Reform der Psychiatrien Neues Nachtcafé für Menschen in der Krise

Wer in einer psychischen Krise auf Unterstützung angewiesen ist, soll sie in Bremen künftig finden. Und zwar auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und schnell. 13 Modellprojekte sollen die dafür nötigen Strukturen bieten.
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Neues Nachtcafé für Menschen in der Krise
Von Antje Stürmann

Wer in einer psychischen Krise auf Unterstützung angewiesen ist, soll sie in Bremen künftig finden. Und zwar auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt und schnell. 13 Modellprojekte sollen die dafür nötigen Strukturen bieten.

Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) stellte am Montag sechs beispielhaft vor – von der nächtlichen Rufbereitschaft für ganz Bremen über den Einsatz von zusätzlichen Genesungsbegleiterinnen bis hin zu Konferenzen, bei denen Experten fach- und institutionsübergreifend nach Lösungen suchen. Das Land investiert in den Aufbau der Strukturen, zusätzliches Personal und in die Ausbildung von Genesungsbegleitern bis Ende 2017 rund 1,2 Millionen Euro.

Unter anderem will die Bremer Werkgemeinschaft in der Tagesstätte West (Walle) in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste (Gapsy) täglich von 19.30 Uhr bis 2.30 Uhr ein Nachtcafé anbieten – an 365 Tagen im Jahr, wie Geschäftsführer Lutz-Uwe Dünnwald sagt. Menschen in psychischen Krisen aus Mitte und West finden dort Kontakt und, wenn gewünscht, professionelle Unterstützung.

Die Gapsy bietet darüber hinaus spätestens ab Ende Januar wieder eine Rufbereitschaft für die Zeit zwischen 20.30 und 9 Uhr an, bis 3 Uhr fahren die Mitarbeiter zum Hausbesuch, so Geschäftsführerin Katrin Scherer. Der nächtliche aufsuchende Krisendienst des sozialpsychiatrischen Dienstes war im April aus Kostengründen eingestellt worden. Scherer betont: „Wir sind kein Ersatz für den Krisendienst.“ Nicht aufgestellt sei die Gapsy für Menschen, die sich selbst und andere gefährden. „Diese müssen wie bisher ins Krankenhaus.“ Zum neuen Kriseninterventionsteam gehören laut Scherer keine Ärzte oder Psychotherapeuten.

Erhöhung der Versorungsqualität

Es geht an die praktische Umsetzung der seit sechs Jahren diskutierten Psychiatrie-Reform im Land. Ziel ist bekanntlich, die ambulante Versorgung zu verbessern und so Klinikaufenthalte zu vermeiden. Außerdem sollen Psychiatrie-Erfahrene und ihre Angehörigen in die Therapie von Menschen in psychischen Krisen stärker einbezogen werden.

Zugleich will man Angebote in den Stadtteilen besser vernetzen, um den Menschen dort zu helfen, wo sie leben. „Mit den ausgewählten 13 Modellprojekten können wir die Versorgungsqualität erhöhen und eine ambulante, regionale Ausrichtung der Psychiatrie fördern“, ist Quante-Brandt überzeugt.

Genesungsbegleiter werden noch gesucht

Genesungsbegleiter spielen eine wichtige Rolle. Das Land finanziert zehn neue Stellen. Bislang wurden Genesungsbegleiter nur an Bremerhavener Kliniken eingesetzt: Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, die andere Menschen in seelischen Krisen unterstützen und Patienten begleiten.

In Bremen sollen sie gemeinsam mit Fachleuten des Ameos-Klinikums Dr. Heines den Patienten zum Beispiel beim Absetzen von Psychopharmaka helfen. Ihre Ausbildung, die Einbindung in die praktische Arbeit und ihr Coaching übernimmt der Verein Initiative zur sozialen Rehabilitation. Nach Angaben von Gabriele Ravenborg-Natur von der Inneren Mission sucht der Träger noch Genesungsbegleiter.

Fließender Übergang zwischen Klinik und Alltag

Die ambulanten Strukturen sollen laut Bernd Knies von der Initiative zur sozialen Rehabilitation auch verstärkt genutzt werden, um Menschen, die in geschlossenen Einrichtungen außerhalb Bremens untergebracht sind, wieder in die Stadt zu holen. Eine andere Aufgabe der vernetzten Arbeit ist es, für einen Fall verschiedene Geldtöpfe anzapfen zu können.

„Das ist in der Regel schwierig“, so Psychiater Wolfram Seibert vom Klinikum Ost. Trägerübergreifende Teams wollen im Bremer Osten die ambulante und die stationäre Arbeit besser verzahnen, sodass die Übergänge zwischen Klinik und Alltag für den Patienten fließend werden.

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