Arbeiten an der Erdbeerbrücke

Neues Wasserrohr unter dem Werdersee

Bremen. Es wirkt auf den ersten Blick wie ein riesiger schwarzer Wurm mit einem großen Kopf. Doch was da zwischen Weser und Werdersee unter der Karl-Carstens-Brücke verläuft, ist die neue Wasserleitung für Hastedt und Habenhausen. Bis Ende Februar sollen die Arbeiten beendet sein.
24.01.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Volker Junck
Neues Wasserrohr unter dem Werdersee

Ingo Böttjer (links) und Aloys Flerlage an der neuen Wasserleitung aus Polyethylen (PE). Nächsten Monat soll sie auf den

JOCHEN STOSS

Bremen. Es wirkt auf den ersten Blick wie ein riesiger schwarzer Wurm mit einem großen Kopf. Doch was da zwischen Weser und Werdersee unter der Karl-Carstens-Brücke, der sogenannten Erdbeerbrücke, hindurchkriecht, ist keine Kulisse für einen Science-Fiction-Film, sondern höchst real die neue Wasserleitung für Hastedt und Habenhausen. Das Kunststoffrohr wird demnächst zehn Meter tief unter der Sohle des Werdersees hindurchgezogen.

Der Zughaken am Kopf des knapp 60 Zentimeter dicken Stranges sitzt schon fest. Anfang Februar beginnen Arbeiter von der Habenhausener Seite der Erdbeerbrücke mit der horizontalen Bohrung unter den Deichen und tief unter der Sohle des Werdersees. In einem großen Bogen soll die Leitung hinüber zum anderen Ufer verlaufen. Was der Bohrkopf herausfräst, wird mit Bentonid, einem speziellen mineralischem Gleitmittel, herausgespült. Sobald das 70 Zentimeter dicke Mantelrohr sitzt, zieht eine Maschine die auf Gummirollen gelagerte Wasserleitung hindurch.

"Das ist die preiswerteste und umweltschonendste Methode", erklärt Projektleiter Ingo Böttjer vom Auftraggeber swb Netze. Immerhin hätte man sonst die Deiche anknabbern und die Tonsohle des Werdersees aufreißen müssen. Bei der Verlegung einer neuen Trinkwasserröhre zwischen Osterdeich und Stadtwerder in Höhe der Wallanlagen war 1995 ebenfalls eine Horizontalbohrung unter dem Bett der Weser angesetzt worden. Doch der Bohrkopf stieß auf unüberwindliche Ablagerungen aus der Eiszeit, so dass schließlich eine Rinne gebaggert und der 60 Zentimeter dicke Strang im Düker verlegt werden musste.

Ein Prozent Restrisiko

Das soll diesmal nicht passieren. Nach den geologischen Gutachten ist der Untergrund des Werdersees von einer Beschaffenheit, die dem Bohrer eigentlich keinen unplanmäßigen Widerstand entgegen setzen sollte. "Aber ein geringes Restrisiko bleibt natürlich immer", räumt Projektleiter Böttjer ein. "Etwa im Bereich von einem Prozent."

Die jetzige Baustelle wurde überhaupt erst notwendig, weil mit der jüngsten Sanierung der Erdbeerbrücke im Hohlkörper kein Platz mehr für die Wasserleitung aus dem Jahre 1972 blieb. Sie überspannt zwar im Brückenbauwerk die Weser, endet jetzt aber auf dem Stadtwerder zwischen Weser und Werdersee. Außen entlang verläuft lediglich noch die gelbe Gasleitung von der swb.

Nun sind die Männer des Unternehmens Ludwig Freytag um Baustellen-Polier Aloys Flerlage gerade dabei, die senkrechte Bohrung von der Erdbeerbrücke in die Tiefe für die Baugrube der Horizontalbohrung vorzubereiten. Vorbeikommende Autofahrer können die immer umfangreichere Baustelle gut beobachten, da mit einer weiteren Horizontalbohrung die Leitung unter der Fahrbahn zur anderen Seite beim Hotel am Werdersee gelegt wurde.

Es geht also um einige Ecken und Kurven, bis das 1833 Kilometer lange Bremer Trinkwassernetz wieder komplett ist. Das soll, sofern in den kommenden Tagen kein großer Frosteinbruch mehr kommt, Ende Februar der Fall sein. Bis dahin wird der Bremer Osten über andere Stränge mit drei weiteren Weser-Querungen (Düker Osterdeich, Bürgermeister-Smidt-Brücke, Stephani-Brücke) versorgt.

Das jetzt noch sichtbare Stück ist 324 Meter lang. Auftraggeber swb Netze hat die Gesamtkosten der Baumaßnahme mit einer Viertelmillion Euro kalkuliert. Nach der dreiwöchigen Entkeimung kann die Leitung stündlich ein Volumen von bis zu 125 Kubikmeter besten Bremer Trinkwassers ohne Chlor aus Tiefbrunnen in Blumenthal und Niedersachsen transportieren.

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