Bremen Neues Vorgehen bei Suche nach Flüchtlingsunterkünften

Bremen. Nach der heftigen Diskussion in Vegesack und den Vorbehalten in Gröpelingen regt sich nun auch in Obervieland Widerstand gegen eine Unterkunft für Flüchtlinge. Ein neues Vorgehen bei der Suche soll nun Abhilfe schaffen.
09.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mörtel und Alexandra Knief

Bremen. Nach der heftigen Diskussion in Vegesack und den Vorbehalten in Gröpelingen regt sich nun auch in Obervieland Widerstand gegen eine Unterkunft für Flüchtlinge, die das Sozialressort im Stadtteil angedacht hat. Initiatoren sind im aktuellen Fall die Anwohner des Grundstücks an der Brenningstraße, das sich direkt neben einem Neubaugebiet befindet.

Über 1000 Unterschriften soll eine Bürgerinitiative bereits gegen die Unterbringung von etwa 150 Flüchtlingen in Mobilbauten gesammelt haben. Die Gründe der Ablehnung reichen von der mangelnden Infrastruktur vor Ort bis hin zu unklar formulierten Ängsten vor den Fremden. "Die Bewohner befürchten, dass die aufzunehmenden Menschen unmittelbar mit den konträren Lebensbedingungen ihrer Nachbarn konfrontiert werden und dadurch ein Konfliktpotenzial entstehen könnte", heißt es auf den ausliegenden Unterschriftenlisten im Stadtteil. "Keine Container auf der Wiese" steht zusätzlich auf Holzschildern entlang der Brenningstraße.

Auf einer Sondersitzung des zuständigen Beirats am 13. August wollte Sozialstaatsrat Horst Frehe die Pläne der Behörde ursprünglich vorstellen. Doch gestern teilte das Ortsamt Obervieland mit, dass die Sitzung um zwei Wochen auf den 27. August verschoben worden sei. "Es macht keinen Sinn, über einen bestimmten Standort zu beraten, wenn sich dann doch wieder alles ändern kann, das würde nur weitere Unsicherheiten schüren", begründete Ortsamtsleiter Ingo Funck gestern die Entscheidung.

Denn das Mitte Juli neu aufgerollte Suchverfahren des Senats nach geeigneten Flächen und Gebäuden für Flüchtlingsheime eröffnet der Sozialbehörde völlig neue Möglichkeiten. "Ab dem 13. August liegt uns von den beteiligten Ressorts eine Gesamtschau aller möglichen Standorte der Stadt vor, und wir können dann gesamtbremisch prüfen, welche am ehesten infrage kommen", sagte Bernd Schneider.

Der Sprecher des Sozialressorts erklärte, dass alle zuvor von der Behörde genannten Standortvorschläge – wie auch der umstrittene Sportplatz in Vegesack – allein auf einer Anfrage beim stadteigenen Betrieb Immobilien Bremen beruhten. Die Brenningstraße sei daher keineswegs vom Tisch, doch das erweiterte Suchverfahren könne auch ein völlig anderes Ergebnis für Obervieland hervorbringen.

Die Bedenken der Anwohner und Lokalpolitiker wolle man in jedem Stadtteil ernst nehmen, so Schneider. "Allerdings haben Flüchtlinge starke Rechte auf unseren Schutz, die wir gegen die meist sehr diffusen Ängste vor Veränderungen abwägen müssen." Der häufig geäußerten Befürchtung, die Kriminalitätsrate könnte im Umfeld eines Flüchtlingsheims ansteigen, trat er allerdings entschieden entgegen: "Wir haben in Bremen bisher nur gute Erfahrungen gemacht, und die Vorstellung, die krisengebeutelten Menschen, die auch zuvor friedlich mit ihren Nachbarn gelebt haben, könnten plötzlich kriminell werden, ist absurd."

Frehe betonte gestern auf einer öffentlichen Beirätekonferenz, dass bei der Suche nach Standorten unter anderem die Möglichkeit nach einer sozialen Einbindung der Flüchtlinge im Vordergrund stehe. Gemeinsam mit den Beiratssprechern der einzelnen Stadtteile einigte Frehe sich darauf, das Problem der Flüchtlingsunterbringung gemeinsam zu lösen und eine positive Willkommenskultur zu schaffen. Die Auflistung aller infrage kommenden Standorte soll den Beiräten vorgelegt werden, um bisherige Gesprächsprobleme zu deeskalieren und möglichst schnell geeignete Unterkünfte zu finden.

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