhaus aufsuchen.

Für die 21-Jährige, die 2013 ihr Abitur gemacht hat und danach eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte, ist die Jacobs University die beste für das von ihr gewählte Studienfach – klinische Psychologie. „Die Uni ist bei den internationalen Rankings immer ganz weit oben.“ Ihre Erwartung an die kommenden drei Jahre bis zum Bachelor: Viele nette Leute aus verschiedenen Kulturen kennen zu lernen und noch offener für neue Dinge zu werden.

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