Curata-Gruppe erhält Zuschlag

Neuer Betreiber übernimmt Seniorenresidenz

Ab diesem Freitag übernimmt die Curata Holding GmbH die umstrittene Pflegeeinrichtung in Huchting als neuer Betreiber. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht (WBA) hatte die Schließung der Einrichtung wegen massiver Mängel verfügt.
10.12.2015, 00:00
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Neuer Betreiber übernimmt Seniorenresidenz
Von Sabine Doll
Neuer Betreiber übernimmt Seniorenresidenz

Die Zwangsräumung ist abgewendet: Ab diesem Freitag hat die Seniorenresidenz Kirchhuchting einen neuen Betreiber.

Felix Frank

Am Schluss war es wie ein Krimi: Ab diesem Freitag übernimmt die Curata Holding GmbH mit Sitz in Düsseldorf die umstrittene Pflegeeinrichtung in Huchting als neuer Betreiber. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht (WBA) hatte Ende November die Schließung der Einrichtung wegen massiver Mängel in der Hygiene und der medizinischen Versorgung verfügt. Die Frist zur Räumung sollte am Donnerstag auslaufen. Erst am Nachmittag fiel die Entscheidung.

„Der Träger hat uns ein fachliches und ein Personalkonzept vorgelegt, das die Wohn- und Betreuungsaufsicht fürs Erste überzeugt hat“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Dazu gehörten eine neue, qualifizierte Pflegedienstleitung und eigenes Personal, das den Betrieb der Einrichtung mit rund 40 Bewohnern übernimmt.

„Die Wohn- und Betreuungsaufsicht wird den Träger besonders in der Anfangszeit sehr eng begleiten“, kündigte die Senatorin an. Nach Auskunft der Behörde soll dabei sichergestellt werden, dass das Konzept auch so umgesetzt wird, wie es auf dem Papier steht, sagte Stahmann-Sprecher Bernd Schneider. Mitarbeiter der Heimaufsicht seien ab Freitag in der Seniorenresidenz. Eine wesentliche Auflage sei, dass ein Teil des Pflegepersonals ausgetauscht werde, „weil die Qualifikation nicht ausreichend war“, betonte Schneider. Bei den Mängeln, die von der WBA unter dem alten Betreiber festgestellt worden waren, handelte es sich unter anderem um wiederholt beanstandete Wartezeiten bei Notrufen von bis zu 110 Minuten, fehlerhafte Medikamentenabgabe in fast allen überprüften Fällen, unzureichende Thromboseprophylaxe bis hin zur Möglichkeit einer lebensbedrohlichen Embolie.

Anfang dieser Woche hatten Angehörige und Bewohner gegen die Schließung und die drohende Zwangsräumung vor dem Rathaus protestiert und Stahmann eine Petition überreicht. Sie warfen ihr vor, die Bewohner kurz vor Weihnachten auf die Straße setzen zu wollen. „Wir sind wirklich erleichtert, dass der Betrieb weiter geht“, sagte Angehörigen-Sprecher Matthias Träger. „Den ganzen Tag über standen Möbelwagen vor der Residenz, weil die Bewohner damit gerechnet haben, dass sie ausziehen müssen. Das ist jetzt abgewendet.“

Der neue Betreiber war von dem alten Träger, der Mediko-Gruppe, ins Spiel gebracht worden. Sie hatte versucht, die Schließung abzuwenden. Mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht scheiterte die Mediko. Die Sozialsenatorin wirft der Gruppe vor, das Angebot zur Übergabe an die neu gegründete „Curata Seniorenresidenz Haus Huchting GmbH“ bis zuletzt zurückgehalten zu haben. Das habe „viel vermeidbare Unruhe“ in die Bewohnerschaft gebracht. „Hier wurde auf Kosten der Pflegebedürftigen taktiert. Das ist nun vorbei, darüber bin ich wirklich erleichtert“, sagte Stahmann. Rund 20 Bewohner sind inzwischen in andere Heime umgezogen, sie können nach Angaben der Behörde jetzt wieder zurückkehren.

„Die Mediko-Gruppe hat in der Vergangenheit Fehler gemacht, das muss man nicht schönreden“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Curata-Gruppe, Matthias Gülich. „Wir werden uns jetzt darauf konzentrieren, die Qualität zu verbessern.“ Bewohner, die bereits ausgezogen seien, könnten in jedem Fall zurückkehren. Darüber hinaus sollen bis zum 1. April aber zunächst keine weiteren aufgenommen werden, kündigte er an. Die Düsseldorfer Gruppe betreibt bundesweit bislang 16 Pflegeeinrichtungen mit mehr als 1400 Pflege- und Wohnplätzen.

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