In der Gasthausbrauerei Schüttinger wurde diese Woche das erste „Ale No. 2“ mit Gröpelinger Hopfen gebraut

Neues Bier aus Bremen nach alter Tradition

Wie wohl das Bier geschmeckt hat, das im Mittelalter in Bremen gebraut wurde? Diese Frage beschäftigt Brauingenieur Markus Freybler schon seit längerem. Gemeinsam mit Braumeister Palle Jensen vom Schüttinger und Michael Scheer vom Urban-Gardening-Projekt „Gemüsewerft“ hat er jetzt mit Bremer Hopfen ein Bier nach alter Tradition gebraut. In etwa vier Wochen kann es probiert werden.
02.10.2014, 00:00
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Von Anne Gerling
Neues Bier aus Bremen nach alter Tradition

Palle Jensen (links) und Markus Freybler geben den Gröpelinger Hopfen in der Gasthausbrauerei Schüttinger in die Sudpfanne.

Roland Scheitz

Wie wohl das Bier geschmeckt hat, das im Mittelalter in Bremen gebraut wurde? Diese Frage beschäftigt Brauingenieur Markus Freybler schon seit längerem. Gemeinsam mit Braumeister Palle Jensen vom Schüttinger und Michael Scheer vom Urban-Gardening-Projekt „Gemüsewerft“ hat er jetzt mit Bremer Hopfen ein Bier nach alter Tradition gebraut. In etwa vier Wochen kann es probiert werden.

In der Gasthausbrauerei Schüttinger nahe der Böttcherstraße wird demnächst ein ganz besonderes Bier ausgeschenkt: Dort wurde diese Woche das „Ale No. 2“ gebraut – ein Bier aus Bremen mit Aromahopfen aus Bremen.

Mit Markus Freybler, Palle Jensen und Michael Scheer stehen hinter dem Projekt – natürlich drei Bremer: Im April hatte Brauingenieur Markus Freybler aus Findorff die Idee, hierzulande Hopfen anzubauen und daraus in seiner Bremer Braumanufaktur ein Bier für Bremen zu kreieren. Mit Michael Scheer, Geschäftsführer der Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB), die in Gröpelingen das Urban-Gardening-Projekt „Gemüsewerft“ betreibt, fand Freybler einen hoch motivierten Kooperationspartner. Vier unterschiedliche Hopfensorten namens Tettnanger, Saphir, Hallertauer Perle und Cascade haben die beiden im Mai auf dem Gröpelinger Gelände angepflanzt. Und pünktlich zur Hopfenernte gibt es mit dem Schüttinger-Braumeister Palle Jensen nun einen Dritten im Bunde, mit dem in den vergangenen Wochen an der perfekten Rezeptur für das Bier aus Bremen gefeilt wurde.

Obergäriges und fruchtiges Bier

„Bei diesem Bier steht der Bremer Hopfen im Mittelpunkt, und so haben wir um den Hopfen herum die Rezeptur entwickelt“, erzählt Palle Jensen und Freybler ergänzt: „Wir wollten ein Bier brauen, das so schmeckt, wie es vielleicht mal vor ein paar Hundert Jahren geschmeckt hat. Früher hat man nur obergärig gebraut, und dieses Verfahren passt auch gut zu unserem Hopfen. Unser Ziel war deshalb, ein obergäriges Bier zu brauen, das geschmacklich in eine fruchtige Richtung geht. Denn die Hopfensorte Cascade hat sehr fruchtige Aromen.“

Also habe man eine spezielle obergärige Bierhefe verwendet, beschreibt Palle Jensen: „Ich bin ein absoluter Fan dieser Hefe – das Bier wird schön rund werden.“

Gebraut wurde nach dem Reinheitsgebot – lediglich mit Malz, Wasser, Hefe und Hopfen. Geschmack und Haltbarkeit des Biers steuern dabei die Sorte und Menge des Hopfens. Aus sieben unterschiedlichen Kombinationen haben Freybler, Jensen und Scheer ihren Favoriten gewählt – und das Ergebnis war eindeutig: „Ich fand die Nummer 2 am besten, weil sie fruchtig ist, gut riecht und nicht zu aufdringlich war. Das ist meiner Meinung nach ein ausgewogenes Bier“, beschreibt Michael Scheer. Auch Freybler und Jensen entschieden sich ganz klar für die Test-Flasche Nummer 2, wodurch sich auch der Name des Bieres erklärt. Im englischen Sprachraum bezeichnet „Ale“ laut Freybler obergärige Biere.

Diese Woche wurde gebraut; der Prozess dauert etwa acht Stunden. Er beginnt damit, dass die Würze aus den Gröpelinger Hopfendolden in einem Kupferkessel ausgekocht wird. „Sudpfanne“ heißt das imposante Gefäß im Fachjargon. Später wird Hefe zugesetzt, die für den Gärprozess sorgt – der Zucker in der Würze wird zu Alkohol vergoren. „Wir haben 5,2 Prozent Alkohol angepeilt. Der genaue Wert wird in einer Laboranalyse ermittelt“, erklärt Palle Jensen, für den es eine „Premiere in vielfacher Hinsicht“ war: „Wir haben im Schüttinger das erste Mal mit Bremer Hopfen und nach eigenem Rezept gebraut. Es ist die erste Kooperation und unser erstes obergäriges Bier. Ich finde das sehr spannend“, sagt er.

Wenn in etwa vier Wochen die Nachgärung beendet ist, gibt es das Ale No. 2 zu probieren: Die – limitierten – 1500 Liter werden in Fässer und Flaschen abgefüllt. Dies geschieht in Handarbeit; 80 Halbliterflaschen kann Jensen pro Stunde befüllen, erzählt er – „wenn’s gut läuft!“ Zum Vergleich: Brauingenieur Freybler hat in seinem Beruf schon mit vollautomatischen Anlagen gearbeitet, in denen 100 000 Flaschen pro Stunde abgefüllt wurden.

Die Flaschen werden im Schüttinger serviert und nebenan im „Friesenhof“ gibt es das Ale No. 2 dann vom Fass. Freybler, der seit diesem Jahr die Biermarke „Hopfenfänger“ vertreibt, wird das Ale No. 2 nachbrauen und ab November in 0,3-Liter-Flaschen auf den Markt bringen. Seine Geschäftsphilosophie basiert auf dem Craft-Beer-Gedanken. Dieser Begriff umschreibt individuelle, handwerklich gebraute Biere, die es meist nur in kleinen Mengen gibt. „Ich glaube, als kleine Firma kommt man nur dann weiter, wenn man gemeinsam etwas macht“, ist er überzeugt.

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