2019 fast 30.000 Besucher Neues Planetarium für Bremen gefordert

Der Leiter des Olbers-Planetariums setzt sich dafür ein, dass Bremen ein neues, größeres Planetarium bekommt. Die jetzige Sternenkuppel sei zu klein für das große Besucherinteresse, die Technik veraltet.
23.01.2020, 20:44
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neues Planetarium für Bremen gefordert
Von Sara Sundermann

„Bremen braucht ein neues Planetarium.“ Das sagt Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums, das sich auf dem Gelände der Hochschule Bremen in der Werderstraße befindet. Dort wird der Sternenhimmel auf eine sechs Meter große Kuppel projeziert, astronomische Phänomene werden erklärt.

Das Bremer Planetarium sei technisch veraltet und könne mit seinen 35 Plätzen der großen Nachfrage interessierter Besucher nicht nachkommen, argumentiert Vogel. „2019 haben wir erneut einen Besucherrekord aufgestellt: Mehr als 29.200 Besucher kamen ins Planetarium, wir hatten 1500 Veranstaltungen und sind an 365 Tagen im Jahr geöffnet“, sagt der Leiter. „Wir sind das bestbesuchte Klein-Planetarium in Deutschland.“ Die Besucherzahlen seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – 2009 besuchten rund 23.000 Menschen das Planetarium. „Wir haben das bestbesuchte Sechs-Meter-Planetarium in Deutschland.“

Lesen Sie auch

Das Planetariums-Team musste zuletzt schon vielen Interessenten absagen, weil die Kapazitäten nicht reichten, so Vogel. Er geht davon aus, dass das Potenzial deutlich größer wäre als derzeit umsetzbar: „Bremen könnte locker 50.000 Besucher pro Jahr ins Planetarium locken“, sagt er, und verweist auf eine Machbarkeitsstudie, die ein Wirtschaftsstudent zu diesem Thema vor ein paar Jahren angefertigt habe: „Der Student ging sogar von 60.000 bis 65.000 Besuchern aus.“ Der Physiker setzt sich für ein größeres und moderneres Planetarium ein. Ihm schwebt eine Projektionskuppel mit 10 bis 12 Metern Durchmesser und 70 bis 90 Plätzen vor. „Toll wäre zusätzlich eine Ausstellungsfläche, auf der man zum Beispiel Bremer Raumfahrt zeigen könnte.“

Zum Vergleich: Münster und Hamburg haben Großplanetarien mit einer 20-Meter-Kuppel und je 250 Plätzen. In Hannover gibt es ähnlich wie in Bremen ein Kleinplanetarium mit Sechs-Meter-Kuppel.

Das Planetarium als Wirtschaftsfaktor

„Bremen ist der größte Luft- und Raumfahrtstandort in Deutschland, es gibt hier ein großes Interesse für Astronomie“, sagt Vogel. „In einem größeren Planetarium könnte man das in der Außenwirkung besser darstellen.“ Der Planetariumsleiter hat für seine Pläne das Gespräch mit dem Senat gesucht. Prinzipiell sei die Stadt für die Idee aufgeschlossen, sagt Vogel. Es werde aber derzeit noch geklärt, bei welchem Senatsressort das Thema angesiedelt sein solle. „Wir sind der Wissenschaft, aber auch der Bildung sehr nah und sind dadurch, dass wir viele Touristen nach Bremen locken, auch ein Wirtschaftsfaktor.“

Ob Bremen ein neues Planetarium bekommen wird, ist noch völlig offen. Geklärt werden müssten neben einer Zusage des Senats auch Finanzierung und Standort. Für die Finanzierung zieht Planetariumsleiter sowohl EU-Fördermittel als mögliche Geldquelle in Betracht als auch Kooperationen mit Bremer Raum- und Luftfahrtunternehmen wie OHB oder Ariane Group aber auch mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Zu diesen Unternehmen und Zentren will Vogel nun in einem nächsten Schritt Kontakt aufnehmen und ihnen eine Zusammenarbeit vorschlagen. Wenn sich Raumfahrtunternehmen an der Finanzierung eines Planetariums beteiligen würden, könnten sie im Gegenzug ihre Arbeit in der Sternenkuppel oder in einer Ausstellung daneben präsentieren, so Vogel.

Lesen Sie auch

Das Planetarium wird bislang durch eine Kooperation von Bildungsbehörde und Hochschule getragen. Vogel ist der einzige hauptamtliche Mitarbeiter mit einer vollen Stelle, hinzu kommen zwei Kollegen mit geringerem Stundenumfang, zwei Bundesfreiwillige und mehrere ehrenamtlich arbeitende Studierende. Die insgesamt anderthalb festen Stellen für das Planetarium werden Vogel zufolge großteils durch die Bildungsbehörde, aber auch aus Einnahmen des Planetariums finanziert. Die Eintrittspreise bewegen sich zwischen 3,50 Euro und bis zu 5,50 Euro.

Schulen und Kindergärten kommen ebenso zu Besuch wie Touristengruppen und Einzelpersonen. Neben klassischen Aufführungen zum Sternenhimmel gibt es Lesungen, Late-Night-Shows und Vorträge der Olbers-Gesellschaft. Das Planetarium kann auch für private Feste und Betriebsfeiern gemietet werden.

„Für unseren Projektor gibt es keine Ersatzteile mehr"

Bremen bekam sein erstes Planetarium im Jahr 1952. Die jetzige Sternenkuppel wurde 1958 eröffnet. Die letzte große Sanierung fand dem Leiter zufolge 1978 statt. Der Projektor ist inzwischen mehr als vierzig Jahre alt: „Für unseren Projektor gibt es keine Ersatzteile mehr, wenn da mal etwas kaputt geht, kann das Ding auch niemand mehr reparieren“, sagt Vogel. Das Gerät sei aus zwei alten Projektoren zusammengesetzt, einen davon habe das Osnabrücker Planetarium zuvor ausgemustert. Vogel träumt von einer modernen Fulldome-Anlage, die ein einziges bewegtes Bild auf die ganze Kuppel projizieren kann.

Über mögliche Standorte eines neuen Planetariums hat sich der Leiter Gedanken gemacht: „Ein wunderbarer Standort wäre das alte Wasserwerk hier auf dem Stadtwerder“, sagt Vogel. Dafür müsse man an der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes nichts verändern. Auch auf dem Gelände der Hochschule gäbe es Platz für eine größere Kuppel, glaubt Vogel – denkbar sei auch, dass sich Räume im Postamt 5 eignen könnten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+