Galopprennbahn

Neuer Betreiber für die Rennbahn

Wirbel um die Zukunft der Galopprennbahn in Bremen: Die Wirtschaftsförderer haben sich mit einem Pferdehalter auf eine Zwischennutzung geeinigt. Der Rennverein als aktueller Betreiber ist irritiert.
22.08.2017, 19:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neuer Betreiber für die Rennbahn
Von Jürgen Hinrichs

Überraschende Wendung bei der Galopprennbahn: Es gibt einen neuen Betreiber, mindestens für das kommende Jahr. Er will die Bahn für das Training von Pferden benutzen und hat sich vertraglich verpflichtet, die Anlage zu pflegen. Der Rennverein ist damit zunächst einmal außen vor und fühlt sich von der neuen Entwicklung überrumpelt.

Einen weiteren Renntag wird es in diesem Jahr trotzdem geben. Termin ist der 22. Oktober. Auf der Rennbahn geht es weiter – das war die Schlagzeile am Sonntag im WESER-KURIER. Basis war eine Pressemeldung von German Racing, der Dachmarke des Galopprennsports in Deutschland.

„Trotz vieler Spekulationen und anhaltender Gespräche mit der Stadt über eine Zukunft nach der Kündigung des Pachtvertrages hat es der Bremer Rennverein geschafft, einen zusätzlichen Renntag in der laufenden Saison auf die Beine zu stellen“, hieß es in der Mitteilung.

Lesen Sie auch

Bisher hatte es auf der Bahn in der Vahr in diesem Jahr drei Rennen gegeben, nun kommt ein viertes hinzu. Für gewöhnlich sind es sechs Veranstaltungen pro Jahr, und auf Sicht sollte es durchaus eine Fortsetzung geben. Daniel Krüger, Vizepräsident des Bremer Rennvereins, wird von German Racing so zitiert: „Wir hoffen auf Zustimmung, die Rennbahn in Bremen am Leben zu erhalten und damit auch den deutschen Rennsport vor allem im Norden weiter zu fördern. Wir stehen zudem in Verhandlungen mit der Stadt für das nächste Jahr.“

Für den Vorstand überraschend

Nun scheint es aber so, als ob der Rennverein in unterschiedliche Lager gespalten ist. Das Zitat von Krüger deckt sich jedenfalls nicht mit den Vorgängen in der vergangenen Woche. Der Vorstand des Vereins hatte sich am Freitag mit der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) getroffen. In dem Gespräch ging es um den Renntag im Oktober, für den es monatelang keine Sicherheit gab, der jetzt aber steht.

Für den Vorstand überraschend, eröffnete die WFB dem Verein, dass sie einen Vertrag über die Zwischennutzung der Bahn abgeschlossen hat. Vertragspartner ist ein Gestütsleiter, der in der Vahr seine Pferde trainieren will. Der Mann ist Mitglied des Rennvereins, hatte dem Vorstand offenbar aber nichts von seinen Plänen erzählt.

Lesen Sie auch

„Wir waren wie gelähmt“, sagt Frank Lenk, Sprecher des Vereinsvorstands. Der Rennverein sei höchst irritiert darüber, dass die Stadt an ihm vorbei einen Vertrag über die Nutzung der Bahn abschließt. „Wir gingen davon aus, dass zuallererst der Verein gefragt wird.“ Vereins-Vizepräsident Daniel Krüger wusste offenbar nichts davon, welchen Weg die WFB gewählt hat, sonst hätte er sich nicht so optimistisch geäußert.

Weitere Rennen des Vereins nicht ausgeschlossen

Rechte an der Bahn wird der Rennverein bald nicht mehr haben. Ihm war von der Stadt zum Ende dieses Jahres gekündigt worden. Möglich wurde das, weil es in dem Vertrag eine Klausel gibt, wonach Bremen jeweils mit Frist zum Ende des folgenden Jahres auf das Gelände zugreifen kann, wenn es dort Häuser bauen lassen will und die parlamentarischen Gremien dazu verbindliche Beschlüsse gefasst haben. Das ist Ende vergangenen Jahres geschehen.

Lesen Sie auch

Für WFB-Geschäftsführer Michael Göbel ist der Rennverein mit der neuen Entwicklung mitnichten außen vor. „Ich habe den Eindruck, die Vereinsmitglieder müssen sich nur mal treffen und miteinander reden.“ Mit der Zwischennutzung durch den neuen Betreiber sei es ja nicht ausgeschlossen, dass der Verein weitere Rennen veranstaltet.

Wichtiger als diese Rennen ist der Stadt, das hat sie mehrfach bekundet, dass die Bahn mangels Pflege nicht verkommt. Dieses Ziel ist mit der Vereinbarung erreicht. Es gibt nach Darstellung von Göbel allerdings ein Sonderkündigungsrecht, falls die Baupläne für das Gelände zügig vorankommen und an einer Ecke der Fläche im Verlauf des kommenden Jahres bereits begonnen werden kann.

Bürgerinitiative sammelte Unterschriften

Die Golfanlage im Oval des Geläufs bliebe von solchen Arbeiten unberührt. Für die weiteren Pläne ist sie aber das entscheidende Hindernis. Der Golfclub besitzt einen unkündbaren Pachtvertrag bis zum Jahr 2034. Regeln ließe sich das nur mit Geld, auch wenn der Club mehrfach betont hat, das Gelände nicht verlassen zu wollen. Die Verhandlungen darüber laufen zurzeit, über den Stand wollte WFB-Geschäftsführer Göbel keine Auskunft geben. „Da ist striktes Stillschweigen vereinbart worden.“

Unterdessen hat am Dienstag eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung des Rennbahngeländes eine Liste von Unterschriften an Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) übergeben. Exakt 5019 Menschen haben sich gegen die Baupläne in der Vahr ausgesprochen. Die Bürgerinitiative erwägt jetzt nach eigenen Angaben ein Volksbegehren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+