Bremen-Nord Neuer Fahrplan für Kohlenzüge

Bremen-Nord. Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll es für die lärmgeplagten Anwohner der Eisenbahnstrecke durch Bremen-Nord eine Verbesserung geben.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Neuer Fahrplan für Kohlenzüge
Von Jürgen Theiner

Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll es für die lärmgeplagten Anwohner der Eisenbahnstrecke durch Bremen-Nord eine Verbesserung geben. Das Verkehrsressort des Senats hat erreicht, dass die Kohlenzüge zum Kraftwerk Farge dann nicht mehr in den frühen Morgenstunden unterwegs sind, sondern erst nach 6 Uhr – so wie es ursprünglich mal geplant war.

Nichts als Ärger mit den Kohlenzügen. Seit das Kraftwerk Farge im April die Anlieferung seines Brennstoffs vom Wasserweg größtenteils auf die Schiene verlagerte, hagelt es in den Nordbremer Ortsämtern und beim Verkehrssenator Proteste. Es geht um Lärm und Dreck. Vor der Aufnahme der Schienentransporte hatte der Kraftwerksbetreiber GDF Suez angekündigt, die Züge würden erst ab 6 Uhr morgens durch Bremen-Nord rollen. Doch das ist derzeit nicht der Fall. Die 280 Meter langen Gespanne, die täglich rund 3000 Tonnen Steinkohle nach Farge bringen, durchqueren den Stadtbezirk teilweise schon kurz nach 4 Uhr und stören die Nachtruhe der Streckenanwohner.

Damit soll in Kürze Schluss sein. In Gesprächen mit GDF Suez und den Streckenbetreibern Deutsche Bahn und Farge-Vegesacker Eisenbahn ist es dem Verkehrsressort gelungen, für die Kohlenzüge neue Zeitfenster zu arrangieren. „Die Fristen, um das hinzukriegen, waren eigentlich schon verstrichen“, so Verkehrsstaatsrat Wolfgang Golasowski im Gespräch mit dieser Zeitung. Hintergrund: Die Trassenzeiten für die verschiedenen Nutzer des Gleisnetzes werden viele Monate vor einem Fahrplanwechsel neu ausgehandelt. Nach Golasowskis Worten zeichnet sich nun jedoch ab, dass die Kohlenfuhren ab dem Fahrplanwechsel im Dezember zu anwohnerfreundlicheren Zeiten verkehren werden, sprich: nicht mehr vor 6 Uhr. In einer Pressemitteilung von GDF Suez wurde gestern Nachmittag aus der Tendenz bereits eine Tatsache. Darin hieß es: Die Kohlenzüge fahren künftig erst nach 6 Uhr am Rangierbahnhof in Walle Richtung Bremen-Nord ab.

„Nicht zufrieden zurücklehnen“

Für die drei Nordbremer Ortsamtsleiter ist das ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht die Lösung aller Probleme. „Ich finde das erst mal gut“, sagt Blumenthals Stadtteilbürgermeister Peter Nowack. Das Verkehrsressort des Senats habe wirklich etwas Positives für den Bremer Norden bewirkt. Nun gelte es, sich dem zweiten Ärgernis zuzuwenden, das die Anwohner der Bahnstrecke nervt: dem hohen Schadstoffausstoß der teils uralten Lokomotiven, die der Bahndienstleister Heavy Haul Power International für die Kohlenfuhren einsetzt. Nowack: „Da gäbe es zwei Möglichkeiten. Entweder man setzt schadstoffärmere Dieselloks ein, oder man verlängert die Stromtrasse bis zum Kraftwerk.“ Gegenwärtig endet das elektrifizierte Gleis am Farger Endhaltepunkt der Nordwestbahn. Auch Florian Boehlke, Nowacks Amtskollege aus Burglesum, begrüßt die aktuelle Entwicklung. „Wenn es schon der Transportweg Schiene sein muss“, so Boehlke, sei der Einsatz modernerer Triebfahrzeuge wünschenswert. Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt dosiert das Lob für GDF Suez am sparsamsten. „Letztlich macht der Stromkonzern jetzt endlich das, was er ursprünglich mal angekündigt hatte, nämlich nicht vor 6 Uhr zu fahren“, so Dornstedt. Aber: „Ich lehne mich deshalb nicht zufrieden zurück.“ Es bleibe die Belastung der Bahnanwohner durch die Rußschleudern von Heavy Haul Power International.

Kann Tempo 30 für den Güterverkehr auf der Schiene eine weitere Entlastung bewirken? Der Beirat Blumenthal hatte den Verkehrssenator vor einigen Wochen gebeten, dies rechtlich zu prüfen. Das Ergebnis soll dem Stadtteilparlament in Kürze mitgeteilt werden, kündigt Ressortsprecherin Brigitte Köhnlein an.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+