Umsetzung soll mit vorhabenden Wasserstraßen realisiert werden / Siele und Gräben müssten ausgebaut werden

Neuen Plan gegen Versalzung gefasst

Brake. Bei der Suche nach einem neuen System der Zu- und Entwässerung für die mittlere und nördliche Wesermarsch zeichnet sich eine Lösung ab. Ziel ist es, dauerhaft ausreichend salzarmes Wasser aus der Weser zur Viehtränke und auch zur Gewässerökologie in die Marsch zu leiten.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Georg Jauken
Neuen Plan gegen Versalzung gefasst

Bei der Suche nach einem neuen System der Zu- und Entwässerung für die Wesermarsch zeichnet sich eine Lösung ab. Der neue „Generalplan Wesermarsch“ und die Deichbaumaßnahmen am Jadebusen waren die Themen beim Treffen von Karin Logemann (links), der Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz und Burchard Wulff. GJ·

Georg Jauken

Bei der Suche nach einem neuen System der Zu- und Entwässerung für die mittlere und nördliche Wesermarsch zeichnet sich eine Lösung ab. Ziel ist es, dauerhaft ausreichend salzarmes Wasser aus der Weser zur Viehtränke und auch zur Gewässerökologie in die Marsch zu leiten. Details sollen der Öffentlichkeit in Kürze präsentiert werden, kündigte Niedersachsens Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) bei einem Besuch in Brake an.

Dort hatte sie auf Einladung der Landtagsabgeordneten Karin Logemann (SPD) mehrere Stunden zusammen mit Vertretern der Wasser- und Bodenverbände, der Deichbände und des NLWK (Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) über den Deichschutz, vor allem jedoch über den sogenannten Generalplan Wesermarsch gesprochen.

Um die für dringend notwendig erachtete Deicherhöhung zwischen Tossens und Eckwarden sowie Dangast und Wapelersiel zu realisieren, werden Millionen-Beträge benötigt. Burchard Wulff, Verbandsvorsteher der Stadlander Sielacht und des I. Oldenburgischen Deichbandes, kritisierte deshalb die Senkung der Deichbaumittel ab 2016. Laut Staatssekretärin Kottwitz fällt ein Zuschuss der EU in Höhe von acht Millionen Euro weg, das Land Niedersachsen werde seinen Küstenschutzetat jedoch bei den bisherigen 62 Millionen Euro belassen. Wie viel von dem Geld in welches Projekt fließt, werde voraussichtlich Ende Februar entschieden. Beide Deichbaumaßnahmen in der Wesermarsch würden auf jeden Fall berücksichtigt, versicherte Kottwitz. Die Finanzierung der vom I. Oldenburgischen Deichband geplanten Deicherhöhung an der Weser zwischen Huntesperrwerk und Ranzenbüttel ab 2016 gilt bereits als gesichert.

Das zweite wichtige Thema des Treffens war daher der Plan gegen die Versalzung der Marschen. Ein dafür im Jahr 2011 entwickelter „Generalplan Wesermarsch“ war wegen der auf 86,7 Millionen Euro geschätzten Kosten wieder verworfen worden. Kurz darauf begann ein eigens gegründeter Planungsverband zusammen mit einem auf Wasserbau spezialisierten Ingenieurbüro mit der Suche nach Alternativen.

„Es liegt jetzt ein guter Plan vor“, glaubt Staatssekretärin Kottwitz, die schon als Abteilungsleiterin für Wasserwirtschaft und Bodenschutz zu Zeiten der Vorgängerregierung mit dem Problem vertraut war: Weil den Kühen Salzwasser nicht schmeckt und das Grundwasser ebenfalls salzig und daher unbrauchbar ist, verlassen sich die Landwirte in der großteils unterhalb des Meeresspiegels gelegenen nördlichen und mittleren Wesermarsch seit Jahrhunderten auf die Weser.

Über ein weitverzweigtes Kanal- und Grabensystem wird der Fluss angezapft, das Wasser verteilt und auch wieder abgeleitet. Seit Beginn der Diskussion um eine erneute Weservertiefung, damit moderne Schiffe mit größerem Tiefgang den Braker Hafen anlaufen können, sind die Landwirte alarmiert. Das Meerwasser aus der Nordsee würde Experten zufolge nach einer weiteren Ausbaggerung nämlich bis nach Brake in die Unterweser vordringen. Über das derzeitige Zuwässerungssystem mit Entnahmestellen in der Gemeinde Stadland drohe eine Versalzung der Weideflächen im Hinterland. Als Tränkewasser sei das Wasser dann unbrauchbar, warnten Viehzüchter.

Schon der ursprüngliche Generalplan sah vor, das Süßwasser künftig in Käseburg südlich von Brake aus der Weser zu entnehmen. Dabei soll es auch bleiben, erläuterte Burchard Wulff. Ab Käseburg soll das Wasser um die Mülldeponie herum in Richtung Norden geleitet werden. In Ovelgönne ist ein Stufenschöpfwerk vorgesehen, um das Wasser anzuheben. Von dort könne es sich dann über das Lockfleth und andere vorhandene Gewässer in die Fläche bis nach Butjadingen verteilen.

Der ursprünglich geplante neue Bewässerungskanal bis in den Norden des Landkreises wird nach diesem Plan nicht mehr gebraucht. Lediglich die vorhandenen Siele und Gräben müssten teilweise ausgebaut werden. Staatssekretärin Kottwitz sprach von einem Plan, „den wir mit vorhandenen Wasserstraßen und Gebäuden für 30 Millionen Euro realisieren können.“ Bis Ende 2017, hofft Kai Wienken vom NLWKN, den Plan bis zur Genehmigungsfähigkeit verfeinert zu haben. Danach sei ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Wenn auch eventuelle Klagen gegen das Projekt entschieden sind, könne mit dem Bau begonnen werden.

„Da alles auf europäischer Ebene ausgeschrieben werden muss, gehen wir davon aus, dass der Bau am Ende dieses Jahrzehnts realisiert werden kann“, sagte Wienken. Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz möchte bis dahin auch den Bund „ins Boot holen“. Ihr Ziel ist es, die bei einer erneuten Weservertiefung fälligen Kompensationszahlungen in das Projekt einfließen zu lassen. Denn die Eingriffe in die Natur, die mit beiden Vorhaben verbunden sind, müssen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Durch eine Zusammenlegung der Kompensation lasse sich mehr für Natur und Umwelt in der Region erreichen.

Bislang favorisiert der Bund allerdings die sogenannte Vermeidungslösung, wonach durch Umbauten an einer oder mehreren Entnahmestellen verhindert werden soll, dass sich der Salzgehalt im zugeführten Weserwasser nach der neuen Vertiefung erhöht. Burchard Wulff hält diese Variante für völlig unzureichend und beharrt auf dem Generalplan. Denn damit sollen auch bereits eingetretene Verschlechterungen durch frühere Weservertiefungen beseitigt werden.

Die Entscheidung über die umstrittene Weservertiefung erwartet Staatssekretärin Almut Kottwitz übrigens im Jahr 2017. Trotz der kritischen Haltung des Europäischen Gerichtshofs glaubt sie, dass die Vertiefung kommt. „Das Gericht hat durchblicken lassen, dass die Fehler, die gemacht wurden, behebbar sind.“

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