Erste Einrichtung in Bremerhaven

Eingecheckt im Katzenhotel

Sei März gibt es in Bremerhaven das Katzenhotel Gismos Inn. Die Einrichtung will die Tiere artgerecht betreuen, wenn die Besitzer im Urlaub oder Krankenhaus sind.
10.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Eingecheckt im Katzenhotel
Von Maurice Arndt
Eingecheckt im Katzenhotel

Damit die Katzen sich wohlfühlen und viel Abwechslung haben, gibt es in dem Hotel viele Klettermöglichkeiten und Rückzugsorte.

Florian Sulzer

Als Lilly, Lucky und Ivy am Donnerstag, 11. März, in ihr Hotel einchecken, ist das eine Premiere. Für die Gäste, aber auch für Ute Kellmer und Tatjana Rusch, den Inhaberinnen des Hotels Gismos Inn in Bremerhaven. Lilly, Lucky und Ivy sind drei Katzen und die ersten Bewohner des ersten Katzenhotels der Seestadt.

Nur einen Tag vorher wurde das nach Ruschs ehemaliger und Kellmers aktueller Katze benannte Hotel offiziell eröffnet. „Wir hatten nicht damit gerechnet, so schnell unsere ersten tierischen Gäste zu begrüßen zu können“, sagt Tatjana Rusch. Die 50-jährige Tierärztin hatte die Idee zu der, laut eigener Aussage, in Bremerhaven einmaligen Einrichtung.

In der Seestadt gebe einen großen Bedarf für ein Katzenhotel, weil viele Tiere aufgrund der Siedlungsstruktur keinen Freigang hätten. Verreise eine Familie oder müsse ein Besitzer oder eine Besitzerin ins Krankenhaus, sei das für die Stubenkatzen sehr belastend. Selbst wenn zweimal am Tag jemand zum Füttern käme, ändere das oft nicht viel, sagen Kellmer und Rusch. Den Tieren fehle Abwechslung. Ausschlaggebend dafür, diesem Problem entgegenzutreten, war für Rusch eine Katzensitterin, die sich um eine Diabetiker-Katze kümmerte. Die Katze sei derart verschreckt und die Sitterin überfordert gewesen, dass die Tierärztin regelmäßig telefonisch habe helfen müssen. „Für mich war klar: Da braucht es eine professionelle Anlaufstelle“, sagt Rusch.

Katzenhotel Gismos Inn

Tierärztin Tatjana Rusch (l.) und Ute Kellmer haben das Katzenhotel gegründet.

Foto: Florian Sulzer

Als eine Wohnung im Gebäude ihrer Praxis und ihrer Privatwohnung frei wurde, habe sie die Chance ergriffen und gemeinsam das Hotel mit Ute Kellmer gegründet. Die beiden Gründerinnen kennen sich schon lange: Kellmer ist die Schwägerin von Ruschs Schwester. Beruflich hat sie als Stationshilfe in der Geriatrie nicht mit Tieren zu tun. Ehrenamtlich kümmert sich die ebenfalls 50-Jährige um Futterstellen in der Stadt, mit denen streunende Katzen zur Kastration angelockt werden sollen.

Im Gismos Inn teilen sich Kellmer und Rusch die Arbeit mit einer weiteren Kollegin aus dem Praxisteam von Tatjana Rusch. „So ist regelmäßig jemand da, etwa, um die Tiere zu füttern“, sagt die Tierärztin. „Manchmal sitze ich hier mehrere Stunden und spiele mit den Katzen“, sagt Kellmer, die auch regelmäßig Videos der Hotelbewohner an ihre Besitzer schickt. Einen Livestream gibt es nicht: „Den Katzen wäre das egal. Für Besitzer könnte das aber zu stressig sein, gerade wenn sie im Krankenhaus sind.“

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Dort ist derzeit auch die Besitzerin von Lilly, Lucky und Ivy. Nicht schlimm für die drei Katzen: Sie fühlen sich sichtlich wohl in ihrem Hotelzimmer. Das Zimmer ist artgerecht eingerichtet. Die Wände sind vollgestellt mit Regalen, Treppen und Leitern, um Katzen wie Ivy und Lilly viel Raum zum Klettern zu geben. Teppiche, Holz und Katzentaschen sorgen für warme Flächen und Rückzugsräume, die derzeit vor allem von Bewohner Lucky beansprucht werden. Tageslichtlampen und synthetische Pheromone sollen zusätzlich zur Entspannung der Tiere beitragen.

Die drei derzeitigen Bewohner haben ihre Unterkunft in den beiden mintfarbenen Zimmern. Insgesamt gibt es vier Räume mit verschiedenen Namen und je zwei Zimmern. Platz ist offiziell für 15 Katzen, maximal könnten es 25 Tiere sein – aber das nur für den Fall, dass Katzen behördlich etwa aus einem Messihaushalt geholt werden müssten. Geplant wird mit maximal zehn Katzen. „So haben wir die Möglichkeit zu reagieren, falls sich Tiere nicht verstehen“, erklärt Rusch.

Katzenhotel Gismos Inn

Katze Lilly ist eine der ersten Hotelbewohnerinnen.

Foto: Florian Sulzer

Eine Nacht in dem Hotel kostet 16 Euro pro Tier, „plus minus – je nachdem, wie viele Katzen abgeben werden und ob auch eine medizinische Pflege notwendig ist“, sagt Tatjana Rusch. Teurer als 20 Euro werde es nie.

Bevor die Katzen ihre Zimmer beziehen, müssen sie einen Gesundheitscheck und Impfungen nachweisen oder in Ruschs Praxis durchführen lassen. Zusätzlich werden sie am Tag des Einzugs untersucht. Wichtig ist für Rusch auch ein persönliches Gespräch mit den Besitzern. „Wir müssen die Katzen einschätzen können, damit nicht zwei Tiere in einem Zimmer sind, die sich nicht verstehen.“

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Bei Lilly, Lucky und Ivy ist das kein Problem. „Unser aktuelles Trio ist sogar entspannter, als es in den eigenen vier Wänden wäre“, sagt Kellmer. Das habe die Besitzerin bestätigt. Ewig sollen die Tiere aber nicht in dem Hotel bleiben. Rusch hat bereits in ihrer zweiten Praxis bei Harburg Erfahrung mit der Aufnahme und Betreuung von Tieren gemacht. Sie meint: „Ab einem halben Jahr Aufenthalt würde ich mich fragen, warum sie nicht zurückkönnen. Da muss man dann möglicherweise andere Lösungen finden.“

Zudem ist der Platz auch begrenzt und andere Tierhalter wollen ebenfalls gerne ein Zimmer für ihren Kater oder ihre Katze. Sobald Reisen wieder möglich sind, rechnen die Hotelbesitzerinnen mit einer großen Nachfrage. „Viele haben sich während der Pandemie ein Tier zugelegt. Bereits jetzt haben wir einige Anfragen für die Zeit zwischen Juli und September“, sagt Rusch. Und es habe auch Anfragen von Menschen gegeben, die ehrenamtlich bei der Katzenbetreuung helfen wollen.

Info

Zur Sache

Katzenpensionen in Bremen und umzu

In der Stadt Bremen gibt es bereits seit längerem ähnliche Einrichtungen wie das Gismos Inn. Katzenpension heißen die Hotels hier, von denen es mindestens fünf gibt. Im Stadtgebiet gibt es die Pension von Tierärztin Christine Menges, die in Bremen-Osterholz angesiedelt ist. Weitere Katzenunterkünfte bieten die Kleintierpraxis Uphusen, das Tierparadies in Ganderkesee, First Class in Stuhr sowie Cat's Palace in Osterholz-Scharmbeck. Neben Katzenpensionen gibt es in der Umgebung auch Unterkünfte für andere Tiere. Vor allem Unterbringungen für Hunde und Pferden sind in der Region verbreitet.

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