Heide Marie Voigt stellt aus

Die Welt reisend und malend erschließen

Heide Marie Voigt, die langjährige Leiterin der Zimmer Galerie in Kattenturm, ist Künstlerin und Kommunikatorin, bis 19. November sind ihre Werke in der Zentralstelle zur Gleichstellung der Frau zu sehen.
02.11.2020, 05:00
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Die Welt reisend und malend erschließen
Von Sigrid Schuer
Die Welt reisend und malend erschließen

Die Collage ihrer neuen Heimat Vegesack hat Heide Voigt extra für „Stadt, Fluss, Land“ geschaffen. Die Ausstellung in Kooperation mit dem Frauenmuseum ist in der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau zu sehen.

Roland Scheitz

„Wo die Zukunft beginnt“, der Titel des Buches, das Heide Marie Voigt in diesem Jahr publiziert hat, spricht für sich. „Wir müssen doch immer für die nachfolgende Generation auch Vorbild sein“, sagt die Künstlerin und Kommunikatorin. Mit Sympathie hat sie das Engagement der Jugend für den Umweltschutz verfolgt und möchte mit ihrem Buch nun ihren Teil zum Umdenken in Zeiten des Klimawandels beitragen. Gerade weil sie selbst in ihrer Kindheit nicht zu Wort kam, ist es der pensionierten Lehrerin immer wieder ein Anliegen, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und im wahrsten Wortsinn eben zu Wort kommen zu lassen.

MIT Knochenhauerstraße Bremer Frauenmuseum in der ZGF Ausstellung Heide Marie Voigt

Marie Voigt hat zeichnend und malend ihre Impressionen festgehalten.

Foto: Roland Scheitz

Zu diesem Zweck hat sie Formate wie „Zwiesprache Lyrik“ und „Gastgeber Sprache“ erfunden. Für die Neuauflage war ursprünglich ein Gespräch für Oktober anberaumt. Wie das alles unter verschärften Corona-Auflagen aussehen wird, steht noch in den Sternen. Ihren großen Traum konnte die gebürtige Dresdnerin gerade noch rechtzeitig vor Ausbruch der Pandemie verwirklichen: im Mai und Juni 2019 Chinas neue Seidenstraße zu bereisen. Die Impressionen der Spurensuche ins „innere Ausland“, die sie dabei zeichnend und malend festhielt, waren seit Anfang März in einer Ausstellung in der Zentralbibliothek zu sehen, doch dann kam der Corona-Lockdown. Nur gute Erfahrungen habe sie mit der chinesischen Bevölkerung gemacht, die ihr stets mit freundlichem Interesse und voller Neugier begegnete, wie die langjährige Leiterin der Zimmer Galerie Kattenturm sagt.

Impressionen aus der Welt

Überhaupt, reisend, zeichnend und malend hat sich Voigt schon von jeher die Welt erschlossen, das zeigt die Ausstellung „Stadt, Fluss, Land“, die bis 19. November in der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau, Knochenhauerstraße 20-25, in Kooperation mit dem Frauenmuseum zu sehen ist. Und so ist in der Schau auch eines ihrer Lieblingsländer präsent: Frankreich. Treffsicher hat die Kunstsinnige über viele Jahre hinweg die sommerhellen Farben Südfrankreichs eingefangen, die gerade jetzt, in der Corona-Krise, Sehnsucht nach einer Auszeit irgendwo am Mittelmeer in der Natur wecken. Moissac, wo viele vom Nazi-Regime verfolgten Juden Zuflucht fanden und überleben konnten, erwanderte sie sich beispielsweise auf dem Jakobsweg. Weitere Impressionen: die graue Steilküste von Cassis, wie sie ins türkise Meer herabstürzt. Die leuchtenden Farben der Provence. Und der von Voigt collagierte, sagenumwobene Mont Ventoux, der schon für den italienischen Nationaldichter Francesco Petrarca ein Sehnsuchtsberg war. Im Kultursommer Summarum war Voigt im Institut francais zu Gast, um über die Bewältigung von Zukunftsängsten zu reden.

MIT Knochenhauerstraße Bremer Frauenmuseum in der ZGF Ausstellung Heide Marie Voigt

Marie Voigt war in den Stadtteilen unterwegs und hat diese in Bildern festgehalten.

Foto: Roland Scheitz

Himmel und Meer schäumen allerdings auch in den so unbeschwert wirkenden, sommerlichen Aquarellen von Wangerooge auf. Aber auch ihrer neuen Heimat Bremen-Nord, also Vegesack, hat sie sich mit einer großen Collage gewidmet, die sie eigens exklusiv für die Schau geschaffen hat. Auch Ausschnitte von alten WESER-KURIER-Seiten hat sie in das Kunstwerk mit eingearbeitet. Zu Papier gebracht hat Voigt auch die beiden Werften Lürssen nebst Superjacht und Abeking und Rasmussen. Dieses Panorama und noch andere Werke sollen übrigens im Frühjahr 2021 im Overbeck-Museum ausgestellt werden.

Last not least: Gleich zu Beginn der Ausstellung sind die Panels zu sehen, die Voigt im Rahmen des Projektes „Gastgeber Sprache“ 2010 in schwarzer Tusche geschaffen hat samt den darin enthaltenen, stadtteilspezifischen Charakteristika. Zu diesem Zweck hat sie die Bremer Stadtteile zeichnend durchstreift. Und auch Impressionen aus dem Weserbergland hielt sie fest: Hameln, Holzminden, pastellig hingetupft die roséschimmernden Dächer unter hellblauem Himmel und die Weser bei Karlshafen, ein Aquarell, das in „Blauer Reiter“-Optik leuchtet. Und noch eine Facette aus der so reichen Projektpalette von Heide Marie Voigt: Mit Ahmed Yusuf baut sie unter dem Titel „Als der Mond schlief“ gemeinsam eine Brücke zwischen Kamischli und Bremen, „auf der ihre Worte und die Töne der Saz hin und zurück gehen können“, wie es die Autorin formuliert.

Weitere Informationen

Am Donnerstag, 5. November, um 17 Uhr findet in der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau, Knochenhauerstraße 20-25, ein Künstlerinnengespräch statt. Dieser Termin kann nur mit einem Mund-Nasen-Schutz besucht werden. Um Anmeldung unter info@bremer-frauenmuseum.de. wird gebeten. Der Eintritt ist kostenlos.

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