Leuchtturm-Projekt oder Protz? Neues Bremer Kühne-Haus polarisiert

Als "Aufwertung für die Bremer City" lobt die FDP die Neubaupläne von Kühne+Nagel; die Linken ziehen Vergleiche zu einem Mausoleum - die Bremer Politik ist gespaltener Meinung, was das Kühne-Haus betrifft.
30.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Neues Bremer Kühne-Haus polarisiert
Von Jürgen Theiner

Als "Aufwertung für die Bremer City" lobt die FDP die Neubaupläne von Kühne+Nagel; die Linken ziehen Vergleiche zu einem Mausoleum - die Bremer Politik ist gespaltener Meinung, was das Kühne-Haus betrifft.

Die Pläne für den Neubau des Stammsitzes von Kühne+Nagel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke finden ein lebhaftes Echo. Akteure aus Politik und Verbänden haben sich am Freitag zu Wort gemeldet und sehr unterschiedliche Bewertungen abgegeben. Aus Sicht der Handelskammer „wertet das Projekt ein prominentes Eingangstor zur Bremer City in hanseatisch angemessener Form städtebaulich auf“. Damit füge sich das Vorhaben in das Innenstadtkonzept 2025 ein, das eine Weiterentwicklung des Büroimmobilien-Bestandes fordert. Die Entscheidung des Unternehmens für einen Neubau unterstreiche die Bedeutung des Logistik-Standortes Bremen, meint der Sprecher der Handelskammer, Stefan Offenhäuser.

Architektenwettbewerb bald zwingend?

Ganz ähnlich sieht man es bei den Liberalen. Die Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Lencke Steiner, geht davon aus, dass das Projekt mittelfristig neue Arbeits- und Ausbildungsplätze in Bremen schaffen werde. Steiner kann gut damit leben, dass es für das Design des Gebäudes keinen Architektenwettbewerb gab, denn: „Bremen kann es sich nicht leisten, dass durch Gängelung und übertriebene Anforderungen weitere Unternehmen abwandern.“

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Die Grünen im Beirat Mitte stimmen dem Bauvorhaben prinzipiell zu und „begrüßen auch den Investitionswillen von Kühne+Nagel in der Bremer Innenstadt“. Die Frage des Architektenwettbewerbs wird von den Grünen allerdings ganz anders beurteilt als von den Freidemokraten. Für ein Grundstück in exponierter Lage sei ein solcher Ideenwettstreit eigentlich unabdingbar. Gefordert wird deshalb, eine „Gesetzesänderung in die Wege zu leiten, die in Zukunft für solche Projekte einen Wettbewerb zwingend vorschreibt“.

Linke: "Neubau ist protzig und unsensibel"

Schroffe Ablehnung schlägt dem Bauherrn vonseiten der Linken entgegen. Für die baupolitische Sprecherin ihrer Bürgerschaftsfraktion, Claudia Bernhard, übertrifft der Entwurf „die schlimmsten Befürchtungen“. Das Design verströme „den Charme eines Mausoleums“. Gleichzeitig sei „der protzige Beton-und-Glas-Palast eine Kampfansage, mit der die Familie Kühne vor allem sich selbst feiert und demonstrativ über jede Kritik hinwegsetzt – sowohl an der fehlenden städtebaulichen Sensibilität des Vorhabens als auch an der unzureichenden Aufarbeitung der belasteten Firmengeschichte“, so Bernhard. Hintergrund: Die Firma Kühne+Nagel hatte in der NS-Zeit mit der Verwertung des Besitzes jüdischer Deportierter Geschäfte gemacht.

Auch das „Bündnis für eine grünes Bremen“ meldet sich zu Wort. Der Zusammenschluss von Umweltorganisationen, Architekten und Landschaftsarchitekten tritt seit Jahren dafür ein, dass Bremen entschlossener auf den Klimawandel reagiert. Das Bündnis fordert deshalb eine „innovative Bauwerksbegrünung“ für den Kühne+Nagel-Bau. Am neuen Tor zur Innenstadt müsse Bremen mehr städtebauliche Qualität wagen, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses.

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