Großprojekt im Rembertiviertel Neue Wohnungen auf Bundesbank-Areal

Auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Bundesbank-Niederlassung im Bremer Rembertiviertel sollen bis zu 200 neue Wohnungen entstehen. Das ist der Plan eines Hamburger Investors.
21.11.2017, 18:30
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Neue Wohnungen auf Bundesbank-Areal
Von Jürgen Theiner

Das frühere Bundesbank-Gebäude an der Kohlhökerstraße wird abgerissen und einem Neubau weichen. Das hat der neue Eigentümer, der Hamburger Projektentwickler Evoreal, gegenüber dem WESER-KURIER angekündigt. Auf dem 7000 Quadratmeter großen Areal soll ein Wohnkomplex entstehen. Die beiden auf dem Grundstück bereits vorhandenen Mehrfamilienhäuser bleiben unangetastet.

Evoreal ist als Immobilienunternehmen erst wenige Jahre am Markt. Es gehört zu wesentlichen Teilen Benjamin Otto, Sproß der Hamburger Versandhandels-Dynastie Otto. Benjamin Otto hatte Evoreal 2009 gemeinsam mit einem weiteren Gesellschafter gegründet, seither wurden Bauvorhaben im Volumen von rund 130 Millionen Euro realisiert.

Exklusive Käufer- oder Mieterschicht

Größtes aktuelles Projekt ist ein Gebäudeensemble im Münchener Stadtteil Bogenhausen mit rund 290 Eigentumswohnungen. Finanzielles Volumen dort: rund 128 Millionen Euro. Dieses Kaliber dürfte die neue Bebauung des Bundesbank-Areals eher nicht erreichen, aber deutlich zweistellig wird der Millionenbetrag, den Evoreal-Geschäftsführer Frank Petersen in die Hand nimmt, sicherlich werden.

Immerhin hatte die Bundesbank allein für die Bestandsimmobilie im Rembertiviertel rund zehn Millionen Euro verlangt. „Wenn man sich vor das Grundstück stellt, denkt man schon: Extrem gute Lage“, schwärmt Petersen von der Fläche. In der Tat: Das ganze Umfeld hat ein vornehmes Gepräge.

Ärzte, Anwälte und Architekten betreiben nebenan ihre Büros und Praxen, sofort ist man auch in der feinen Contrescarpe mit ihren Villen und diplomatischen Vertretungen an den Wallanlagen. Ein Wohnprojekt inmitten einer solchen Nachbarschaft wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an eine exklusive Käufer- oder Mieterschicht wenden.

Grünflächenplanung gehört dazu

Eine Umgestaltung des Bundesbank-Gebäudes ist für Petersen keine Option. „Wir werden abreißen“, kündigt der Evoreal-Geschäftsführer an. Die Beseitigung der Bestandsimmobilie dürfte kein ganz einfaches Unterfangen werden. Nicht nur, dass die Kohlhökerstraße eine schmale Gasse und für Schwerlastverkehr schwer zugänglich ist – das Bundesbank-Gebäude ragt ziemlich weit ins Erdreich.

Dort befindet sich eine Tiefgarage und noch darunter eine Technikzentrale. In den Kellerregionen gibt es außerdem einen Luftschutzbunker und einen massiv gesicherten Tresorraum. Zur Gestaltung des Neubaus gibt es noch keine konkreten Vorstellungen. Sie sollen im ersten Halbjahr 2018 im Zuge eines städtebaulichen Wettbewerbs entwickelt werden, auf den sich Evoreal und Baubehörde verständigt haben.

„Dazu gehört dann auch eine Grünflächenplanung, denn das Grundstück ist ja ziemlich riesig“, weiß Behördensprecher Jens Tittmann. Parallel will die Behörde bereits erste Schritte zur Änderung des Bebauungsplanes einleiten, der derzeit für das Quartier im Rembertiviertel gilt.

Städtische Infrastruktur ist vorhanden

Fachleute aus dem Haus von Bausenator Joachim Lohse (Grüne) gehen derzeit davon aus, dass das Areal – bei einer maßvollen Ausnutzung – Platz für ungefähr 150 bis 200 Wohneinheiten bietet. Gebaut würde wahrscheinlich in den Jahren 2020 bis 2022. „Wir denken bei solchen Projekten von der Planung bis zur Fertigstellung in Fünf-Jahres-Zeiträumen“, sagt Frank Petersen.

Der Präsident der Bremer Architektenkammer, Oliver Platz, hält eine Nachverdichtung des Gebietes rund um die Kohlhökerstraße im Volumen von bis zu 200 Wohneinheiten für verträglich. „Natürlich kommt dann ein ganzer Schwung zusätzlicher Bewohner, aber das kann das Quartier auffangen. Wenn man da jetzt durchfährt, hat man eher den Eindruck, dass da etwas mehr Leben sein könnte“, findet Platz.

Die umgebende städtische Infrastruktur sei vorhanden, „und wir wollen in Bremen ja schließlich, dass die noch vorhandenen Wohnraumpotenziale im Innenbereich auch genutzt werden“. Oliver Platz begrüßt die Ankündigung eines städtebaulichen Wettbewerbs. In einem solchen Verfahren könnten unter anderem planerische Leitplanken für die Bebauung an den Rändern des Areals und zur Gestaltung der Gebäudefassaden gesetzt werden.

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