Schienen-Nahverkehr: Blumenthals Ortsamtsleiter Nowack kündigt Initiative an / Wirtschaftsrat geht voran Neuer Vorstoß für mehr Tarifgerechtigkeit

Bremen-Nord. Die Nordbremer Beiräte und Ortsämter wollen einen neuen Vorstoß unternehmen, um den Schienenverkehr in Richtung Innenstadt preiswerter zu machen. Das hat der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack auf der Mitgliederversammlung des Wirtschaftsrates Bremen-Nord (WIR) angekündigt. Hintergrund ist der Start der S-Bahn-Linie zwischen Farge und Hauptbahnhof im Dezember 2011.
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Neuer Vorstoß für mehr Tarifgerechtigkeit
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Die Nordbremer Beiräte und Ortsämter wollen einen neuen Vorstoß unternehmen, um den Schienenverkehr in Richtung Innenstadt preiswerter zu machen. Das hat der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack auf der Mitgliederversammlung des Wirtschaftsrates Bremen-Nord (WIR) angekündigt. Hintergrund ist der Start der S-Bahn-Linie zwischen Farge und Hauptbahnhof im Dezember 2011.

Parteiübergreifend beklagen Nordbremer Verkehrspolitiker seit Jahren, dass das Stadtgebiet im Schienenverkehr - anders als im Busnetz der BSAG - in zwei Tarifzonen zerfällt, nämlich Bremen-Stadt und Bremen-Nord. Wer aus dem Norden (Preisstufe II) in die Innenstadt will, zahlt dafür 2,85 Euro, während etwa die Zugverbindung von Mahndorf in die City bei vergleichbarer Streckenlänge 60 Cent günstiger zu haben ist. Diese Fahrt spielt sich nämlich innerhalb der Tarifzone Bremen-Stadt (Preisstufe I) ab.

Neue finanzielle Spielräume?

So weit, so ungerecht, jedenfalls aus Nordbremer Sicht. Eine Chance, dies zu ändern, ergibt sich aus Nowacks Sicht mit dem Start der durchgehenden S-Bahn-Verbindung zwischen Farge und Hauptbahnhof. Nach seiner Darstellung wird dieser Zweig des S-Bahn-Netzes eine vergleichsweise höhere Auslastung haben als andere Abschnitte im Großraum Bremen. Statt mit den entsprechenden Einnahmen die schwach frequentierten Teile querzusubventionieren, sollten die Mittel genutzt werden, um die Lücke zwischen den Preisstufen I und II innerhalb Bremens abzubauen.

Für diese Position erhielt Nowack im Wirtschaftsrat viel Beifall, zumal die Interessenvertretung von Handel, Handwerk und Industrie für die Sitzung am Donnerstagabend einen eigenen Antrag vorbereitet hatte, der in die gleiche Richtung zielt. In dem einstimmig verabschiedeten Papier werden Senat und Bürgerschaft aufgefordert, "für den Nahverkehr in Bremen unter Einschluss von Bremen-Nord einheitliche Tarifverhältnisse herzustellen". Darüber hinaus müsse dafür gesorgt werden, dass mit Inbetriebnahme der S-Bahn "die noch vorhandenen Mängel beim ÖPNV in Bremen-Nord behoben werden".

Letzteres zielt vor allem auf die noch ausstehende Neustrukturierung des BSAG-Busliniennetzes. Bevor die Farge-Vegesacker Eisenbahn im Dezember 2007 loslegte, hatten die Planer der BSAG eine geänderte Streckenführung für die Buslinien 71 und 75 erwogen, die ja in einigen Abschnitten nah am Schienenstrang verlaufen. Die Busse, so die Überlegung, könnten verstärkt Quartiere anfahren, die derzeit durch den ÖPNV noch nicht optimal erschlossen sind. Schließlich wurde jedoch entschieden, mit dieser Anpassung bis zum Start des S-Bahn-Systems zu warten.

Ob der neuerlichen Initiative aus Bremen-Nord Erfolg beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Im Verkehrsressort von Senator Reinhard Loske (Grüne) wurde sie gestern reserviert aufgenommen. Eisenbahn-Experte Christian Weiss enthielt sich jeder politischen Bewertung, trat aber Nowacks Behauptung entgegen, es täten sich neue finanzielle Spielräume auf.

Laut Weiss ändern sich mit dem Start des S-Bahn-Betriebs zwar die Finanzbeziehungen zwischen Betreibern und Bestellern des schienengebundenen Nahverkehrs, doch dieser Systemwechsel sei eher technischer Natur.

"Die Bilanz bleibt gleich", betonte der Eisenbahnfachmann des Bremer Verkehrsressorts. Und um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, fügte er hinzu: "Die Schlussfolgerung, es sei mehr Geld vorhanden, ist falsch."

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